Lebensfreude trotz Prothese

von Daria Napieraj/LKO, 14.12.2013

Für einen Einsatz mit humedica durchbricht die 26-jährige Studentin Daria Napieraj aus Duisburg immer wieder ihren Studentenalltag, um als Medienkoordinatorin in verschiedenen Krisengebieten dieser Erde zu arbeiten. Aktuell besuchte Sie mit humedica-Mitarbeiterin Maren Walter das Familienpatenschaftsprogramm auf Haiti. In ihrem Blog berichtet sie über Ihre Erlebnisse mit Land und Leuten und die Arbeit von humedica auf dem karibischen Inselstaat.

Tag 4 und 5 auf Haiti

Die Prothesen- und Orthesenklinik von humedica ist ein lebhafter Ort. Etwas Ruhe findet der Besucher noch im Wartezimmer, betritt er jedoch die Werkstatt, wird er meist von geschäftigem Treiben umgeben. Dort arbeiten die beiden Togolesen Anani und Nyavo. Während Ersterer ein viel gelobter Physiotherapeut ist, bildet Nyavo die vier haitianischen Lehrlinge aus. Sie stellen die Prothesen und Orthesen nicht nur selbst her, sondern passen sie auch an.

Mitunter befinden sich bis zu fünf Patienten in der Werkstatt, um deren Belange sich das eingespielte Team parallel kümmert. Eine der Jüngsten, die heute die Klinik besuchen, ist Emanuela. Das zwölfjährige Mädchen konnte nach dem Erdbeben aus den Trümmern ihres Elternhauses gerettet werden.

Ihre Verletzungen am Bein waren jedoch so schwer, dass es amputiert werden musste. Heute ist sie in die Werkstatt gekommen, um ihre neue Prothese anpassen zu lassen.

Emanuelas Familie hat seit dem Erdbeben eine schwere Zeit durchlebt. Eines ihrer fünf Geschwister starb in den Trümmern des Hauses, während ein weiteres Kind so schwer verletzt wurde, dass es bis heute besonderer Pflege bedarf und bei Verwandten in der Dominikanischen Republik lebt.

Trotz alldem ist Emanuela ein richtiger Sonnenschein. Obwohl sie vier Stunden in der Klinik warten muss, während die Prothese immer wieder bearbeitet und angepasst wird, verliert sie ihre gute Laune nicht. Immer wieder lacht und singt sie und hält die Azubis mit ihren Scherzen auf Trab.

Am nächsten Tag besuchen wir Emanuelas Familie, da diese Teil des Familienpatenschaftsprogramms ist. Als das Mädchen uns sieht, strahlt sie über das ganze Gesicht und lauscht gespannt bei dem Gespräch, das wir mit ihrem Vater führen. Abschließend begleitet sie uns noch zu unserem Auto, um dann im Eiltempo, über Stock und Stein rennend und hüpfend, nach Hause zurückzukehren.

Gerade in einer Stadt wie Port-au-Prince, wo es kaum geteerte Straßen und ebene Wege gibt, sind Prothesen von immenser Bedeutung. Durch sie erhalten viele Menschen die Möglichkeit, sich selbständig fortzubewegen und Kinder wie Emanuela können wieder mit ihren Freunden toben und ihrer unbändigen Lebensfreude, nicht nur lachend und singend, sondern auch rennend und springend Ausdruck verleihen.

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