„Hat dieses Thema etwas mit mir zu tun?“

von Steven Hofmann/RBU, 01.12.2012

Keine Neuinfektionen! Keine Diskriminierung! Keine Todesfälle mehr aufgrund von Aids.“ Das sind Botschaft und angestrebtes Ziel, die der Direktor von UNAIDS, Michel Sidibé, auch zum diesjährigen Weltaidstag in das Bewusstsein der Menschen rückt. Ein Ziel, welches in weiter Ferne zu liegen scheint. Dem wir uns aber mit Solidarität und Engagement, Bildung und Aufklärung gemeinsam nähern. Denn es geht uns alle etwas an, wie auch Koordinator Steven Hofmann in Äthiopien erfahren hat.

Die Stigmatisierung ist insbesondere in vielen afrikanischen Ländern immer noch eine große Herausforderung und treibt Betroffene in Isolation. Foto: humedica/Ruth Bücker

„Heute am ersten Dezember ist Weltaidstag. „Hat dieses Thema etwas mit mir zu tun?“, fragte ich mich bisher oft. Heute muss ich ganz klar sagen: Ja! Gott sei Dank nicht, weil ich selbst direkt betroffen bin wie weltweit schätzungsweise 33 Millionen Menschen, die sich mit dem tödlichen Virus infiziert haben. Nicht mitgerechnet sind dabei deren Familien und Freunde. "Ja“ in erster Linie deshalb, weil ich inzwischen in einem Land lebe, in dem viele Menschen mit dem HI-Virus infiziert sind.

Äthiopien ist eines von 22 Ländern der sogenannten Subsahara-Zone, die alle afrikanischen Staaten südlich der Sahara beinhaltet. In diesen 22 Ländern leben den Schätzungen von UNAIDS zufolge 22,5 Millionen Menschen mit dem HI-Virus. Das sind 68 Prozent der weltweit mit HIV Infizierten.

Für Äthiopien selbst gibt es verschiedene Angaben. Man geht aber allgemein davon aus, dass zwischen 1,5 und 3,5 Prozent der erwachsenen Gesamtbevölkerung mit HIV infiziert sind. Die Zahl der Neuansteckungen ist glücklicherweise aber inzwischen rückläufig.

"Ja", es geht mich auch etwas an, weil ich glaube dass wir als Erdenbürger Verantwortung für unsere Mitmenschen übernehmen und Mitgefühl entwickeln sollten. Insbesondere wenn man bedenkt, dass diese tödliche Krankheit bereits seit knapp 30 Jahren bekannt, die Aufklärung darüber aber in vielen Ländern noch immer nicht ausreichend ist.

Selbstverständlich kann man die Meinung vertreten: „Die Infizierten sind doch selber schuld“. Das ist so aber sicherlich nicht richtig. In der Tat haben sich viele der Betroffenen allein aufgrund ihrer mangelnden Vorsicht angesteckt.

Es sind aber noch viel mehr Menschen, bei denen die Ursache der Ansteckung in mangelnder Aufklärung, fehlendem Wissen oder gar Sexualverbrechen liegt. Darüber hinaus lebten laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation Ende vergangenen Jahres weltweit etwa 3,4 Millionen HIV-positive Kinder, die von ihren Müttern während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder beim Stillen mit dem tödlichen Virus infiziert wurden. Völlig unverschuldet.

Gemeinsam gegen die Diskriminierung und für die Aufklärung und Prävention. Foto: humedica/Ruth Bücker

Insbesondere in weiten Teilen Afrikas mangelt es noch immer an dem Wissen über die Ansteckungsrisiken und der Prävention einer HIV-Infektion. humedica wirkt hier in Äthiopien im Rahmen des Familienpatenschaftsprogramms entschieden dagegen. Die lokalen Mitarbeiter betreiben intensive Aufklärung und geben Hilfestellung bei allen aufkommenden Fragen. Ebenso werden gezielt bereits HIV-positive Mütter ausgewählt, um ihnen Hilfe zu ermöglichen und eine Stütze zu sein.

Eine von ihnen ist Aneley aus Addis Abeba. Mit freundlichem Blick empfängt sie mich und lädt mich zu einem Kaffee in ihr Haus ein. Die 43-jährige Witwe und Mutter von zwei Kindern ist eine lebenslustige und offene Frau, die sich ganz in den Dienst ihrer Familie stellt. Für ihren Lebensunterhalt backt und verkauft Aneley Brot, Injeera und verschiedene Gewürze.

Seit sieben Jahren lebt sie nun schon mit der HIV-Infektion. Anfangs, so erzählt sie, habe sie sich in ihrem Haus versteckt. „Ich war unheimlich geschockt und wusste nicht, wohin mit meinen ganzen Sorgen. Das war die schlimmste Zeit in meinem Leben.“ Inzwischen hat sie sich mit ihrer Krankheit arrangiert. Auch, weil sie sehr viel Unterstützung von ihrer Familie und speziell von ihren Kinder erfährt.

Dennoch muss sie auch heute noch oft unter den argwöhnischen Blicken ihrer Nachbarn leiden. „Manche Nachbarn wollen zum Beispiel ihre Wäsche nicht neben meiner aufhängen oder nicht die gleiche Toilette benutzen, weil ich HIV-positiv bin“, berichtet Aneley. Sie geht inzwischen aber sehr souverän damit um und verheimlicht ihre Krankheit nicht.

Die Krankheit zu verheimlichen macht alles nur noch schlimmer“, sagt sie. „Dass ich mich dazu bekannt habe, hat mir die Möglichkeit gegeben, Hilfe zu bekommen. Ich möchte daher allen HIV-Patienten den Ratschlag geben, sich zu ihrer Krankheit zu bekennen.

Auch die Aufnahme in das humedica-Patenschaftsprogramm hat Aneley sehr unterstützt und weitergebracht auf ihrem steinigen Weg. Geholfen hat es ihr vor allem in jener Hinsicht, dass sie innere Ruhe finden konnte. „Es ist mir eine enorme Stütze, einen Rückhalt zu haben. Jemanden, der mich unterstützt und sich um mich und meine Kinder kümmert. Und ich möchte all denjenigen, die mich unterstützen, von Herzen danken.

Nach meinem Gespräch mit Aneley verabschiede ich mich, beeindruckt von der scheinbaren Gelassenheit und der Ruhe, die diese Frau ausstrahlt. Sie erzählte mir von Ihrer tödlich endenden Krankheit, mit einem Lächeln auf den Lippen.“

Aneley hat ihr Schicksal angenommen und arbeitet nun gegen die bestehende Stigmatisierung und für mehr Aufklärung und Wissen. Foto: humedica/Steven Hofmann

Durch gezielte Schulungen zur Prävention einer HIV-Infektion und der Sensibilisierung im Umgang mit Betroffenen steht humedica im Rahmen des Patenschaftsprogramms den Familien zur Seite. Es ist nur ein Aspekt von vielen, den eine Patenschaft in Äthiopien und den anderen Ländern beinhaltet. Aber ein bedeutender. Und einer, der uns alle etwas angeht.

Bitte werden auch Sie jetzt Pate oder unterstützen mit einer einmaligen Spende die Familienpatenschaften. Vielen Dank.

      humedica e. V.
      Stichwort „Familienpatenschaft
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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