Geschichte einer ganz persönlichen Versorgungshilfe

von Ruth Bücker, 28.03.2012

Sich um Menschen in Not sorgen, sie mit notwendigen Gütern versorgen und Fürsorge für sie tragen: dank des humedica-Arbeitszweiges der Versorgungshilfe gehen jährlich hunderte Tonnen von Hilfsgütern in Projektländer, in denen es an diesen Dingen fehlt. Manchmal sind es spezielle Medikamente oder medizinisches Equipment. Oder es handelt sich um den Versand von Einrichtungsgegenständen für Krankenhäuser oder Kinderheime.

Lyudmila Loniuk arbeitet bereits seit 18 Jahren als Chefin der Kindermission in der Ukraine, um Menschen in Not zu helfen. Geschichten wie die des kleinen Ostap berühren sie dennoch immer noch sehr. Foto: humedica/Children´s Mission Ukraine

Und manchmal ist es lediglich ein Spielzeug, das in Deutschland gespendet und mit einer gesamten Containerladung an Hilfsgütern in das Partnerland entsendet wurde, aber ein Gefühl der Fürsorge auslöst und die Sicherheit um das Wissen, dass sich jemand sorgt. Lyudmila, Leiterin des langjährigen humedica-Partners Children´s Mission Ukraine, durfte diese Erfahrung machen und möchte sie gerne mit Ihnen teilen.

„Gestern Morgen erhielt ich einen Anruf von einer Mitarbeiterin, die in der Stadtverwaltung von Lutsk für Familien und Jugendliche zuständig ist. Sie berichtete mir von einem 20-jährigen Mädchen, das einen Tag zuvor ein Baby zur Welt gebracht hatte, dieses nun aber im Krankenhaus zurücklassen wolle.

Das Mädchen ist Studentin, hat keinen Ehemann und darüber hinaus große Angst, ihren Eltern von dem Neugeborenen zu erzählen. Da die frisch gewordenen Großeltern auf dem Land leben, konnte die junge Frau ihre Schwangerschaft vor ihnen verbergen. Diese Geschichte machte mich persönlich sehr betroffen und traurig.

Die Mitarbeiterin der lokalen Behörde bat mich um Hilfe und um ein Gespräch mit der jungen Mutter Halyna. Sie war der Ansicht, dass wir vielleicht etwas bewegen könnten durch unseren Zuspruch und das Aufzeigen, dass Halyna mit ihrem neugeborenen Sohn Ostap nicht alleine sei. Ihre Worte berührten mich sehr.

Kinder sind ein Geschenk Gottes, und so packten wir für Ostap ein paar Kleidungsstücke und andere Dinge und machten uns auf den Weg in das Krankenhaus. Mit den Gedanken war ich ständig bei dem bevorstehenden Gespräch mit Halyna, die nicht als schlechte Mutter angesehen werden darf. Sie ist lediglich jung, einsam und verunsichert, wie sie ihre Zukunft bewältigen soll.

Der stolze Großpapa empfing seinen Enkelsohn und Halyna mit offenen Armen. Vergessen waren die Sorgen über die Zukunft. Foto: humedica

Mit einer erst vor kurzem eingetroffenen Hilfsgüterlieferung von humedica erhielten wir auch 99 Kilogramm Spielsachen. Wir verteilten das gesamte Spielzeug bereits an kleine Patienten eines Kinderkrankenhauses. Alles, bis auf einen einzigen Gegenstand.

Ich bin mir selbst nicht im Klaren darüber, warum wir dieses eine Baby-Mobile zurückhielten. Aber ich hatte zu diesem Zeitpunkt schlicht und ergreifend das Gefühl, dass sich eine noch besser passende Gelegenheit bieten würde. Als ich von dem kleinen Ostap hörte, wusste ich, dass diese Gelegenheit gekommen war und das Mobile für ihn bestimmt sein musste.

Wir redeten lange mit Halyna, überreichten ihr und Ostap die Geschenke, verbrachten Zeit mit den beiden und so wie es aussah, konnten wir ihr das Richtige vermitteln: Niemand auf dieser Erde ist alleine! Halyna sagte, sie liebe ihr Kind, aber sie habe Angst davor, ihre Eltern mit der Nachricht von ihrem Enkelsohn zu überraschen und tiefgehende Bedenken, wie sie ihren Sohn überhaupt versorgen, wie sie das alles regeln solle.

Aber als sie schließlich auch sagte, dass sie neue Kräfte getankt habe und das Gefühl der Einsamkeit nicht mehr das beherrschende in ihr sei, war das unbeschreiblich. „Gott hat mir so viele Menschen geschickt, die mir helfen und Hoffnung schenken sollen. Ich bin so dankbar dafür und bin inzwischen überzeugt, dass alles irgendwie gut werden wird“, sagte Halyna.

Gemeinsam informierten wir Halynas Eltern und frischgebackenen Großeltern des kleinen Ostap. Halynas Mutter nahm sogar den anstrengenden Weg nach Lutsk auf sich, um ihre Tochter und ihren Enkelsohn in das 120 Kilometer entfernte Heimatdorf abzuholen. Wo letztendlich auch ein freudestrahlender Großvater und eine stolze Tante den neuen Erdenbürger begrüßen konnten.“

In aller Regel beinhaltet die Versorgungshilfe für die humedica-Mitarbeiter der Zentrale und für die Spender der Sachgüter wenige persönliche Momente: Eine große Menge an Medikamenten, Verbandsmaterialien, Gütern des täglichen Bedarfs oder Lebensmitteln wird an den humedica-Partner geliefert, womit der offensichtliche, persönliche Kontakt endet.

Wie die Geschichte von Ostap und Halyna aber zeigt, steht hinter jedem der gespendeten und versandten Dinge ein Kind, eine Frau oder ein Mann oder gar eine gesamte Familie, deren Leben sich verändert.

Auch Sie können mit einer gezielten Spende für die Versorgungshilfe dazu beitragen, dass Geschichten wie die von Ostap passieren - und zu einem guten Ende kommen. Vielen Dank.

      humedica e. V.
      Stichwort „Versorgungshilfe
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Es begann mit einem Baby-Mobile und endete damit, dass sich Ostaps Mutter in der Lage fühlte, ihren Sohn großzuziehen und sich ihren Eltern anzuvertrauen. Foto: humedica

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