Mit Blick in die Vergangenheit und die Zukunft

von Ruth Bücker, 16.06.2012

Der 16. Juni 1976 wird in der Geschichte der südafrikanischen Apartheidkonflikte als einer der schwärzesten und grausamsten Tage bezeichnet. Als Soweto-Tag in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gerückt, stand dieses Datum noch Jahrzehnte für die bis dahin gewalttätigsten Ausschreitungen zwischen weißen und farbigen Südafrikanern. In Gedenken an die damals verstorbenen Kinder und Jugendlichen und um darüber hinaus auf die Lebensumstände in weiteren afrikanischen Ländern aufmerksam zu machen, wurde der 16. Juni des Jahres zum „Tag des afrikanischen Kindes“.

Über Jahre engagierte sich humedica in sudanesischen Flüchtlingslagern und legte ein großes Augenmerk auf Kinder und ihre Entwicklung. Foto: humedica

In Auflehnung gegen die Pläne, Afrikaans als offizielle Unterrichtssprache in allen Schulen einzuführen, versammelten sich am 16. Juni 1976 zehntausende farbige Schülerinnen und Schüler zu zunächst friedlichen Demonstrationen. Afrikaans war zu der damaligen Zeit die Sprache der herrschenden weißen Minderheit und ihre Einführung als einzige Unterrichtssprache hätte den farbigen Mädchen und Jungen, die ihrer nicht mächtig waren, den Zugang zu Bildung versperrt.

Der anfangs ruhige Zug aus protestierenden Jugendlichen stieß auf seinem Demonstrationsmarsch auf Polizisten. Das Zusammentreffen endete in einem unbeschreiblichen Massaker, bei dem sich Polizisten und Demonstranten grausamen Kämpfen lieferten, welche mehrere hundert Menschenleben forderten. Die meisten von ihnen auf Seiten der Schülerinnen und Schüler.

Die tragischen Ereignisse in dem Armenviertel Soweto in jenem Sommer erschütterten auch die Menschen über Südafrikas Grenzen hinaus und lenkten die internationale Aufmerksamkeit auf die Umstände der insbesondere jüngeren und meist benachteiligten Bevölkerung - der Kinder und Jugendlichen. Bis heute ist der 16. Juni all den Opfern dieser blutigen Ausschreitungen gewidmet.

Darüber hinaus wird er aber auch als Chance für die Zukunft gesehen und richtet als „Tag des afrikanischen Kindes“ den Fokus auf die Mädchen und Jungen aller afrikanischen Länder, ihre gegenwärtige Situation und auf die Chancen einer besseren Zukunft, für die wir gemeinsam Maßnahmen ergreifen müssen.

Gemeinsam für die Kinder Afrikas einstehen

Auf vielfältige Weise ist humedica in Afrika tätig und kämpft gegen Krankheit und Hunger, und für die Möglichkeit auf Bildung und eine Perspektive für die Zukunft. Das Wohl der Kinder liegt dabei besonders im Fokus, denn sie sind einerseits die Schwächsten, andererseits und darüber hinausgehend aber auch die Zukunft eines jeden Landes und die Basis für weitreichende Veränderungen.

In dem Flüchtlingslager Melkadida in Äthiopiens Süden werden neben medizinischen Behandlungen auch Verteilungen durchgeführt und Schulungen gehalten. Foto: humedica/Sven Ramones

Durch die humedica-Versorgungshilfe werden jährlich 600 bis 800 Tonnen Hilfsgüter versendet, von denen ein nicht unerheblicher Teil auch Partner in afrikanischen Staaten erreicht. Beispielsweise das Sibongile Day & Night Care Centre in Kapstadt, welches für die betreuten Kinder mit zelebraler Kinderlähmung neben Spielsachen insbesondere Artikel zur Pflege und physiotherapeutischen Behandlung erhält.

Seit dem Jahr 2007 versorgt humedica darüber hinaus mehrere Krankenhäuser und ein Kinderheim in Simbabwe mit dringend benötigtem Equipment. Das von Ordensschwestern geführte Kinderheim Emerald Hill Children´s Home kümmert sich bereits seit Jahrzehnten um Waisen und körperlich wie seelisch misshandelte Kinder, sorgt für ihre Schulausbildung und ein liebevolles Umfeld.

Die Förderung von Gesundheitseinrichtungen steht auch bei Partnern beispielsweise in den Empfängerländern Benin, der Republik Kongo und Uganda im Vordergrund. In der Vergangenheit wurden darüber hinaus zahlreiche weitere Krankenhäuser und Spitäler in anderen Staaten versorgt, deren Arbeit ohne die benötigten Medikamente, Verbandsmaterialien und medizinischen Instrumente zwar nicht beendet, aber doch stark eingeschränkt worden wäre.

Eine besonders nachhaltige Unterstützung stellt darüber hinaus das Familienpatenschaftsprogramm in Äthiopien dar, das sich nicht ausschließlich um Kinder kümmert, sondern durch die Unterstützung der gesamten Familie und Stärkung der Gemeinschaft für ein kindgerechtes Umfeld sorgt, in dem die Kleinsten der Gesellschaft in Sicherheit und unter medizinischer Aufsicht aufwachsen können, regelmäßige Mahlzeiten bekommen und sowohl die Möglichkeit für einen Schulbesuch als auch zusätzlichen Nachhilfeunterricht und Hilfestellung bei der Berufsausbildung erhalten.

In Kindertageseinrichtungen werden kleinere Mädchen und Jungen betreut und durch liebevolles Personal von morgens bis abends mit Spiel, Tanz und Spaß beschäftigt, sodass ihre Mütter einem Beruf nachgehen und zusätzlich zum Wohl der Familie beitragen können.

Als sich im Sommer 2011 am gesamten Horn von Afrika die Nahrungsmittelsituation drastisch zuspitzte, entsandte humedica Teams aus ehrenamtlichen Einsatzkräften, die bis heute im Süden Äthiopiens in einem Flüchtlingslager Kinder wie Erwachsene behandeln, einen Gesundheitsposten mit eigener Mutter-Kind-Station errichtet und mit Hilfsgütern zu einer langfristigen Verbesserung der Gesamtumstände beigetragen haben.

Auch die humedica-Klinik im nigrischen Kollo, ebenfalls mit eigener Mutter-Kind-Station ausgestattet, ist ein Ort des Schutzes und der medizinischen Vor- und Nachsorge. Das kleine Krankenhaus mit Labor und dem nötigen Equipment, um schnelle und lebensrettende Diagnosen stellen zu können, erreicht regional etwa 450.000 Menschen; ein Großteil davon sind Kinder.

Nachhilfeunterricht am Nachmittag und Computerkurse stellen die zusätzlichen Stützen zur Schulbildung dar - wie auf dem Bild in Äthiopien. Foto: humedica

Mit Impfkampagnen, Geburtsvorsorge und postnatalen Untersuchungen, mit der Behandlung basismedizinischer Beschwerden und der schnellen Reaktion auf erste Anzeichen von Unterernährung, ist das Krankenhaus ein Ort der Hoffnung geworden, in dem neues Leben zur Welt gebracht und Neugeborene von Geburt an und über Jahre andauernd gehütet und beschützt werden.

Zwar nicht lebensrettend, aber als große Bereicherung für die Mädchen und Jungen ist schließlich auch die Weihnachtspäckchenaktion „Geschenk mit Herz“ zu nennen, durch die in verschiedenen afrikanischen Projektländern jährlich ein Lachen auf die kleinen Gesichter gezaubert werden kann.

Malstifte und ein Kuscheltier, Kleidung oder Schuhe, eine Schultasche mit den entsprechenden Materialien gehören zwar sicher nicht zu den lebensnotwendigen Dingen, aber sie bedeuten Freude in einem oft trostlosen Alltag und pflanzen den Samen der Hoffnung, der durch weitere Pflege gedeihen und wachsen kann.

Bitte richten Sie Ihren Blick gen Afrika

Alle vergangenen wie gegenwärtigen Hilfsmaßnahmen darzustellen, ist bei der Vielfältigkeit und Dimension schlicht unmöglich. Dennoch ist eines allen Projekten und Ländern gleich:

Nur gesunde Kinder sind in der Lage, lernen zu können. Nur Bildung kann den Mädchen und Jungen dabei helfen, aus dem Kreislauf der Armut auszubrechen. Und nur diese Perspektive kann langfristig dazu beitragen, dass alle Kinder Afrikas bessere Chancen auf ein hoffnungsvolles Leben, auf Schutz und eine chancenreiche Entwicklung haben.

Bitte wenden auch Sie am „Tag des afrikanischen Kindes“ ihren Blick in Richtung des Schwarzen Kontinents und seinen Bewohnern und lassen Sie uns auch in Zukunft weiterhin dafür sorgen, dass die Mädchen und Jungen ein besseres Leben, Bildung und Schutz erhalten. Vielen Dank!

Insbesondere für die Kindertagesstätte Sibongile möchten wir Sie an dieser Stelle um Ihre Unterstützung in Form einer gezielten Spende bitten.

      humedica e. V.
      Stichwort „Sibongile Südafrika
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Kindergesichter Afrikas: Zum „Tag des afrikanischen Kindes“ finden Sie auf unserer Startseite eine passende Fotoshow.

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