Die Geschichte von Louidonne und Masila

von Daria Napieraj, 23.12.2013

Für einen Einsatz mit humedica durchbricht die 26-jährige Studentin Daria Napieraj aus Duisburg immer wieder ihren Studentenalltag, um als Medienkoordinatorin in verschiedenen Krisengebieten dieser Erde zu arbeiten. Aktuell besuchte Sie mit humedica-Mitarbeiterin Maren Walter das Familienpatenschaftsprogramm auf Haiti. In ihrem Blog berichtet sie über Ihre Erlebnisse mit Land und Leuten und die Arbeit von humedica auf dem karibischen Inselstaat.

Tag 8 und 9 auf Haiti

An unseren letzten beiden Tagen in Port-au-Prince besuchen wir die Familien von Louidonne und Masila Michel. Die beiden Geschwister sind Teil des humedica-Patenschaftsprogramms und durchlebten mit ihren Familien nach dem Erdbeben eine besonders schwere Zeit. Louidonne verlor bei der Katastrophe seine Frau. Seine Schwester Masila ist vor einigen Jahren erblindet.

Durch den Tod seiner Frau ist Louidonne Michel seit dem Erdbeben alleinerziehender Vater von sechs Kindern im Alter von vier bis achtzehn Jahren. Nach dem Beben hatten sie weder einen sicheren Platz zum Wohnen, noch Kleidung zum Wechseln. Nicht einmal genügend Essen konnten sie sich in dieser schweren Zeit leisten, berichtet Louidonne.

Seitdem er in das Familienpatenschaftsprogramm von humedica aufgenommen wurde, geht es der Familie erheblich besser. Louidonne verkauft seit einiger Zeit wieder Reis, Bohnen und andere heimische Lebensmittel. Da er in größeren Mengen ein- als verkauft, kann er einen kleinen Gewinn mit dem Geschäft erzielen.

Dennoch sind die heutigen Lebensumstände nicht mit denen vor der Katastrophe zu vergleichen. Louidonne hatte damals nicht nur ein Haus, in dem er mit seiner Familie lebte, sondern auch ein eigenes Warenlager. Dadurch konnte er in größeren Mengen einkaufen und machte mehr Gewinn.

Außerdem lebte seine Frau noch. Er erzählt, dass er sich zum Zeitpunkt des Erdbebens in seinem Geschäft aufhielt. Die Kinder waren in der Schule und sein erst wenige Monate altes Baby wurde von der Großmutter gehütet. Seine Frau befand sich im Haus der Familie und bereitete das Essen zu, als plötzlich die Decke über ihr einstürzte. Louidonne denkt noch immer häufig an diesen Tag zurück und meint, dass so etwas jederzeit wieder geschehen könne.

Im Anschluss besuchen wir seine Schwester Masila und ihre Familie. Nach dem Erdbeben musste die blinde Frau mit ihren vier Kindern lange Zeit in einem Zelt leben, das sie weder vor Hitze, noch vor Regen schützte. Ein Umstand, der die Kinder oft krank werden ließ.

Doch auch Masila geht es seit Beginn des Patenschaftsprogramms besser. Sie erklärt uns, dass sie in dieser Zeit stärker geworden ist, mehr Mut bekommen hat und sich nicht mehr so alleine fühlt. Sie ist humedica sehr dankbar, denn immer wenn sie nicht mehr weiter wusste und um Unterstützung bat, hatte sie einen Ansprechpartner, der ein offenes Ohr für ihre Nöte und Ängste hatte und ihr beistand.

Als wir nach einigen weiteren Familienbesuchen am Abend zurück ins Büro kommen, erhalten wir überraschenden Besuch von Masilas ältestem Sohn. Da er uns zuvor verpasst hatte, ist er extra vorbeigekommen, um sich für all die Unterstützung zu bedanken, die er und seine Familie in dieser besonders schweren Zeit erhalten haben.

Besonders wichtig ist ihm auch, dass wir den Paten seiner Familie einen herzlichen Dank übermitteln, weshalb er uns einen persönlichen Dankesbrief für sie überreicht, bevor er sich auf den weiten Heimweg quer durch Port-au-Prince begibt.

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