„Das ist keine Marketingstrategie!“

Im Gespräch mit Thomas Düll, Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben

von Lina Koch, 09.12.2013

Es liegt wohl in der Natur einer Hilfsorganisation wie humedica, dass sie von Zeit zu Zeit mit Schicksalen konfrontiert wird, wo breit angelegte Hilfsmaßnahmen nicht greifen und die Situation eine individuelle Zuwendung und Betreuung erfordert. Bei diesen Begebenheiten kommt die humedica-Einzelfallhilfe zum Einsatz.

Gemeinsam mit Prof. Christian Wirtz, dem ärztlichen Leiter der neurochirurgischen Klinik des Bezirkskrankenhauses Günzburg, ermöglicht humedica Betroffenen kostenfreie Operationen.

Thomas Düll, Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben, spricht im Interview über seine Rolle im Prozess der Einzelfallhilfe und erklärt, warum sein Beitrag nichts mit Unternehmenspolitik zu tun hat.

Herr Düll, wie ist der Kontakt zwischen dem Bezirksklinikum Günzburg und humedica entstanden?

Das Bezirksklinikum Günzburg engagiert sich schon seit Jahren im Bereich der humanitären Hilfe. Nach einem Wechsel unserer Chefetage, habe ich mich an unseren neuen ärztlichen Direktor Prof. Christian Wirtz gewandt und nachgefragt, ob auch er sich in diesem Bereich engagieren möchte.

Er war sofort begeistert, hatte jedoch selbst keine Kontakte zu Hilfsorganisationen, weshalb ich die Verbindung zu humedica ins Leben gerufen habe.

Ich habe mich bewusst für eine Kontaktaufnahme mit Ihnen entschieden, da es mir wichtig ist, eine regionale Organisation zu unterstützen, die ich gut kenne, weil ich deren Hilfsprojekte seit Jahren privat durch Spenden fördere.

Wie entscheiden Sie im Rahmen der humedica-Einzelfallhilfe, welche Operationen durchgeführt werden und welche nicht?

Nun, zunächst liegt diese Frage natürlich in ärztlicher Verantwortung. Unser Team berät, ob es aus medizinischer Sicht sinnvoll ist, zu operieren oder nicht. Wenn ein Eingriff zu riskant für den Patienten ist, oder sich die Erfolgsaussichten verschwindend gering darstellen, raten wir eher ab. Trotzdem diskutieren wir aber die Chancen jedes einzelnen Falls sehr intensiv.

Ich kann mich an ein kleines Mädchen aus Äthiopien erinnern, das unter einer schweren Missbildung litt. Nach Abwägung aller Möglichkeiten, mussten wir leider feststellen, dass die Operation zu gefährlich und eine Verbesserung der Lebensumstände zu gering für das Mädchen sein würden, weshalb wir ihr die großen Belastungen eines operativen Eingriffs nicht zumuten wollten.

Ansonsten haben wir aber alle uns zugetragenen Patienten behandelt. Da gab es zum Beispiel Ordensschwester Catherine Bokini aus Benin, deren Lebensbedingungen sich nach einer ebenfalls sehr risikoreichen Operation grundlegend gebessert haben. In diesem Fall haben wir abgewogen und rückblickend auch richtig entschieden.

Wer trägt am Ende die Kosten für diese Behandlungen?

Die Kosten tragen allein wir als Unternehmen. Wie bei jedem anderen Patienten, führen wir auch für die Einzelfallhilfen eine interne Abrechnung durch und schreiben diese dann in unserer Bilanz ab. Wir decken also alle potentiellen Krankenhausrechnungen.

Sind diese Operationen dann Teil der Unternehmenspolitik?

Nein, auf gar keinen Fall. Wir führen diese Eingriffe gratis durch, weil wir überzeugt sind, dass wir als großer Gesundheitsdienstleister unser medizinisches Know-how Menschen zur Verfügung stellen müssen, die sonst keinerlei Möglichkeiten haben, davon zu profitieren. Da steckt keinerlei Marketingstrategie oder ähnliches dahinter – wir handeln diesbezüglich aus reiner Menschlichkeit und Nächstenliebe.

Wann treten Sie, als Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben im Rahmen der Einzelfallhilfen in Erscheinung?

Ich fungiere in dem ganzen Vorgang als Vermittler oder auch Türöffner, wenn man das so nennen möchte. Wenn humedica mit einer Bitte um Einzelfallhilfe an mich herantritt, leite ich diese Anfrage an Professor Wirtz und sein OP-Team weiter und übergebe damit die Verantwortung.

Aufgrund der Größe unseres Unternehmens – wir beschäftigen über 3.400 Menschen – ist es mir leider nicht möglich den gesamten Prozess zu verfolgen. Trotzdem informiere ich mich natürlich, wie die Operation verlaufen ist und wie es dem Menschen geht.

Vielen Dank für Ihre Zeit und das informative Gespräch, Herr Düll. Wir wünschen Ihnen für Ihre Arbeit und Ihr weiteres Wirken alles Gute und Gottes Segen.

Ihr Browser ist veraltet!

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um diese Website korrekt darzustellen.

Den Browser jetzt aktualisieren×