Kongolesische Flüchtlinge im Westen Ugandas

von Deborah Schmieg, 19.12.2013

Auch in dem kleinen Land Uganda findet man Menschen, die eine rote humedica-Weste tragen. In dem ostafrikanischen Staat versorgt die Hilfsorganisation neben dem St. Francis Hospital Mutolere, auch das Flüchtlingslager Bubukwanga mit medizinischen Fachkräften. Das Land und die Bevölkerung sind vielen von uns jedoch unbekannt. „Atemberaubende Landschaft“, weiß man höchstens, oder „ärmliche Verhältnisse dort.“

Es leben Menschen in Uganda, über die wir sagen, dass sie „so anders sind“ und „ganz anders leben“, die jedoch das gleiche über uns Europäer sagen. In Uganda ist es „anders“, ja. Aber nur wenn man es von außen betrachtet.

Die Bevölkerung ist kreativ und einfallsreich, religiös, laut und aktiv. Mit dem Fahrrad werden sieben Bananenstauden gleichzeitig zum Markt gefahren. Am Straßenrand werden so viele frische Nahrungsmittel verkauft, dass man glauben mag, gar nicht alles davon verbrauchen zu können. Gottesdienste am Sonntag werden erst beendet, wenn der Gemeinde die Stimme versagt. Musik darf niemals fehlen. Aus allen Ecken schallt Radiomusik oder eine Platte mit nur drei unterschiedlichen Liedern. Wer Trübsal blasen möchte, muss in die Einsamkeit fliehen oder geübt darin sein, die Hintergrundmusik auszublenden.

In den Augen von uns Europäern mag der Lebensstandard in Uganda sehr niedrig sein, doch dort kennt man nichts anderes. Was für uns Armut bedeutet, ist für die Ugander Normalität und damit sind sie zufrieden. Zumindest wenn sie zu den Glücklichen gehören, die eine Arbeit oder Einnahmequelle haben. Täglich etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf, dafür arbeiten diese Menschen hart.

In Notsituationen kann man schnell geraten, das weiß die Bevölkerung Ugandas. Ernteausfall, politische Konflikte, Naturkatastrophen – ein Ereignis dieser Art und plötzlich steht man vor dem Nichts, gerade in einem Land wie Uganda. Aber auch in Nachbarstaaten, wie der Demokratischen Republik Kongo. Der dort herrschende Bürgerkrieg hat Millionen Menschen alles genommen, was sie besaßen. Selbst der geringe Lebensstandard, der in Uganda herrscht, kann nicht wieder hergestellt werden, denn Bedingung dafür ist ein stabiles politisches und wirtschaftliches System.

Die Regierung in Uganda ist sich dieser Umstände bewusst, weshalb das Land trotz geringer Kapazitäten kongolesische Flüchtlinge aufnimmt.

Im Flüchtlingslager Bubukwanga leben Menschen, die einst den Kongo ihre Heimat nannten. Der Ansturm auf das Transitlager im Sommer 2013 war groß. Bei einer Kapazität von 12.500 Plätzen war das Camp mit 22.000 Flüchtlingen völlig ausgelastet. „Unsere Gesundheitsstation wurde zu dieser Zeit täglich von bis zu 600 Patienten besucht“, blickt Alexandra Vlantos zurück. Sie war für vier Monate Koordinatorin des humedica-Teams in Bubukwanga.

Im Flüchtlingslager riecht es anders, als in den umliegenden Dörfern. Vergoren und modrig. Die Besucher aus dem Kongo haben wenig Platz sich auszubreiten oder Privatsphäre zu schaffen. Großraumzelte bieten provisorisch abgetrennte Abteile. Die Zeltstadt scheint ein authentisch zusammengehörender Ort geworden zu sein. Viele Hilfsorganisationen nehmen sich unterschiedlichen Lebensbereichen an. Die einen kümmern sich um Bildung, die anderen um Verpflegung. Medizinische Versorgung, Infrastruktur, Freizeitgestaltung, Weiterbildung, Hygiene – hunderte Helfer geben ihr Bestes, meist sogar ehrenamtlich.

Der Alltag im Camp ist für uns schwer vorstellbar. Jedoch ähnelt die Kultur Ugandas der des Kongos – ein positiver Aspekt, wenn man den erlebten Umbruch der Flüchtlinge bedenkt. Hunderte Kinder verbringen ihren Morgen meist in der provisorisch aufgebauten Schule, lernen das englische ABC oder den Aufbau des Lagers. Mittags und abends spielen sie auf dem Erdboden, den wir Dreck nennen würden. Sie schenken ihm aber keine Beachtung.

Was sagt man diesen Kindern, wenn sie nach der Zukunft fragen? Dass sie zur Schule gehen, studieren, arbeiten und eine Familie gründen sollen? Die uns bekannten Worte stoßen dort auf Unverständnis. Nein, wenn sie fragen, dann redet man von morgen. Und der größte Segen wird wohl nicht die Antwort sein, sondern ein Mensch, der ihnen zuhört und überhaupt eine Antwort gibt.

Unsere humedica-Ärzte und -Krankenschwestern machen ihre Arbeit von ganzem Herzen. Oft dürfen sie Zuhörer und Antwortgeber für ihre Patienten sein und werden davon ebenso bereichert wie ihre Gegenüber. Wenn Sie ein Teil davon sein möchten können Sie unser Team mit einer konkreten Spende unterstützen. Vielen Dank!

      humedica e. V.
      Stichwort "Kongolesische Flüchtlinge"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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