HINTERGRUND: Krankheitsbilder

von Lina Koch, 17.09.2013

Jedes Jahr sterben 3,1 Millionen Kinder an den Folgen von Mangelernährung. Eine schockierende Statistik. Eine Zahl, so hoch, dass sie sich unserem Vorstellungsvermögen entzieht. Mit einfachen Maßnahmen – so suggerieren uns Studien und Schlagzeilen – könne diese Zahl beinahe halbiert werden.

Doch wobei handelt es sich bei Mangelernährung wirklich? Ist der Grund für die enorm große Zahl der Todesopfer tatsächlich einzig der Mangel an Nahrung? Oder spielen noch andere Umstände eine Rolle? Im Rahmen unserer Hintergrundreihe über häufig auftretende Krankheitsbilder in Entwicklungsländern, möchten wir Ihnen heute einen Überblick des diffusen Begriffs Mangelernährung verschaffen.

Mangelernährung

Um den schwer fassbaren Ausdruck Mangelernährung zu verstehen, kommt man nicht umhin, einige fachliche Begriffsunterscheidungen vorweg zunehmen. Ganz allgemein bezeichnet Mangelernährung eine unausgewogene oder unzureichende Ernährung.

Nimmt ein Mensch nicht ausreichend Kalorien zu sich, spricht man von quantitativer Mangelernährung. Fehlen bei der aufgenommen Nahrung lebenswichtige Bestandteile wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, handelt es sich hingegen um eine qualitative Mangelernährung. Beide Formen verursachen bei chronischem Auftreten schwere Folgeerkrankungen, die ohne akute Behandlung mitunter zum Tod führen können.

Die Ursachen von Mangelernährung in Entwicklungsländern sind schnell aufgezeigt: Armut und nicht vorhandene beziehungsweise unzureichende Nahrung stehen im Vordergrund verschiedener Erklärungsversuche. Besonders Kinder unter fünf Jahren, schwangere oder stillende Frauen, chronisch Kranke und ältere Menschen sind gefährdet in den bedrohlichen Kreislauf der Mangelernährung zu geraten.

Eine dürftige und einseitige Ernährung führen zu Untergewicht und Muskelschwund, was eine Schwächung der Immunabwehr zur Folge hat. Der Körper wird anfälliger für Infektionskrankheiten, die Betroffenen verlieren an Appetit und Gewicht und leiden unter Kau- und Schluckbeschwerden, was wiederum die Aufnahme neuer Nahrung verhindert. Eine fatale Abwärtsspirale.

Um das Krankheitsbild bei Kindern feststellen zu können, existieren einfache Möglichkeiten: Wird das Gewicht in Relation zur Körpergröße beurteilt, spricht man von sogenanntem Wasting. Beim Stunting werden Alter und entsprechende Körpergröße kontrolliert und die Methode Underweight kombiniert gewissermaßen die anderen Vorgehensweisen, indem Gewicht und Alter des Patienten ins Verhältnis gesetzt werden.

Bei Kindern unter drei Jahren kann zudem der mittlere Oberarmumfang zur Beurteilung der Ernährungssituation gemessen werden. Je nach Ergebnis kann dann eine moderate oder schwere Mangelernährung festgestellt werden.

Diese gilt es zu bekämpfen. Die Betroffenen müssen schnellstmöglich mit einer energie- und nährstoffreichen Spezialnahrung versorgt werden. Ist die Mangelernährung jedoch schon so weit fortgeschritten, dass ein Mensch nicht mehr selbstständig schlucken oder kauen kann, müssen die Nährstoffe dem Körper intravenös per Infusion zugeführt werden.

In diesem Fall kann über eine Sonde durch Nase oder Bauchwand, eine spezielle Nährlösung direkt in Magen oder Dünndarm geleitet werden, damit der Patient schleunig Gewicht aufbaut und sein Immunsystem stärkt.

Die weltweiten Hilfsmaßnahmen bringen humedica immer wieder mit umfassender Mangelernährung in Berührung, die zum Handeln veranlasst. So konnten bei einer Hungersnot im Niger im Jahr 2010 neuen Versorgungsstationen aufgebaut und die Bevölkerung mit entsprechenden Lebensmitteln ausgestattet werden.

Am Horn von Afrika werden bis heute Flüchtlinge der schlimmen Dürrekatastrophe von 2011 unterstützt. Hilfe, die Menschen vor dem sicher geglaubten Hungertod bewahrt hat. humedica-Geschäftsführer Wolfgang Groß reist selbst immer wieder in unter Mangelernährung leidende Regionen. Die Erfahrungen, die er dort sammeln konnte, erschrecken:

„Ich kann mich noch – wie heute - daran erinnern, als ich während der Hungersnot in Somalia 1993 ein Kind mit dem Gesicht eines alten Mannes in den Armen hielt. Dieses Bild hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt und treibt mich immer wieder an, mangel- und unternährten Kindern zu helfen. Bitte unterstützen Sie uns dabei!“

Dieser Artikel enthält Informationen der DocCheck Medical Services GmbH, der eesom AG und der SPIEGEL ONLINE GmbH.

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