HINTERGRUND: Krankheitsbilder

von Lina Koch, 08.08.2013

Die Zahl der malariabedingten Todesfälle sinkt, doch das ist noch lange kein Grund um Aufzuatmen. Laut einer Studie der amerikanischen Universität von Washington fielen der tückischen Infektionskrankheit allein im Jahr 2010 1,2 Millionen Menschen zum Opfer – fast doppelt so viel wie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angenommen.

Doch was macht diese Tropenkrankheit so gefährlich? So unberechenbar? Im Rahmen unserer Hintergrundreihe über häufig auftretende Krankheitsbilder in Dritt- und Viertweltländern möchten wir Ihnen heute einen Überblick des Krankheitsbilds Malaria vermitteln. Wie verläuft die Infektion? Welche Symptome treten in Erscheinung? Und wie konnte humedica bereits eingreifend helfen?

Malaria

Malaria, auch Sumpf- oder Wechselfieber genannt, ist die häufigste Tropenkrankheit der Welt. Sie wird durch einen Stich der weiblichen Anophelesmücke übertragen und tritt vorrangig auf dem Afrikanischen Kontinent in Erscheinung. Die Zahl der infizierten Personen variiert je nach Quelle zwischen 250 und 500 Millionen Menschen jährlich.

Es sind drei verschiedene Formen der fieberhaften Erkrankung bekannt: Die Malaria tropica, die Malaria tertiana und die Malaria quartana. Sie alle werden durch verschiedene parasitische Einzeller der Gattung Plasmodium bedingt. Um zu überleben, durchlaufen die Erreger einen zweiteiligen Lebenszyklus:

Nachdem die Anophelesmücke einen bereits mit Malaria infizierten Menschen gestochen und die Erreger in sich aufgenommen hat, bilden sich im Magen des Tiers so genannte Sichelkeime. Sticht die Mücke nun die nächste Person, gelangen die Parasiten in die menschliche Blutbahn und verursachen die Entstehung von Zellen namens Schizonten.

Ab diesem Zeitpunkt unterscheidet sich die Entwicklung der einzelnen Malaria-Erreger maßgeblich, was die drei verschiedenen zu Tage tretenden Krankheitsformen verursacht.

Als besonders gefährlich gilt die Malaria tropica. Nach einer Inkubationszeit von durchschnittlich zwölf Tagen, bricht die Krankheit aus. Die infizierte Person leidet unter grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Schweißausbrüchen und Kopf- und Gliederschmerzen.

Darüber hinaus können bis zum Koma führende Bewusstseinsstörungen, Anämie und Schäden an Lunge, Herz und Nieren auftreten. Unbehandelt sterben etwas 30 Prozent der Betroffenen.

Anders als bei der Malaria tropica, treten im Rahmen der beiden gutartigen Formen Malaria tertiana und Malaria quartana, typisch periodische Fieberschübe gemeinsam mit der bereits erwähnten Grippesymptomatik auf.

Letztere zeichnet sich durch eine deutlich längere Inkubationszeit, ein verstärktes Risiko für Nierenkomplikationen und eine langjährige Eventualität eines erneuten Krankheitsausbruchs aus. Todesfälle sind auch ohne entsprechende Behandlung bei beiden schwachen Formen sehr selten.

Die Diagnose einer Malaria erfolgt in westlichen Breitengraden in der Regel über den mikroskopischen Nachweis der Erreger im Blut. Da dieses Vorgehen bei den vorwiegend in Afrika betroffenen Patienten meist schlicht nicht möglicht ist, vertrauen medizinische Teams dort auf simple Schnelltests. humedica-Mitarbeiterin Simone Winneg hat viele Jahre in Afrika gelebt und gearbeitet und erklärt:

„Wenn wir im Einsatz einen Patienten mit den typischen Symptomen von Malaria haben, wird normalerweise nicht blind behandelt. Es ist wichtig zu wissen, welche Art von Malaria vorliegt, damit das richtige Medikament verabreicht wird. Der Schnelltest kann uns darüber Auskunft geben und funktioniert mit nur einem Tropfen Blut aus der Fingerkuppe.

Innerhalb von 10 Minuten kann man, ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest, ablesen, ob das Ergebnis für die unterschiedlichen Arten von Malaria positiv oder negativ ist. Dann kann die ideale Therapie angesetzt werden."

Für die Behandlung existieren verschiedene wirksame Medikamente. Besonders die riskante Malaria tropicana sollte schnellstmöglich erkannt und therapiert werden.

Zwar bieten Vorsorgemaßnahmen wie das Vermeiden von Insektenstichen oder die Einnahme eines prophylaktischen Malariamittels einen gewissen Schutz gegen eine Infizierung, doch haben die in den Risikogebieten lebenden Menschen kaum Möglichkeiten diese umzusetzen.

Die mangelhafte medizinische Versorgung und die ärmlichen Lebensverhältnisse führen zu den vielen Todesfällen in Entwicklungsländern. Besonders tragisch: 56 Prozent der in Afrika an Malaria sterbenden Menschen sind Kinder unter fünf Jahren.

humedica engagiert sich seit über 30 Jahren in Krisen- und Entwicklungsländern und ist im Feld regelmäßig mit dem Krankheitsbild konfrontiert. Sei es Haiti, Äthiopien oder Pakistan, die Malaria ist überall existent.

Besonders in der heißen und schwülen Regenzeit im August und September geht die Rate der infizierten Patienten beträchtlich in die Höhe. So litten in der von humedica betriebenen Klinik im Nigerianischen Kollo im Spätsommer 2011 80 Prozent der behandelten Patienten unter Malaria.

Persönliche Erfahrungen des humedica-Geschäftsführers Wolfgang Groß:

„Ich selbst habe diese heimtückische Infektion am eigenen Leib erlebt und wäre beinahe ums Leben gekommen. Während eines Afrikaaufenthaltes im Jahr 1997 erkrankte ich an der gefährlichen Malaria tropica. Ich wurde zunächst im Klinikum Kaufbeuren behandelt.

Als sich jedoch als Folge dieser Infektion ein Lungenödem entwickelte, akutes Nierenversagen drohte und ich durch sogenannte Mikrozirkulationsstörungen das Gefühl in beiden Füßen verlor, wurde ich mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik nach München geflogen.

Dort wurde ein vollständiger Blutaustausch vorgenommen, da die Krankheit einen Großteil meiner roten Blutkörperchen zerstört hatte. Ich bin Gott und den behandelnden Ärzten von Herzen dankbar, dass ich noch lebe und meine Arbeit in den letzten 16 Jahren fortführen konnte.“

Dieser Artikel enthält Informationen der DocCheck Medical Services GmbH, des Gesundheitsportals Onmeda und Spiegel Online.

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