Dr. Margrit Wille über einen ganz „normalen“ Behandlungstag im Libanon

von Dr. Margrit Wille, 27.05.2013

Alltag ist geprägt von bekannten Anblicken, einem mehr oder weniger regelmäßigen Ablauf und einer bestimmten Lebensweise. Dr. Margrit Wille war als Einsatzkraft im Libanon tätig und zieht nach ihrer Heimkehr ein Resümee, welch anderen Gewohnheiten und Gedanken sich in der Ferne einstellen und welche neuen Gegebenheiten plötzlich zu einem neuen Alltag gehören.

„Es klingelt an der Haustür. Unsere Übersetzer holen uns – Dr. Inge Olzowy, Pflegekraft Susanne Nieswandt, Assistenzkoordinator Ole Hengelbrock und mich – ab. Heute fahren wir in ein neues Flüchtlingslager, etwa 100 Familien sollen dort untergekommen sein. Das ist also schon ein größeres Camp.

Auf dem Weg passieren wir einen Checkpoint. Automatisch setze ich die Sonnenbrille ab. Der Soldat grüßt freundlich. Er kennt unser Auto schon. Wir lächeln zurück. Auch der Panzer auf der anderen Straßenseite ist längst ein gewohnter Anblick geworden.

Im Camp angekommen, bestätigt sich unsere Vermutung: Heute gibt es viel zu tun! Ich begrüße jeden Patienten mit „Salam“, schaue in unzählige Münder, bin immer wieder erschüttert über den schlechten Zahnstatus und die häufigen Abszesse. Den uns angebotenen süßen Tee – wahrscheinlich eine der Ursachen für die kranken Zähne – trinke ich trotzdem sehr gerne.

Inzwischen ist es warm im Zelt geworden und wir schwitzen kräftig. Das bewerten wir aber eher positiv – es erspart uns den Toilettengang in diesem Camp.

Meine Kollegin Inge behandelt auf ihrer Seite des Tisches – klar geteilt durch die in der Mitte angeklebte Mülltüte – jede Menge Wurmerkrankungen, während sich auf meiner Seite die Patienten mit bakteriellen Infekten häufen.

Meiner und auch Inges besorgter Blick in Richtung des Apothekentisches, der sich schräg hinter uns befindet, wird von Susanne, die mit dem Übersetzer David die von uns verordneten Medikamente ausgibt, mit einem beruhigenden Nicken beantwortet. Sie hat – wie immer – genug Vorrat eingepackt.

Leider kommen dann einige Damen mit unerwünschten Mitbewohnern in ihrem Kopfhaar zu mir. Das bedeutet: Alle Männer müssen das Zelt verlassen. Erst dann dürfen die Frauen das Kopftuch abnehmen. Das verzögert den Ablauf ein wenig, ist aber kein Problem.

Als wir nach mehr als 180 Patienten mit den heutigen Behandlungen fertig sind, ist die Apotheke dann doch stark geschrumpft. Aber wir haben es geschafft: Alle sind zufrieden und mit verringerten Beschwerden aus dem Zelt gegangen. Und manche, denen ich auf arabisch eine gute Besserung wünschte, haben meine Schulter berührt. Ein kleines Zeichen des Danks.

"Das Wenige, das du tun kannst, ist viel – wenn du nur irgendwo Schmerz und Weh und Angst von einem Wesen nimmst." (Albert Schweitzer). Foto: humedica/Heidi Nicklin

Wieder im Auto denke ich: „Vielleicht gibt es heute Abend in der Wohnung Wasser und wir können duschen. Und falls nicht, hat Susanne sicher Feuchttücher dabei.“ In mein abendliches Gebet schließe ich den Dank für solch ein tolles Team ein, mit dem ich zusammenarbeiten durfte.“

Das humedica-Team in der Zentrale schließt sich diesem Dank für alle wunderbaren und engagierten Helfer an. Danke auch Ihnen, liebe Freunde und Förderer, für Ihre gezielte Unterstützung. Bitte helfen Sie auch weiterhin mit einer konkreten Spende, die Hilfe für syrische Flüchtlinge durchführen zu können. Vielen Dank.

      humedica e. V.
      Stichwort „Syrische Flüchtlinge
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