Ein besonderes Schicksal erhält Unterstützung des humedica-Teams

Ein Bericht von Assistenzkoordinator Ole Hengelbrock

von Ole Hengelbrock, 22.05.2013

Der Aktionstag Syrien unter dem Motto „Stopp. Schau hin!“ ist vorbei, doch die Situation der unter dem Bürgerkrieg leidenden Menschen ist nach wie vor alarmierend. Ole Hengelbrock arbeitet als ehrenamtlicher Assistenzkoordinator im östlichen Libanon und erlebt die Notlage der syrischen Flüchtlinge unmittelbar vor Ort. Unter den tausenden Schicksalen berührte Ole besonders die Geschichte des jungen Syrers Fayad. Heute möchte er Ihnen davon erzählen.

„Der offizielle Auftrag des humedica-Einsatzes im Libanon ist eine basismedizinische Versorgung der aus Syrien geflohenen Menschen. Dass die alltägliche Arbeit gut vorangeht, belegt die schwarz auf weiß gedruckte Statistik der behandelten Patienten. Die Zahl der behandelten Patienten variiert von Woche zu Woche, aktuell erfahren dank humedica mehr als 100 Menschen pro Tag professionelle medizinische Hilfe.

Staubverfärbte T-Shirts sind die Verbildlichung dieser Leistung. Der Schweiß auf der Stirn der medizinischen Einsatzkräfte weitet dieses Bild zu einem Appell aus: „Schaut hin, wir machen weiter!“

Eine Besonderheit von humedica ist, dass Handlungsmöglichkeiten bis zum Äußersten ausgeschöpft werden. In anderen Worten: neben der generellen Arbeit in den Flüchtlingscamps akquiriert humedica Ressourcen, um spezifische Fälle zu versorgen. Dies kommt Menschen zu Gute, die schwerwiegend aus ihrem Leben gerissen wurden. Schicksale, die im Besonderen erschüttern.

Solch ein Schicksal traf Fayad. In Homs in eine behütende Familie mit sieben Kindern hineingeboren, wuchs er zu einem Teenager heran, der mit seinen Träumen und Plänen noch sein ganzes Leben vor sich hatte. Dann begann der Krieg. Welche Auswirkungen das auf eine kindliche Seele hat, ist mit bloßem Auge nicht zu erfassen. Der Krieg überfiel die Familie mit Armut und Leid.

Der Vater und ein Bruder wurden erschossen. Ein weiterer Bruder ist im Gefängnis verschwunden. Der essenziellste Einschnitt in das Leben des 16-jährigen Jungen war ein Knall, der Mark und Bein erschüttern lies. Eine Bombe zerstörte das Haus der Familie. Unter den Trümmern begraben überlebte Fayad. Seitdem ist sein Körper vom Krieg gezeichnet. Seine Wunden sind unübersehbar.

Nach einer lebensrettenden Operation in Syrien sammelte die Familie übrig gebliebene Habseligkeiten aus den Trümmern. So gut wie alles wurde von der Bombe zerstört. Sobald Fayads Zustand stabil war, machten sie sich mit den Dingen, die sie tragen konnten, auf den Weg in den Libanon. Weg von zu Hause. Weg vom Krieg.

In einem Flüchtlingscamp im libanesischen Bekaa-Tal begegneten die humedica-Einsatzkräfte Fayad zum ersten Mal. Er war kaum noch willens zu sprechen, schwach, mangelernährt und hatte Narben am ganzen Körper. Ein Fixateur stabilisierte seinen Knochenbruch im linken Arm.

Das Einsatzteam vor Ort beschloss, den jungen Fayad über das alltägliche Arbeitspensum hinaus, umfassender zu versorgen. Dieser Einsatz von Herbert Seitz, Dr. Margot Wortmann, Heidi Nicklin und Dr. Margrit Wille ist als Aufruf zu verstehen: „Stopp. Schau hin!“

Nun besucht einer der Ärzte Fayad wöchentlich und kümmert sich spezifisch um sein Wohlergehen. Durch begleitete Krankenhausbesuche konnte Klarheit über seinen medizinischen Zustand gewonnen und das weitere Vorgehen besprochen werden.

Die Röntgenaufnahmen zeigen etliche Splitter im Körper. Sie haben sich durch die Bombenexplosion unter die Haut gebohrt und bilden unzählige kleine Verletzungen. Die weiß leuchtenden Punkte auf den dunklen Röntgenaufnahmen sind Zeugnis für den Krieg, der in Syrien wütet.

Momentan tragen die ehrenamtlichen Einsatzkräfte Dr. Ingeborg Olzowy, Susanne Nieswandt und Marjam Esmail die umfassende Versorgung und erklären: „Wir machen weiter!“. Die Kontinuität ihrer Arbeit wird durch das Röntgenbild des linken Armes charakterisiert.

Der Knochen ist zwar noch immer gebrochen und muss durch die Metallstäbe fixiert werden, doch am äußeren Rand wächst er wieder zusammen. Zwar nur langsam und durch fürsorgliche und aufwendige Pflege, aber der Bruch heilt. Nach all den Zerstörungen des Krieges symbolisiert das Röntgenbild den momentanen Stand in Fayads Biografie: Wunden können heilen.

Was bleibt also zu tun, wenn trotz dem eigenen Glauben und der Hoffnung das Gefühl überwiegt, die Not der syrischen Flüchtlinge nicht lindern zu können? - Hinschauen! Weitermachen! So lange, bis die Brüche zusammenwachsen; so lange, bis die Wunden heilen; so lange, bis der Krieg in Syrien ein Ende findet.

Bei einem gemeinsamen Mittagessen nach einem Krankenhausbesuch frage ich Fayad nach seinen Träumen und Wünschen. Vor dem Krieg wollte er Bälle fangen wie einst Oliver Kahn. Heute möchte er Arzt werden, um anderen Menschen in Notsituationen zu helfen.“

Bitte unterstützen Sie auch weiterhin unsere Hilfe im Libanon mit einer konkreten Spende. Helfen Sie syrischen Flüchtlingen wie Fayad, neue Hoffnung zu schöpfen. Helfen Sie konkret, Wunden zu heilen.

      humedica e. V.
      Stichwort „Syrische Flüchtlinge“
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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