Zwischen seelischem Beistand und körperlichen Leiden

von Anna Schappert/LKO, 29.04.2013

Noch immer treibt der verheerende Bürgerkrieg in Syrien tausende Menschen in die Flucht in den benachbarten Libanon. Die meist maßlos überfüllten Flüchtlingslager zwingen die Menschen zu einem Leben in ungeheurer Armut und räumlicher Enge. Mit mobilen Kliniken leisten humedica-Einsatzteams dringend benötigte, medizinische Versorgung bei den körperlich und seelisch versehrten Flüchtlingen.

Die deutsche Ärztin Anna Schappert aus Mainz ist das erste Mal für humedica im Auslandseinsatz und möchte Ihnen heute über die aktuelle Situation und Verfassung der hilfsbedürftigen Menschen im Libanon berichten.

„Seit einer Woche bin ich nun als Teil eines humedica-Teams in Libanons Osten unterwegs. Mit unserer mobilen Klinik reisen wir jeden Tag zu einem anderen Flüchtlingscamp und schaffen es dort je 60 bis 80 Patienten zu versorgen.

In der vergangenen Woche behandelten wir größtenteils junge Menschen mit Haut- und Wurmerkrankungen, sowie Kopf- und Gelenkschmerzen. Aufgrund des späten Frühlingsbeginns und der langen und nassen Kälteperiode sind auch auffallend viele Atemwegs- und grippale Infekte zu verzeichnen. Dramatische Krankheitsbilder sind zum Glück eher selten.

Personen mit chronischen Krankheiten wie Diabetes oder Asthma verweisen wir an ärztliche Versorgungszentren des Libanons, die sich bereit erklärt haben, diese Patienten gegen eine geringe Konsulationsgebühr von umgerechnet circa einem Euro mit entsprechenden Medikamenten auszustatten.

Neben den organischen Beschwerden leiden die syrischen Flüchtlinge besonders unter der vorherrschenden Notsituation und unter den ihnen zugestoßenen, traumatischen Erlebnissen. Während sich die seelische Belastung bei Erwachsenen meist durch chronische Schmerzen äußert, erleiden Kinder zum Beispiel unerklärlichen Haarausfall oder Harninkontinenz.

Für diese Menschen ist es in vielen Fällen auch wichtig, dass wir einfach nur präsent sind und ihre Sorgen wahrnehmen. Der Umstand, nicht zu wissen wie lange die syrische Krise noch andauern wird und wann sie wieder in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehren können, ist zu den körperlichen Beschwerden eine zusätzliche seelische Belastung für die vertriebenen Syrier.

Die Flüchtlingscamps sind in der Regel auf Feldern angesiedelt und die Menschen, die dort teilweise schon über ein Jahr verweilen, zahlen eine gemeinschaftliche Abgabe an die betroffenen libanesischen Bauern.

Innerhalb der Lager haben sich autonome Strukturen herausgebildet. Es existiert ein Camp-Chef, der sowohl unser Ansprechpartner ist, als uns auch in der Regel sein Wohnzelt als Behandlungsraum zur Verfügung stellt.

Dort findet sich Platz für einen Untersuchungstisch, an dem die humedica-Ärzte und Übersetzer sitzen. Darüber hinaus für eine kleine Apotheke, an der die Patienten ihre Medikamente ausgehändigt bekommen und eine erste Wundversorgung erfolgen kann. Während der Sprechstunden bewirten uns die Ehefrauen der Camp-Chefs stets sehr aufmerksam mit Tee und Kaffee.

Am Ende eines langen Arbeitstages klingeln uns infolge der engen räumlichen Verhältnisse und des anhaltenden Geräuschpegels häufig die Ohren. Doch die Dankbarkeit der Menschen, ihre Hilfsbereitschaft, die lachenden Kinder und ihr Eifer, uns beim Verladen der Medikamente wieder zu helfen, lassen uns umgehend alle Strapazen vergessen.“

Bitte unterstützen Sie uns auch weiterhin bei der Hilfe im Libanon mit einer konkreten Spende und setzen Sie sich für unverschuldet in Not geratene Familien ein.

      humedica e. V.
      Stichwort „Syrische Flüchtlinge
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Auch mit einer kleinen sms können Sie Großes bewirken: senden Sie das Stichwort DOC an die 8 11 90 und von den abgebuchten 5 Euro tragen Sie mit 4,83 Euro unmittelbar zu der humedica-Projektarbeit bei.

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