Ultraschall-Training mit deutscher Radiologin

von Linda Zimmermann/LKO, 17.11.2013

In Deutschland ist das Ultraschallgerät längst gängiges Hilfsmittel in der Medizin, in einem äthiopischen Flüchtlingslager hingegen kann es für die lokalen Mitarbeiter durchaus irritierend wirken. Im Camp Melkadida, wo humedica seit Mitte 2011 konkrete Hilfe leistet, wurde aus diesem Grund ein Ultraschalltraining für das medizinische Personal durchgeführt, verantwortliche Leiterin war die deutsche Radiologin Anja Gebauer.

Von den Reaktionen der Teilnehmer und sehr emotionalen Schicksalen, berichtet humedica-Assistenzkoordinatorin Linda Zimmermann:

Die deutsche Radiologin erklärte den beiden lokalen humedica-Mitarbeitern Messeret (2. v. r.) und Melkamzer (r.) den Umgang mit einem Ultraschallgerät . Foto: humedica/Linda Zimmermann

„Die sieben Männer blicken gebannt auf den kleinen Bildschirm und folgen konzentriert den Erklärungen von Anja Gebauer. „Hier sieht man die Milz. Können das alle erkennen? Am Anfang sieht man vor allem erst einmal eine Art grauen Schnee… Das ist völlig normal“, fügt sie lächelnd hinzu.

Die junge Radiologin ist für eineinhalb Wochen als Trainerin im Flüchtlingslager Melkadida. Sie unterrichtet sowohl am staatlichen Gesundheitszentrum, als auch im humedicaHealth Post.

Am Vormittag sind die Mitarbeiter der äthiopischen Flüchtlingsbehörde ARRA an der Reihe. Die Gruppe setzt sich aus Ärzten, Health Officers und männlichen Geburtshelfern zusammen. „Schon kleine, sehr einfache Untersuchungen machen hier einen riesigen Unterschied“, sagt Anja. „Das kann man sich in einem technisch und medizinisch so hoch entwickelten Land wie Deutschland kaum vorstellen.“

Zwei Ultraschall-Geräte wurden durch humedica für das Flüchtlingslager Melkadida gespendet – nur leider war deren Verwendung bis dato oft schwierig. „Man braucht am Anfang einfach einige Erklärungen“, so die erfahrene Ärztin. „Die Geräte alleine nutzen natürlich niemandem etwas, wenn keiner sie anständig benutzen kann. Aber wenn man erst mal einen Einstieg hat, dann heißt es Üben, Üben, Üben – so oft wie möglich.“

Dr. Anja, wie sie hier genannt wird, hat schon mehrere Einsätze mit humedica hinter sich. Nach den ersten vier Tagen Training wirkt sie entspannt und zufrieden: „In so kurzer Zeit haben die Teilnehmer wirklich viel gelernt. Man merkt, dass sie mit Interesse und Spaß bei der Sache sind.“

Im vergangenen Jahr kam bereits eine Gynäkologin für ein ähnliches Training. Aufgrund vieler Personalwechsel in der Zwischenzeit ist der Unterricht der Radiologin aber für fast alle Teilnehmer neu.

Die beiden humedica-Mitarbeiter Melkamzer und Messeret werden nachmittags in der Gesundheitsstation unterrichtet. Über mehrere Wochen wurden besondere Fälle gesammelt und die Patienten nun zum Ultraschall einbestellt.

Schwangere Frauen kommen, um prüfen zu lassen, ob sich ihr Baby altersgerecht entwickelt. Ältere Männer klagen über Schmerzen in der Nierengegend und erhoffen sich durch die Untersuchung eine entsprechende Behandlung.

Auch für Anja sind Viele der Krankheitsbilder interessant – und oft traurig. Einer unserer Patienten ist 29 Jahre alt und leidet an Leberkrebs im Endstadium. „Das ist wirklich ein furchtbarer Fall. So etwas sieht man in Deutschland in diesem Alter extrem selten und heute hatten wir schon drei derartige Fälle im ähnlichen Alter. Er wäre gestorben ohne dass irgendwer gewusst hätte, woran…“, Anja wirkt betroffen, als sie von dem jungen Mann erzählt.

„Leider kann man überhaupt nichts machen, um ihm zu helfen. Das ist natürlich kein Trost, aber auch in Deutschland könnte man in diesem Fall nur wenig tun.“ Trotz der schweren Schicksale einiger Patienten, bleiben die Mediziner generell optimistisch. „Es gibt solche Fälle – das ist leider so“, meint Mitarbeiter Messeret.

Er arbeitet seit Februar in der humedica-Gesundheitsstation in Melkadida und hat sich schon lange auf das Ultraschall-Training gefreut. „Es ist toll, endlich mehr auf dem Bildschirm erkennen zu können. Jetzt habe ich ein viel besseres Verständnis und kann das Gerät ganz anders einsetzen als früher, sowohl bei allgemeinmedizinischen Fragestellungen als auch in der Schwangerenvorsorge.“

Die Not im Flüchtlingslager Melkadida ist groß, doch dank der großzügigen Unterstützung des Auswärtigen Amts der Bundesrepublik Deutschland besitzt humedica die Möglichkeit die gegebenen Umstände zu verbessern. Durch das Ultraschall-Training hat das lokale medizinische Personal nun die Chance, Krankheiten früher zu erkennen und zu behandeln.

Bitte unterstützen Sie weiterhin unser Engagement am Horn von Afrika mit einer konkreten Spende und helfen Sie den Menschen in Melkadida sich selbst zu helfen. Vielen Dank!

      humedica e. V.
      Stichwort "Hungerhilfe Afrika"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
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Bitte helfen Sie mit einer sms: Stichwort DOC an die 8 11 90 senden und von den abgebuchten 5 Euro gehen 4,83 Euro in die humedica-Projektarbeit. Vielen Dank!

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