Sie lachen und danken die Not weg

von Heide Weishaar, 23.08.2013

Wer in Deutschland von seinem Geburtstag erzählt, berichtet meist von einem entspannten Tag, der mit Kaffee und Kuchen im Familienkreis gefeiert wurde. Ganz anders, aber doch irgendwie ähnlich, verlief dieser Tag für Heide Weishaar, humedica-Assistenzkoordinatorin im Libanon. Die 36-jährige leistet dort gemeinsam mit ehrenamtlichen Medizinern dringend benötigte Hilfe in syrischen Flüchtlingslagern.

„An meinem Geburtstag wache ich auf und blicke hinüber zu Leen, meiner belgischen Kollegin und Mitbewohnerin, mit der ich seit vier Wochen ein Zimmer in unserer Wohnung in Zahlé, einer mittelgroßen Stadt im Osten des Libanons, teile.

Sie liegt noch im Bett, was ungewöhnlich ist, denn normalerweise steht sie mindestens eine Stunde vor mir auf. Ich begrüße Leen mit meiner besten Version eines flämischen Goedemorgen, schnappe mir meine Zahnbürste und verschwinde im Bad.

Nach kurzer Morgenwäsche und dem Versuch, mich mit Hilfe des einzigen Spiegels im Appartement zu schminken, geselle ich mich zu meinen anderen Mitbewohnern auf den Balkon, um zu frühstücken. Wir sind alle noch etwas schläfrig, nur Ärztin Wiebke und unsere Hauptkoordinatorin Susanne beschäftigen sich schon mit den Patientenakten der Flüchtlingslager, die wir heute besuchen.

Um 8:45 Uhr kommen unsere vier lokalen Mitarbeiter - wir packen das Auto und fahren los. Zur ersten Flüchtlingssiedlung ist es nicht weit. Wie die meisten der 38 Lager, die wir betreuen, liegt es in der Nähe unseres Wohnorts Zahlé.

Bei unserer Ankunft werden wir sofort von Kinderscharen begrüßt. Schnell sind zwei Tische und ein paar Stühle im Zelt des Campvorstands aufgebaut, die uns als Apotheke und Behandlungsplatz dienen, wir können mit unserer Arbeit beginnen.

Schon strömen die ersten Patienten herein: Es sind Mütter mit ihren Kindern, die an Durchfall oder Hauterkrankungen leiden; Menschen mit Kriegswunden, Rückenschmerzen, Bluthochdruck oder Diabetes. Mitunter treten auch ausgefallene und landestypische Krankheitsbilder wie Leishmaniose auf.

Viele Beschwerden sind die Folge der katastrophalen Lebensbedingungen in den Flüchtlingslagern. Als Wasserquelle dienen dort meist nur stark verschmutzte Gewässer; die Unterkünfte sind notdürftig zusammen gezimmerte Zelte; Nahrungsmittelversorgung und Hygiene sind komplett unzureichend.

Anstatt mich zu wundern, warum die Menschen krank werden, frage ich mich zunehmend, warum viele der Flüchtlinge noch so gesund und belastbar sind. Und noch mehr erstaunt mich, dass sie sogar lächeln und zu Scherzen aufgelegt sind.

Ich helfe bei der Organisation der Warteliste und den Überweisungen, aber schon bald kann ich auch meine physiotherapeutischen Kenntnisse anwenden: Eine Patientin kommt mit starken Rückenschmerzen und ich massiere sie den Umständen entsprechend so gut ich kann.

Im Anschluss behandele ich ein Mädchen mit einer sogenannten Spina Bifida, einer Neuralrohrfehlbildung, die in der Schwangerschaft durch Folsäuremangel entstehen und in einigen Fällen eine körperliche Behinderung des Kindes nach sich ziehen kann.“

Wie Heide Weishaar dem Mädchen helfen konnte und mit welchen Ereignissen dieser besondere Geburtstag noch aufwartete, erfahren Sie in wenigen Tagen im zweiten Teil des Berichts. Bitte unterstützen Sie außerdem unsere, durch das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland ermöglichten Hilfsmaßnahmen, für die syrischen Flüchtlinge im Libanon. Vielen Dank!

      humedica e. V.
      Stichwort „Syrische Flüchtlinge“
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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