Das Leben im zerstörten Paradies geht weiter

Drei Jahre danach: humedica-Geschäftsführer Wolfgang Groß erzählt

von Wolfgang Groß, Damaris Walter, 12.01.2013

Drei Jahre nach der großen Erdbebenkatastrophe in Haiti, die am 12. Januar 2010 kurz vor 17 Uhr Ortszeit über 330.000 Todesopfer und mehr als drei Millionen unmittelbar Betroffene forderte, blicken wir zurück und zugleich mit den Menschen nach vorne.

Schon am Tag nach dem starken Beben brach das erste achtköpfige Hilfsteam von humedica nach Port-au-Prince auf, nahe dem Epizentrum des Bebens. Das Ausmaß der Zerstörung war verheerend: Chaos, Verwüstung, Verschüttete, Tote, Verletzte überall.

Es war ein Bild der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit und trotzdem musste nach vorne geblickt werden: „Alles, was in 30 Jahren mühsamer Arbeit aufgebaut wurde, der komplette Lebensraum der Menschen, wurde innerhalb von 30 Sekunden zerstört“, sagte die seit Jahrzehnten in Haiti tätige und somit sehr erfahrene Missionarin und Schulgründerin Anneliese Gutmann nach der Katastrophe - mit verzweifeltem Blick auf die von ihr errichteten und nunmehr zerstörten Schulgebäude an ihrem Wirkungsort in Meyer.

Rund einhundert ehrenamtliche medizinische Kräfte hatten für humedica in den ersten sechs Monaten nach dem Beben konkrete Hilfe leisten können.

Die Ärzte und Krankenschwestern von humedica leisteten sowohl körperliche als auch seelische Schwerstarbeit, die sie, angesichts der unzähligen leidenden Menschen, nicht selten an ihre Grenzen brachte. Neben der medizinischen Nothilfe musste auch das Chaos der Zerstörung beseitigt und gedanklich ein Neubeginn gemacht werden.

Das Leben musste weitergehen. Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten starteten, aus denen unter anderem auch Projekte entstanden, die humedica ins Leben gerufen hatte, bis jetzt unterstützt und stets erweitert. Gebäude wie Schulen und Waisenhäuser wurden und werden wieder aufgebaut oder neu errichtet, Choleraprojekte sowie eine Prothesen- und Orthesenwerkstatt entstanden, eine Ausbildungsstätte für Krankenpflegekräfte in St. Marc erhielt kürzlich ihre staatliche Anerkennung und soll zukünftig mit Unterstützung deutscher und österreichischer Krankenpflegeschulen betrieben werden.

Viel Neues ist inzwischen entstanden in dem häufig als "Armenhaus der Karibik" bezeichneten Land, das vor drei Jahren in seinen Grundfesten erschüttert wurde. Dennoch ist ein Ende der Wiederaufbaumaßnahmen noch lange nicht in Sicht. Im Gegenteil: Es ist zwar schon viel entstanden, aber nach dem Bau ist vor dem Bau. Weitere Projekte sind geplant und sollen, sofern die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt werden, zeitnah in Angriff genommen werden. Bis dato hat humedica 3,7 Millionen Euro in Haiti eingesetzt, zusätzlich rund 700.000 Euro an Sachspenden.

Dass die traumatisierten Menschen, die bis hin zur Schlafstätte und ihren Angehörigen alles verloren hatten, nach drei Jahren schon wieder fröhlich sein können und ihre tiefste Dankbarkeit zeigen, hat humedica-Geschäftsführer Wolfgang Groß bei seinem kürzlichen Projektbesuch in Haiti besonders beeindruckt.

„Mit Gott ist alles möglich“

Schon oft zuvor, aber besonders nach der Katastrophe im Jahr 2010, war Wolfgang Groß selbst am Ort der tragischen Geschehnisse. Mit Liebe zu den Menschen in dem Land und großem Engagement setzt er stets alles daran, damit humedica viel bewirken kann. Nach seinem aktuellsten Projektbesuch in Haiti Ende November und Anfang Dezember 2012 erinnert er sich besonders an eines: die Dankbarkeit der Menschen und die wieder eingekehrte Fröhlichkeit der Kinder.

Nach einer abenteuerlichen Fahrt über holprige Straßenpisten und durch sumpfige Flussgebiete gelangt man in den Ort Marbial, weit ab der Hauptstadt Port-au-Prince. Hier stehen Schulgebäude, die humedica dank der Spendengelder errichten konnte und in denen inzwischen wieder mehr als 600 Schülerinnen und Schüler den Unterricht in schönen, neuen Gebäuden besuchen können.

Mit Blaskapelle und großem Schülerumzug wurde Wolfgang Groß in Marbial empfangen. Dort, wo drei Jahre zuvor nichts mehr stand und Freude in all dem Leid kaum mehr denkbar war, wurden jetzt die Menschen und Organisationen freudig gefeiert, die einen Neubeginn möglich machten: humedica konnte mit finanzieller Unterstützung von ORA Holland und Sternstunden e. V. Zufahrtsstraßen erneuern, Unterrichtsräume neu aufbauen und so dem Städtchen Marbial nach und nach wieder neues Leben einhauchen. Besonders berührend waren der Stolz und die Dankbarkeit der Kinder, die unter anderem in Form von Gedichten und Theateraufführungen gezeigt wurden.

Ich bin wirklich begeistert, wie Gott alles vorbereitet hat“, staunt Wolfgang Groß, der von spontanen Ideen, ersten Planungen, langwierigen Durchführungen bis hin zur großartigen Fertigstellung alles mitgemacht hat und nun auch die glücklichen und dankbaren Menschen in Haiti selbst erleben darf.

In einer schönen und ruhigen, ebenso aber schwer vom Beben geschädigten Gegend in Tapio, nahe der Hauptstadt Port-au-Prince, ist abermals ein „humedica-Projekt“ zu bewundern: das neue, erst kürzlich eröffnete Waisenhaus "House of Children".

Die aus mehreren Gebäuden bestehende Einrichtung, deren Kantine auch für die angeschlossene Schule mit 200 Kindern genutzt wird, ist mit Mobiliar ausgestattet, das von lokalen Schreinern direkt hergestellt wird, was für die Wirtschaft des Landes förderlich ist und die lokalen Betriebe unterstützt. Helle, weite Gänge in den beiden Häusern für Mädchen und Jungen und schöne neue Fliesenböden sowie wohlig warm bemalte Wände sind inzwischen das neue Zuhause für momentan 36 elternlose haitianische Kinder.

Viele Ansprachen, singende Kinderstimmen, köstliche Kuchen, Vorführungen der Schüler und Tanzeinlagen: Keine Mühen wurden gescheut, die Dankbarkeit zu zeigen und die Stimmung bei der Eröffnungsfeier hätte nicht freudiger sein können.

Das Haiti-Projekt, das in den nächsten Monaten wohl am meisten Engagement und Zeit in Anspruch nehmen wird, ist die Krankenpflegeschule in St. Marc, die der humedica-Geschäftsführer als letztes Ziel während seines Aufenthalts ansteuerte. „Es wird ein ganz tolles Projekt, für das ich persönlich auch sehr großes Engagement hege“, verrät er begeistert. Durch Spendengelder sollen die bestehenden Gebäude auf dem großen Gründstück umgebaut, renoviert und neu strukturiert werden.

Geplant sind für diese Ausbildungsstätte die Gründung von Partnerschaften mit Krankenpflegeschulen aus dem deutschsprachigen Raum, um das Projekt in Haiti auf längere Zeit zu unterstützen“, gibt Wolfgang Groß eine seiner Ideen preis. Die Planungen reichen weit in die Zukunft, können aber immer nur Stück für Stück mit den jeweils vorhandenen Mitteln umgesetzt werden.

Ich staune immer wieder, wenn ich merke, wie an Stellen Türen geöffnet wurden, wo man es nicht für möglich gehalten hätte. Und rückblickend erkenne ich jedes Mal wieder, dass das alles ohne Gottes Hilfe nicht durchführbar gewesen und zustande gekommen wäre.

Wie bereits erwähnt, werden nach wie vor Gelder für die vielen Hilfsprojekte in Haiti benötigt, um den Menschen auf längere Sicht helfen und ihnen den schwierigen Beginn in ein neues Leben erleichtern zu können. Besonders die Krankenpflegeschule in St. Marc liegt in den Geburtswehen und ist auf Ihre Spendengelder angewiesen. Vielen herzlichen Dank für Ihre Anteilnahme jeder Art!

Sie können mit einer gezielten Spende auf untenstehendes Konto einen großen Beitrag leisten:

      humedica e. V.
      Stichwort "Erdbeben Haiti"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Sicher, schnell und einfach ist auch die Möglichkeit der Unterstützung durch das Senden einer sms: Textmitteilung mit Stichwort DOC an die 8 11 90. Von den damit gespendeten 5,- Euro fließen 4,83 direkt in die humedica-Hilfsprojekte. Gerne können Sie uns auch über unser Online-Formular mit einer Spende unterstützen. Vielen Dank!

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