Menschen wie Vitaly, Tamara und Olga machen den Unterschied

von Ruth Bücker, Andrea Trautmann, 19.07.2013

Die Republik Moldau ist ein Binnenstaat im Südosten Europas, der an Rumänien und die Ukraine grenzt. Die Bevölkerung lebt hauptsächlich von der Landwirtschaft. Doch trotz großer Anstrengung gehört die Republik Moldau zu den ämsten und am schlechtesten entwickelten Länder Europas.

Während aufgrund dieser Umstände viele junge Menschen ins Ausland abwandern, bleiben insbesondere die Älteren auf sich allein gestellt zurück. Die finanzielle Lage der Republik Moldau macht das Absichern durch staatliche, soziale Maßnahmen problematisch bis unmöglich. Die medizinische Versorgung entspricht nicht annähernd westlichen Standards.

Doch wie in den meisten Ländern und Regionen weltweit finden sich auch in diesem Armenhaus Europas engagierte Menschen, die ihr Leben der Hilfe verschrieben haben. Der Hilfe für bedürftige Menschen, die aus eigenen Kräften und mit den vorhandenen Ressourcen nicht selbst für sich aufkommen können.

Vitaly und Tamara Paunov sind zwei dieser handelnden Menschen. In dem Städtchen Ceadir Lunga haben sie das Hilfszentrum Gloria gegründet und bringen Hoffnung und konkrete Hilfe zu den Menschen, die es am dringendsten benötigen. Dabei sind sie regelmäßige Empfänger von Hilfsgütern, die der humedica-Versorgungshilfe entstammen. Andrea Trautmann, die für diesen Arbeitszweig verantwortliche Mitarbeiterin in der Kaufbeurer Zentrale, war Ende Juni in Gagausien, um sich ein Bild von der aktuellen Situation zu machen.

„Für die 136 Kilometer zwischen der Hauptstadt Chisinau und Ceadir Lunga benötigen wir mit dem Auto drei Stunden. Auf dem Weg begegnen uns landwirtschaftliche Betriebe. Mais, Getreide, Sonnenblumen, Rapps und Ziegenherden mit ihren Schäfern prägen das Bild auf der Strecke zu dem Hilfszentrum Gloria, das von Vitaly Paunov und seiner Frau Tamara ins Leben gerufen wurde und seitdem liebevoll verwaltet wird. Die Unterstützung ist sehr umfassend, ebenso wie die Hilfslieferungen von humedica, die hier regelmäßig ankommen.

Das medizinische Zentrum – ein Arbeitszweig von Gloria – umfasst eine Apotheke, einen Raum für Physiotherapie, drei Untersuchungszimmer und eines, in dem Blutabnahme und Verbandswechsel vorgenommen werden. Darüber hinaus existieren ein Speisesaal und eine geräumige Küche zur Speisung der Hilfsbedürftigen.

Die medizinische Hilfe wird umgesetzt von fünf Internisten, einer Kardiologin, zwei Kinderärztinnen, einem Arzt für Diagnostik, einer Krankenschwester und drei Laborantinnen. Darüber hinaus arbeiten eine Pharmazeutin, eine Physiotherapeutin und zwei Sozialschwestern in der medizinischen Einrichtung, die bei Bedarf auch häusliche Pflege vornehmen können.

Die Mediziner arbeiten an drei Tagen pro Woche für jeweils vier Stunden bei Gloria und versorgen an einem Behandlungstag ungefähr 100 Patienten. Aufgrund der zu hohen Heizkosten und entsprechend vielen Erkältungen steigt diese Zahl im Winter sogar noch an. Die Patienten gehören allen Altersklassen an und profitieren sehr von der kostenlosen Versorgung, die für sie die einzige Versorgung überhaupt darstellt.

Zusätzlich zu der Hilfe im Krankheitsfall werden bei Gloria derzeit täglich 180 Mittagessen ausgegeben. Ab dem späten Vormittag können die Bedürftigen die Mahlzeiten abholen, im Winter werden sie ihnen gar nach Hause geliefert, da der Fußweg zum Zentrum durch Schnee und Eisglätte für die meisten ein unüberwindbares Hindernis darstellt.

Neben der Abholung, beziehungsweise der Lieferung nach Hause, erhalten noch weitere Frauen und Männer eine warme Mahlzeit, die ebenfalls von der weitgefächerten Hilfe des Zentrums profitieren. Zusätzlich zu den Patienten eines Hospizes, das derzeit fünf Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet, erhalten Bewohnerinnen und Bewohner eigens eingerichteter Wohnheime und eines Obdachlosenzentrums diese Hilfe.

In dem Asyl für Obdachlose, das seit dem Jahr 2009 existiert, leben aktuell 16 Männer. Zwei von ihnen hat es gesundheitlich besonders schwer getroffen: ihnen mussten beide Beine amputiert werden und ohne den Rückhalt von Gloria sähe ihre Chance auf eine Zukunft sehr düster aus.

Um die Angebote in Anspruch nehmen zu dürfen, müssen die Bewohner des Zentrums feste Regeln einhalten: sie dürfen weder rauchen noch trinken, dafür sollen sie aber bei den anfallenden Aufgaben im Garten oder Haus mithelfen und sich nicht auf den Hilfsmaßnahmen ausruhen. In zwei weiteren Wohnheimen finden darüber hinaus zwölf Frauen und 15 Männer Zuflucht vor Armut und der erschütternden Realität, sich alleine nicht versorgen zu können.

Neben dem Hauptgebäude von Gloria steht darüber hinaus ein Kindergarten, der gleichfalls wie die genannten Einrichtungen Hilfsgüter von humedica und der Weihnachtspäckchenaktion „Geschenke mit Herz“ erhält. Auch Kleiderspenden und die Verteilung von Decken sind Bestandteile der Hilfe. Zu sehen, wie all die Waren aus unserer Zentrale verantwortungsbewusst eingesetzt werden, erfüllt mich mit Freude und Bestätigung, dass die Arbeit gut ist.

Am letzten Morgen vor meiner Weiterreise nach Rumänien erinnere ich mich an Erzählungen von Tamara, in der sie des Öfteren eine ältere Frau in der unmittelbaren Nachbarschaft erwähnte, die ebenfalls Mahlzeiten von Gloria erhält. Spontan gehe ich zu dem Nachbarhaus und möchte Olga gerne kennenlernen, die nach Tamaras Worten eine außerordentliche Frau sein muss.

Die 73-Jährige ist trotz der frühen Stunde bereits in ihrem Garten tätig und kehrt. Ich begrüße sie und sofort wird mir das hohe Gartentor aus Metall geöffnet. Ich versuche, mich mit Deutsch, mit Händen und Füßen zu verständigen und irgendwie funktioniert das auch. Olga wirkt sehr zufrieden und ist sehr freundlich.

Dann kommt Tamara und Olga lädt uns ein, mir ihr Haus zu zeigen. Das eigentliche Wohnhaus mit sechs Räumen bewohnt sie nicht mehr – es wäre zu groß und die Heizkosten im Winter viel zu hoch. Auf dem Grundstück ist noch ein sehr kleines Häuschen mit zwei engen Räumen. Da wohnt sie nun. Das reiche ihr aus. Sie habe ja immer geschneidert und das tue sie immer noch. Sie verdient zu ihrer kleinen Rente so noch etwas dazu. Zudem pflanzt sie allerlei Gemüse und Obst an. Dies kocht sie für den Winter ein und so hat sie fast keine Ausgaben für Nahrungsmittel.

In ihrem Garten scheint es alles zu geben: Tomaten, Weintrauben, Pflaumen, Walnüsse, Äpfel, Kirschen, Gurken, Himbeeren, verschiedenste Gemüsesorten wie Karotten, Kartoffeln, Zwiebeln, Lauch, Zucchini. Durch all dies kann sie immer wieder Geld einsparen und konnte auf diesem Weg bereits mit kleinen Renovierungsarbeiten an ihrem Häuschen beginnen.

Bereits seit 40 Jahren näht Olga mit ihrer handbetriebenen Nähmaschine, die sie mir stolz zeigt. Die Maschine läuft sehr leise und gleichmäßig. Sie ist in einem hervorragenden Zustand. Bei Olga ist alles sehr ordentlich und sauber.

Die alte Frau hat gesundheitliche Probleme mit beiden Knien. Sie geht am Stock. Dennoch steht sie immer sehr früh auf, arbeitet den ganzen Tag im Garten oder näht. Olga ist eine beeindruckende Frau. Sie ist klug, fleißig, hat Humor und ist ein lebensbejahender Mensch. Sie arbeitet, spart und investiert bedacht. Sie ist ein wunderbares Beispiel, dass mit Fleiß und engagiertem Handeln auch in Armut etwas verändert werden kann.“

Ihre Projektreise führte Andrea Trautmann im Anschluss nach Rumänien, wo sie weitere Partnerorganisationen besuchte und sowohl vergangene als auch zukünftige Hilfsmaßnahmen besprochen wurden. Bei dem langjährigen Partner Caritas brachte sie darüber hinaus besondere Weihnachtsfreude – und das mitten im Sommer:

Weihnachtsfreude im Sommer - Teil 1

Andrea Trautmann ist bei humedica für den Arbeitszweig der Versorgungshilfe zuständig und besucht in regelmäßigen Abständen Partnerorganisationen, die Hilfsgüter aus Deutschland empfangen. Ihre aktuelle Reise führte sie im Juni nach Rumänien, wo neben Planungs- und Abschlussgesprächen auch eine besonders schöne Aufgabe wartete.

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Weihnachtsfreude im Sommer - Teil 2

Nachdem Andrea Trautmann bei der Geschenkübergabe in dem Kindergarten Jósika Miklós in Turda anwesend war und gemeinsam mit den kleinen Mädchen und Jungen die gewonnenen Spielsachen ausprobierte, führte sie ihre Reise weiter nach Baicu. In der dortigen Pfarrei hegen die Helfer bereits seit Jahren einen bestimmten Wunsch, der ihnen nun erfüllt wurde.

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Mit Ihrer Spende, liebe Freunde und Förderer, können auch Sie den Arbeitszweig der Versorgungshilfe unterstützen. Helfen Sie Menschen wie Olga, die tatkräftig ihr Bestes geben aber dennoch äußerer Hilfe bedürfen. Vielen Dank!

      humedica e. V.
      Stichwort „Versorgungshilfe
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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