Der Krieg ist vorbei - der Schmerz bleibt

von Jacqueline Colin, Lina Koch, 16.10.2013

Die Welt blickt gebannt nach Syrien. Die abendlichen Fernsehbilder der Nachrichten scheinen einen nicht enden wollenden Strom des Leids und der Zerstörung zu zeigen. Bilder eines Bürgerkriegs, die ohne Frage unsere Aufmerksamkeit verdienen und an unsere Nächstenliebe appellieren.

Im Kosovo ist der Krieg lang vorbei. Seit vierzehn Jahren schweigen die Waffen und das Land scheint zur Ruhe gekommen. Doch die Realität, das Leben der von Gewalt gezeichneten Menschen, spricht eine andere Sprache. Aus diesem Grund hilft humedica nicht nur in akuten Krisenregionen wie Syrien, sondern engagiert sich auch in längst aus dem Fokus der Öffentlichkeit geratenen Ländern, wie dem Kosovo.

Jacqueline Colin, Krankenschwester aus Belgien, reiste Mitte September in die südosteuropäische Republik, um dort gemeinsam mit der deutschen Kinderärztin Dr. Andrea Kranen-Sutter medizinische Hilfe für mittellose Menschen zu leisten. Welche Erfahrungen und Eindrücke sie dort sammeln konnte und welchen Personen sie besonders dankbar ist, verrät Ihnen Jaqueline Colin in ihrem Rückblick:

„Als ich gebeten wurde, einige Worte über meinen medizinischen Hilfseinsatz im Kosovo zu verfassen, stimmte ich gerne zu. Doch wo sollte ich beginnen? Meine Eindrücke sind so vielfältig. So erhellend und irgendwie auch bestürzend.

Ich beginne mit zwei wunderbaren Menschen, die ich im Rahmen dieses Einsatzes kennenlernen durfte. David und Cindy Johnson, die Leiter der humedica-Kindertagesstätte Krushe e Vogel im Süden des Landes, sind die besten Gastgeber, die man sich vorstellen kann.

Ihre Sorge und tiefe Liebe für die Menschen im Kosovo zeigt sich durch jedes Wort, jede Geschichte und jeden erteilten Ratschlag. Sie sind sowohl ein Segen für den Kosovo, also auch für meine Kollegin Andrea und mich, da wir für die Zeit unseres Einsatzes bei ihnen unterkommen durften.

Von unserem Stützpunkt in Krushe e Vogel, besuchten wir mit unserer mobilen Klinik entlegene Regionen, deren Menschen im Normalfall weder Mittel noch Möglichkeiten für eine medizinische Behandlung besitzen.

Jedes Dorf das wir aufsuchten, war bereits durch den lokalen humedica-Mitarbeiter Alban auf uns vorbereitet worden. Unser Arbeitsplatz war organisiert und alle Bewohner informiert. Eine großartige Leistung, die er noch steigerte, indem er uns gemeinsam mit Übersetzer Korab immer bei bester Laune hielt.

Während unserer Sprechstunde fielen mir besonders die zahllosen körperlich und psychisch depressiven Frauen auf. Viele litten unter einem posttraumatischen Stresssyndrom, das sie seit dem schrecklichen Krieg in den 90er Jahren verfolgt.

Es scheint, als würde das öffentliche Leben sie drängen, all ihre Qualen zu vergessen und die Vergangenheit hinter sich zu lassen – doch wie soll das funktionieren, wenn der Verlust so groß ist, die Kräfte am Ende sind und man den eigenen Nachbarn nicht mehr trauen kann?

Diese Mütter und Großmütter sind unfassbar stark. Sie sprechen nicht über das Erlebte, zeigen keine Schwäche, ertragen den Schmerz. Aber ihren eigenen Körper können sie damit nicht täuschen. Ihre seit Jahren zurückgehaltenen Tränen äußern sich also in Bluthochdruck, Diabetes oder diffusen Schmerzen in Brust und Nacken.

Natürlich kamen auch reguläre Patienten zu unseren Sprechstunden. Menschen, die konventionelle Medikamente benötigten, wie kleine Mädchen mit Bauchschmerzen oder Jungen mit Wachstumsbeschwerden. Auch sie waren auf unsere Pflege und Aufmerksamkeit angewiesen.

Da gab es junge Mütter, selbst noch jugendlich, die uns mit ihren drei oder vier Kindern besuchen, um dringend benötigte Vitamine zu erhalten. Ihre Armut bedingt mangelhafte Lebensmittel, die sie krank machen. Ihr Leben gleicht einer Sackgasse.

In gewisser Hinsicht war es gut, all diesen Menschen eine helfende Hand zu reichen. Andererseits droht einen die Bestürzung angesichts der eigenen Machtlosigkeit zu erschlagen. Manchmal trat diese tiefe Sorge an die Oberfläche, für einen Moment erlaubt man den Tränen zu fließen. Ein kurzer Augenblick – ein kurzer Herzenstrost. Ein Weg, um den Menschen zu zeigen, dass wir für sie da sind und mit ihnen fühlen.“

Liebe Freunde und Förderer, bitte zeigen auch Sie den Menschen im Kosovo, dass wir für sie da sind – dass wir sie nicht vergessen haben. Unterstützen Sie unsere Arbeit in einem der ärmsten Länder der Welt mit einer konkreten Spende. Vielen Dank!

      humedica e. V.
      Spendenstichwort "Kosovo"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Bitte helfen Sie mit einer sms: Stichwort DOC an die 8 11 90 senden und von den abgebuchten 5 Euro gehen 4,83 Euro in die humedica-Projektarbeit. Vielen Dank!

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