Einzelschicksale in Pakistan machen Notwendigkeit der Hilfe deutlich

Dörfer im Gebiet Hathango

von Hannah Janvarious/DWA, 25.02.2013

Der Kinderarzt Dr. Toni Großhauser ist seit fast drei Jahren der humedica-Koordinator für die Projekte in Pakistan. Er hat auf seinen vergangenen Einsätzen Vieles erlebt, an dem er Sie gerne teilhaben lassen möchte. Einen Auszug seines Reisetagebuches haben wir bereits vor einigen Tagen veröffentlicht.

Nun laden wir Sie ein, ihn auf eine Reise in das pakistanische Landesinnere zu begleiten. Wir begegnen dabei Menschen, die noch immer unter den Konsequenzen der Flut im Jahr 2011 und unter den allgemein schlechten Lebensbedingungen leiden. Zusammen mit Hannah Janvarious der Partnerorganisation PMS (Pak Mission Society) stellt uns Toni Großhauer diese Einzelschicksale vor.

1. Begegnung: Jamal

In dem Dorf Pirano Bozdar in der Region Hathango lebt Jamal mit seiner 5-köpfigen Familie. Er hat zwei Söhne und eine Tochter. All seine Kinder sind noch klein und gehen noch nicht zur Schule.

Jamal und seine Frau arbeiten draußen auf dem Feld, um für den Tag das Nötigste zu erwirtschaften. Außerdem müssen die beiden dafür sorgen, ihrem Pächter das Geborgte für ihr Land zurückzahlen können. Es handelt sich um 60.000 Pakistanische Rupien, das entspricht knapp 460 Euro, was eine enorme Summe für die pakistanische Bauernfamilie bedeutet.

Während der Flut, die Jamal und seine Familie für drei Monaten obdachlos machte, verweilten sie auf einem Hügel um zu überleben. Erst als sich die Wassermassen reduziert hatten, konnten sie in ihr Dorf zurückkehren.

Ein Team von PMS führte einen Überprüfungseinsatz durch, ob das Dorf Pirano Bozdar eines der Regionen war, das am dringendsten Hilfe benötigte. Obwohl die Untersuchungsergebnisse gegen dieses Urteil sprachen, wählte PMS die Unterstützung für genau dieses Dorf.

Jamal ist sehr hoffnungsvoll, dass PMS seine Umstände sieht und seine Familie unterstützen wird. Für sie ist das Leben ein täglicher Kampf, den sie nur schwer ohne Hilfe von außen gewinnen können.

2. Begegnung: Beejlo

Beejlo ist ein alter Mann. Er lebt in dem Dorf Babbar Hingoro im Gebiet Hathango. Er ist das Oberhaupt seiner Familie und somit verantwortlich für die Versorgung seiner Angehörigen. Deshalb muss er mit seiner Frau täglich draußen auf den Feldern hart arbeiten.

Beejlo hat zwei Söhne und zwei Töchter, die aber alle bereits bei ihren Ehepartnern leben, fern von den Eltern. Ein tragischer Schicksalsschlag brachte ihn in eine sehr schwierige Situation: Als eine seiner Töchter starb, hinterließ sie ihm vier kleine, minderjährige Kinder, die noch nicht selbstständig sind.

Nach dem Tod seiner Tochter entzog sich sein Schwiegersohn – der Vater der Kinder – jeglicher Verantwortung für die Erziehung seiner Kleinen. Er hinterließ sie in Beejlos Zuhause und heiratete nur kurze Zeit später eine neue Frau aus seiner Dorfgemeinschaft, mit der er nun zusammenlebt. Um seine abgegebenen Kinder kümmert er sich nicht.

So trägt nun Beejlo die große Verantwortung, seine vier kleinen Enkelkinder zu erziehen und großzuziehen. Für ein altes Ehepaar wie ihn und seine Frau stellt dieser Zustand eine fast unmachbare Herausforderung dar, der sie kaum gewachsen sind. Täglich stoßen sie an ihre nervlichen, vor allem aber körperlichen Grenzen.

Im Jahr 2011 überschwemmte die Flut sein Zuhause und machte ihn und seine Familie obdachlos. Solange das Dorf überflutet war, mussten sie in ein anderes Gebiet umsiedeln. Alle Einwohner des Dorfes kämpften drei Monate lang um ihr Überleben auf einem Hügel der weiten Wüstenlandschaft. Ohne ein Dach über dem Kopf, unter freiem Himmel, ohne Schutz vor Wind, Wetter und Sand, sowie ohne Essen und kaum Trinkwasser, harrte das ganze Dorf Babbar Hingoro zwölf Wochen lang aus.

Nach drei Monaten konnten sie wieder in ihr Dorf zurückkehren und in provisorischen Notunterkünften unterkommen. Diese Menschen erhielten keinerlei Hilfe von Regierungs- oder Nicht-Regierungs-Organisationen, um ihre Häuser wieder aufzubauen. Der Großteil der Dorfbewohner sind Lehensmänner und -frauen oder einfache Arbeiter und haben nicht das nötige Einkommen, um ihre Häuser selbst aufzubauen.

Während einer Erkundungshilfstour der Pak Mission Society wurde dieses Dorf für Unterstützung ausgewählt. Die Erkundungstour diente dazu, die Lage einzuschätzen, wie viel der unteren Sindh-Region tatsächlich von der Flut zerstört wurde und wiederaufgebaut werden muss.

Beejlo ist als einer der Begünstigten dieser Hilfsaktion sehr hoffnungsvoll, bald in einem besseren Zuhause leben und seine Enkelkinder großziehen zu können.

Weitere Lebensberichte über Einzelschicksale von Menschen aus Pakistan folgen in einem zweiten Teil. Begleiten sie die Menschen durch ihre alltäglichen Schwierigkeiten, durch tragische Katastrophen, die ihre Existenz zerstörten in einen Neubeginn, den sie nur mit Hilfe und Unterstützung von außen, durch humedica und andere Hilfsorganisationen, erfahren können.

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