Optimistisch auf das Positive blicken und das nicht Sichtbare bewusst machen

von Raphael Marcus/RBU, 09.03.2013

Als der kleine Prinz mit Antoine de Saint Exupery in der Sahara unter dem Sternenhimmel saß, sagte er: „Es macht die Wüste schön, […] dass sie irgendwo einen Brunnen birgt."

In „Der Kleine Prinz“, dem bekannten und soeben zitierten Buch, möchte der kleine Prinz darauf aufmerksam machen, dass die wesentlichen Sachen des Lebens – oder in diesem Fall die Schönheit mancher Dinge – für das Auge oft unsichtbar sind. Allgemein lehrt uns dieser Satz aber auch eine optimistische Einstellung, beispielsweise in der kahlen Gegend der Wüste das einzige Bestehen eines Brunnens hervorzuheben und schätzen zu lernen.

In der heute genauso trockenen und regenlosen Region entlang der somalisch-äthiopischen Grenze ist ein solcher Gedanke nicht auszublenden – denn vor Ort ist das mit dem Auge Sichtbare nicht die Schönheit der Wüste. Das Sichtbare ist eher bedrückend.

Noch immer erreichen jede Woche fast tausend Flüchtlinge die Flüchtlingslager von Dollo Ado, um Hunger und Gewalt zu entkommen. Obwohl sich in den vergangenen zwei Jahren die Situation einiger Geflohenen verbessert hat, ist man noch immer weit von den anvisierten Lebensbedingungen entfernt, die den somalischen Flüchtlingen eine Aussicht auf Stabilität und Entwicklung geben können.

In Melkadida ist nach über einem Jahr mit sinkenden Zahlen aktuell wieder ein Anstieg der unterernährten Kinder zu verzeichnen. In der vergangenen Regenzeit fiel der erwartete Niederschlag erneut aus und die Zahl der Patienten, die in der humedica-Gesundheitsstation nach medizinischer Versorgung suchen, nimmt nicht ab. Im Gegenteil: sie nehmen noch weitere Wege auf sich und berichten von unzureichender medizinischer Abdeckung in anderen Lagern und Ortschaften.

Wie gesagt, es hat sich schon einiges verbessert, seitdem sich das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen UNHCR und das äthiopische Flüchtlingswerk ARRA (Administration for Refugee and Returnee Affairs) entschlossen haben, gemeinsam mit humedica und anderen Partnern in den Flüchtlingslagern Hilfe zu leisten. Ende des Jahres 2012 lag nach offiziellen Angaben die Sterberate der Flüchtlinge unter einer Person von 10.000 pro Tag, im Jahr zuvor konnte man noch mit 1,9 sterbenden Personen rechnen.

Auch die Anzahl der schwer Unterernährten ist, obwohl zuletzt leicht steigend, im vergangenen Jahr von 10 bis 18 Prozent auf aktuell unter 10 Prozent gesunken. Darüber hinaus ist die Anzahl der an Anämie leidenden Frauen in gebärfähigem Alter deutlich gesunken und die Impfmaßnahmen erreichen immer mehr Menschen.

Diese statistischen Fakten möchte ich aber nicht als das „Schöne“ der Region und der Situation in den betroffenen Gegenden bezeichnen. Zunächst einmal sollte man mit solchen Zahlen vorsichtig sein, denn das Festhalten solcher Statistiken unter den gegebenen Umständen ist schwer und sicherlich mangelhaft, auch wenn die Tendenz stimmt.

Darüber hinaus ist die Vorgeschichte dieser Verbesserungen mehr als dramatisch und das sollte nicht als etwas Schönes dargestellt werden.

Wesentlich sind diese Fakten aber schon, denn sie zeigen dass unsere Hilfsmaßnahmen greifen und dass durch die humanitäre Intervention im Süden Äthiopiens jeden Tag Leben gerettet werden.

So bleibt nun die Frage, was für unsere Teams und für die Flüchtlinge in Melkadida als schön betrachtet werden kann. Der Sternenhimmel in der Nacht, zwar sichtbar wie nichts anderes, gehört auf jeden Fall dazu. Zu den versteckten Schönheiten, die sich hinter der ankommenden Hilfe verbergen, möchte ich die Teamarbeit hervorheben.

Zusammen mit der Organisation IMC (International Medical Corps) wird die Versorgung und Beaufsichtigung von unterernährten Kindern koordiniert. AHADA (African Humanitarian Aid and Development Agency) repariert aktuell den humedica-Generator. GOAL verteilt die von humedica bereitgestellte Nahrung in weiteren Camps.

In dem Lager Hellaweyn werden Flüchtlinge auf die Möglichkeit einer Behandlung durch unsere Zahnärzte aufmerksam gemacht, um am Tag darauf medizinisch versorgt werden zu können. Und mit dem Partner JRS (Jesuit Refugee Service) werden neben gemeinsamen sozialen Aktivitäten Fahrzeugkonvois organisiert, um Fahrten sicherer zu machen.

Natürlich klappt nicht immer alles – und es darf auch diskutiert werden. Immerhin versuchen wir alle, eine wichtige und für die dort lebenden Menschen unentbehrliche Hilfe zu leisten. Doch bei einer solch komplexen Arbeit, unter solch schwierigen Umständen, ist es einfach nur schön zu sehen – oder eben zu fühlen – dass alle ein gemeinsames Ziel haben und dies auch gemeinsam angehen.

Ob für die Flüchtlinge diese Zusammenarbeit zu den schönen Dingen zählt? Ich denke nicht. Doch wesentlich ist es auf alle Fälle, denn nur so kommt Hilfe besser an. Ob die Menschen optimistisch sind, wie es uns der kleine Prinz zu sein lehrt, ist auch schwer vorzustellen. Doch mit etwas Segen in den kommenden Monaten werden sich einige Brunnen wieder mit Regenwasser füllen.

Wenn dann alle wieder mit dem aus der Natur geschöpften Wasser ihr Leben bewahren können, ist es auch nicht mehr von Bedeutung, ob man daran glaubte oder nicht. Bis dahin müssen wir aber das Schöne unserer Arbeit erkennen, weitermachen und optimistisch das Wesentliche angehen, um die Statistik konstant zu verbessern und weiterhin Leben zu retten.

Und um dafür zu sorgen, dass die Menschen in Melkadida mehr Schönes in Aussicht haben als jetzt. Unterstützen Sie uns bitte bei diesem Vorhaben.

      humedica e. V.
      Stichwort „Hungerhilfe Afrika
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Vielen Dank an dieser Stelle auch dem Auswärtigen Amt der Bunderepublik Deutschland für die großzügige finanzielle Unterstützung.

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