Eröffnungsfeier des Mehrzweckgebäudes in Pooneryn

von Agnes Zehrer/RBU, 13.03.2013

Pooneryn ist eine kleine Stadt im Norden Sri Lankas. Auf den ersten Blick liegt sie idyllisch umgeben von Reisfeldern, Gemüsegärten und wildromantischem Schwemmland, auf dem weißer und violetter Lotus blüht. Erst bei näherem Hinsehen werden die vielen Probleme deutlich, mit denen die Einwohner diesem Gebiet täglich zu kämpfen haben.

Pooneryn ist der Verwaltungssitz einer Region, die besonders schwer vom Bürgerkrieg betroffen war. Erreichbar ist die kleine Stadt nur über eine holprige Schlammpiste, die noch immer die Hauptverbindung von Jaffna nach Mannar darstellt und in ihrem aktuellen Zustand während der Regenzeit nicht passierbar ist. Doch auch hier sieht man den Wandel, denn am Bau einer neuen Straße wird fleißig gearbeitet. Die abgeschiedene Gegend soll besser zugänglich werden, außerdem soll die vielerorts komplett fehlende Infrastruktur aufgebaut werden.

Knapp vier Jahre nach Ende des Bürgerkriegs mangelt es hier immer noch am Nötigsten: Es gibt keinen Strom, die medizinische Versorgung der Bevölkerung ist – wenn überhaupt vorhanden – sehr dürftig. Viele Menschen leben anhaltend in kleinen Hütten und haben keinen oder nur erschwerten Zugang zu Wasser. Es gibt einige Grund- und Hauptschulen, weiterführende Schulbildung oder die Möglichkeit einer beruflichen Ausbildung sind in dieser Region jedoch kaum möglich.

Die Menschen leben hauptsächlich von dem, was sie in ihren Gärten anpflanzen. Viele bauen Reis für den Eigenbedarf an und verkaufen den Überschuss. Manche arbeiten nebenbei als Fischer, einige haben auch Arbeit im Baubereich gefunden, denn es werden zurzeit viele kleine Häuser gebaut.

Der Weg ins nächstgelegene Krankenhaus ist weit und da der Großteil der Bevölkerung keinen Zugang zu medizinischer Versorgung hat, war der Bau einer Gesundheitsstation ein dringendes Anliegen sowohl von der einheimischen Bevölkerung, als auch von den srilankischen humedica-Mitarbeitern und dem Team in Deutschland.

Am Dienstag den 07. März 2013 wurde nun die neue Gesundheitsstation in Pooneryn eröffnet. Das Gebäude wurde komplett von der Hartmannbundstiftung „Ärzte helfen Ärzten“ finanziert und soll in Zukunft täglich bis zu 40 Menschen medizinische Grundversorgung bieten. Bereits vor der Eröffnung fanden erste Behandlungen statt, weitere sollen in Kürze folgen. Während der geplanten Behandlungszeiten von Montag bis Donnerstag und samstags werden hier ein Arzt und zwei Krankenschwestern arbeiten. Auch die Stelle eines Apothekers ist vorgesehen, der für die Medikamentenausgabe zuständig sein wird.

Das zeremonielle Durchschneiden des Bandes steht in dem neuen Mehrzweckgebäude in Pooneryn für einen Neubeginn. Foto: humedica/Agnes Zehrer

Alle Behandlungen sowie die Medikamente werden für die Hilfsbedürftigen kostenlos sein. Für größere Eingriffe und Behandlungen müssen die Patienten jedoch in das nächstgelegene Krankenhaus geschickt werden, da die kleine Station dies nicht zu leisten vermag.

Darüber hinaus erfüllt das Gebäude noch eine zweite wichtige Funktion: Es dient als Trainingszentrum, in dem kostenfreie Kurse und Fortbildungen für die einheimische Bevölkerung abgehalten werden. Als Equipment wurden bereits sechs alte Nähmaschinen gekauft, die für europäische Verhältnisse zwar wie aus Großmutters Zeiten anmuten, aber ihren Zweck mehr als gut erfüllen: Da sie noch mit einem Fußrad schwungbetrieben werden, funktionieren sie auch ohne Strom.

Den einheimischen Frauen wird auf diesem Weg die Möglichkeit gegeben, ein wichtiges Zusatzeinkommen erwirtschaften zu können. Im Gebäude wurden schon erste Nähmaschinenkurse abgehalten, viele Familien aus der umliegenden Region haben anschließend durch das humedica-Familienpatenschaftsprogramm auch eigene Nähmaschinen erhalten.

Zur Eröffnungsfeier selbst erschienen hauptsächlich Frauen und kleinere Kinder, da die größeren Kinder in der Schule waren und die Männer beim Arbeiten. Das deutsche humedica-Team war vertreten durch den Mitgründer und Geschäftsführer Wolfgang Groß, seinen Stellvertreter Bernd Herger sowie humedica-Mitarbeiterin Agnes Zehrer. Darüber hinaus nahm Pastor Sam Rajasuriar teil, der die Geschäftsleitung des Landesbüros humedica Lanka innehat, und der Koordinator für Familienpatenschaften, Nallasingam, war ebenfalls anwesend.

Nachdem das feierlich geschmückte Haus gesegnet wurde und das traditionelle Band am Eingang zerschnitten war, versammelten sich die anwesenden Gäste im Hauptraum des Gebäudes. Es folgte die Einweihung des Hauses durch Gebet, Gesang und Tanz einer Mädchengruppe. Pastor Sam Rajasuriar und Wolfgang Groß sprachen besonders dem großzügigen Spender und allen Mitwirkenden am Projekt ihren herzlichsten Dank aus.

Sie betonten immer wieder die Wichtigkeit des Gebäudes als lokale Gesundheitsstation und als Trainingszentrum für die einheimische Bevölkerung. Sie erzählten auch von den schwierigen Zeiten während des Bürgerkrieges und fokussierten die zu reduzierenden Probleme, mit denen sich die Menschen bis heute konfrontiert sehen. Die Reden wurden jeweils in Tamil, Singhala und Englisch übersetzt, damit alle Anwesenden die Worte verstehen konnten.

Am Ende der Feierlichkeiten zeichneten sie noch ein hoffungsvolles und optimistisches Bild der Zukunft Sri Lankas, oder wie Pastor Sam Rajasuriar es ausdrückte, als die sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten angesprochen wurden: „Wenn wir alle eine Sprache sprechen, werden wir uns endlich auch gegenseitig verstehen.“ Und diese Sprache muss nicht immer aus Worten bestehen, sondern lässt sich auch durch Taten sprechen.

Bitte unterstützen Sie uns mit der Übernahme einer Familienpatenschaft in Sri Lanka oder tragen mit einer einmaligen Spende dazu bei, Fortbildungen für die Frauen und medizinische Versorgung für alle gewährleisten zu können. Vielen Dank.

      humedica e. V.
      Stichwort „Familienpatenschaften
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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