„Humanitäre Hilfe kann das Denken der Menschen dauerhaft verändern“

von Nikolai Tzschentke/ DWA, 04.02.2013

Auch gegen Ende des Jahres 2012 reißt der Strom von Flüchtlingen aus Nordafrika nicht ab und auf Sizilien werden die Spuren der Wirtschaftskrise immer deutlicher sichtbar. Deshalb war ein Team von humedica zusammen mit Jugend mit einer Mission (JMEM) Hurlach Anfang Dezember auf der italienischen Insel, um dort praktische Hilfe zu leisten, sowie 50 „Geschenke mit Herz“ an die Kinder zu verteilen.

Nikolai Tzschentke von JMEM Hurlach war dabei und berichtet von seinen Eindrücken:

„Für unsere Woche in Sizilien hatten wir viele praktische Hilfseinsätze und Verteilungen geplant. Zuerst wollten wir nach Piedimonte Etno, wo sehr viele arme italienische Familien leben, denen es meist schon an den nötigsten Dingen zum Leben fehlt.

Auch in Mineo wollten wir helfen, wo sich das größte Flüchtlingslager Europas befindet, in dem momentan 3.500 Flüchtlinge aus Nord- und Ostafrika leben müssen. Viele von ihnen sind noch traumatisiert von ihrer beschwerlichen Flucht von Afrika nach Europa.

Dort sollten also die Weihnachtsgeschenke der „Geschenk mit Herz“-Aktion an die Kinder, sowie die dringend notwendige Winterkleidung an die Menschen, die nichts haben, verteilt werden. Wir fuhren mit unserem voll beladenen Van zu unserer ersten Destination – Piedimonte.

Dort konnten wir vor allem den Kindern der italienischen Familien mit den Geschenken mit Herz von den Spendern von humedica eine sehr große Freude bereiten, da es für die meisten von ihnen wohl das einzig richtige Geschenk in diesem Jahr bleiben wird. Unvergessliche Momente durften wir miterleben.

Eine Auswirkung der besonders hohen Arbeitslosigkeit in Sizilien ist wohl jene, dass es vielen Familien an Winterbekleidung und Grundnahrungsmitteln gänzlich fehlt. So konnten wir die armen Familien mit warmer Kleidung für den Winter ausstatten. Dafür ernteten wir sehr viel Dank und Segenswünsche!

An unserem zweiten Tag säuberten wir den Stadtpark von Unrat, da die Stadtverwaltung keine Gelder für eine Reinigung hat und somit der gesamte Park von Müll übersät und verdreckt war. Wir waren ziemlich lange beschäftigt und hatten alle Hände voll zutun!

Unser nächster Halt war das Flüchtlingslager in Mineo. Der Zutritt zu dem Lager selbst ist nur mit einer speziellen Genehmigung möglich. Glücklicherweise konnten wir aber direkt in den Räumlichkeiten unserer Partnerorganisation Gioventú in Missione (GIM) Kleidung an die geflüchteten Neuankömmlinge, die größtenteils aus Äthiopien und Eritrea stammen, verteilen.

Nach wie vor strömen wöchentlich hunderte Flüchtlinge in das Lager, die oft nicht mehr besitzen, als ihre Kleider am Leib. Die Winterkleidung, die wir ihnen übergaben, linderte somit die vorerst größte Not.

Besonders bewegt hat mich die Geschichte von Godwin, einem jungen Nigerianer. Er hielt sich bereits vor den Unruhen in Libyen seit mehreren Jahren beruflich dort auf, wurde jedoch bei Ausbruch des Krieges aufgrund seiner guten körperlichen Verfassung zwangsrekrutiert, um Munitionskisten auf Lastwägen zu laden.

Nachdem er sich bei einer Granatenexplosion verletzt hatte, bekam er schließlich die Genehmigung das Land zu verlassen. Nach der abenteuerlichen Reise mit einem Schiff, das mit 700 Passagieren maßlos überladen war, kam er schlussendlich in Lampedusa an, von wo aus er weiter nach Sizilien gelang.

Seine aufgeschlossene Persönlichkeit und angenehme Art verhalfen ihm zur Stellung des Sprechers des Lagers der Nigerianer. Bald darauf erhielt er die Erlaubnis, das Flüchtlingslager dauerhaft verlassen zu dürfen.

Die Fürsorge, die ihm als einem von vielen Flüchtlingen zu Teil wurde berührte ihn so sehr, dass er sich seither, statt ein bequemes Leben auf Kosten des Staates zu leben, als freiwilliger Helfer bei unserer Partnerorganisation GIM einbringt.

Er verteilt nun selbst Nahrung und Kleidung an arme italienische Familien. Seine Geschichte hat mir erneut gezeigt, dass humanitäre Hilfe nicht nur in die Not der Menschen eingreift und momentan hilft, sondern auch die Denkweise der Menschen positiv beeinflussen und dauerhaft verändern kann.“

Über bewegende Einzelschicksale von afrikanischen Flüchtlingen berichtet Ihnen Kenneth Paul Dakat im zweiten Bericht des Sizilien-Einsatzes von JMEM und humedica.

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