Patenfamilien nach dem Bürgerkrieg in Sri Lanka

von Maren Kuchler, 22.03.2012

Palmen, blühende Bougainvillen, hunderte gelbe Schmetterlinge. Etwas unsanft schaukelt man über die roten staubigen Schotterpisten, während Affen neben der Straße von Baum zu Baum springen. Viel Zeit zum Träumen bleibt jedoch nicht, die Realität im Norden Sri Lankas holt einen schnell wieder ein.

Die paradiesische Umgebung verleitet dazu, die schrecklichen Ereignisse und anhaltenden Missstände zu übersehen. Foto: humedica/Maren Kuchler

Knapp drei Jahre ist es erst her, dass der zuvor 26 Jahre andauernde Bürgerkrieg beendet wurde. Die "Liberation Tigers of Tamil Eelam" (LTTE), eine Rebellengruppe, die für die Unabhängigkeit des tamilischen Nordens kämpfte, unterlag den sri-lankischen Regierungstruppen. Allein während der letzten Kriegsjahre kamen zehntausende Menschen ums Leben, hunderttausende wurden vertrieben.

Auf den Straßen herrscht nun emsige Geschäftigkeit. Auf kürzesten Strecken stößt man auf schwere Maschinen, frisch geteerte Straßenabschnitte und zahlreiche Bauarbeiter, die von früh morgens bis in die Dunkelheit hinein die neuen Straßen bauen. Der Aufbau der Infrastruktur ist eines der großen Ziele der sri-lankischen Regierung nach dem Ende des Krieges.

Zum alltäglichen Bild gehören aber auch die kleinen roten Fähnchen mit einem Totenkopf darauf, die links und rechts der Straßen in der Sonne flattern. Minen. Laut UN-Schätzungen wird es noch länger als zehn Jahre dauern, bis Sri Lanka minenfrei sein wird. Alle paar Kilometer trifft man auf Checkpunkte und Armeecamps. Der Norden des Landes wird weiterhin vom Militär kontrolliert, da ein erneutes Wachsen der LTTE befürchtet wird.

Viele grundsätzliche Probleme sind auch drei Jahre nach dem Kriegsende noch nicht gelöst. Wer bei den Entwicklungsbemühungen im Norden Sri Lankas bisher auf der Strecke bleibt, sind die Menschen. Viele haben Schreckliches erlebt. Sie mussten ihr Zuhause verlassen und waren auf der Flucht. Sie haben Familienmitglieder und Freunde verloren, einige wurden selbst schwer verletzt.

Nach dem Ende des Krieges konnten nun viele Menschen wieder an ihren Wohnort zurückkehren. Sie haben vom Krieg zerstörte oder geplünderte Häuser vorgefunden, ihr Hab und Gut wie auch ihre Ersparnisse sind verloren.

Thawasine lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Haus. Trotz des Verlustes beider Beine, plant sie tatkräftig ihre Zukunft: "Mein Kopf wurde schließlich nicht verletzt!" Foto: humedica

An diesen trostlosen Orten sollen sie nun ein neues Leben beginnen - mit Erinnerungen, die sie nie vergessen werden können. Als wir beim Besuch einer Familie die Mutter fragen, wie es ihr geht, steigen ihr Tränen in die Augen. So nahe brodelt das Erlebte noch unter der Oberfläche.

Neben Trauer und Verzweiflung schöpfen viele Familien aber auch Hoffnung. Wie die 25-jährige Thawasine. Ein halbes Jahr vor Kriegsende wurde sie während einer Bombardierung verletzt. Thawasine verlor beide Beine, das linke gleich unter der Hüfte, das rechte ab dem Knie. Dennoch ist sie eine motivierte junge Frau.

Seit dem vergangenen Jahr betreibt humedica im Norden Sri Lankas ein neues Familienpatenschaftsprojekt. Zielgruppe sind Familien in der Vanni-Region, die vom Bürgerkrieg betroffen waren - wie auch die Familie von Thawasine. 200 Familien konnten bisher in das Programm aufgenommen werden, weitere sollen folgen.

Zum Start des Programms gab es erste Verteilungen, bei deren Gütern die Familien selbst bestimmten, was sie am dringendsten benötigen. Beispielsweise ein Fahrrad, denn viele Kinder müssen lange Wege zur Schule zurücklegen. Oder Wasserpumpen und Dieselmotoren, um das tiefe Grundwasser aus den Brunnen leichter an die Oberfläche zu befördern und auf die Felder zu bringen.

Manche Frauen entschieden sich auch für eine Nähmaschine. Auf diesem Weg können sie Kleidung für die eigene Familie nähen und zusätzlich ein Einkommen durch den Verkauf des Genähten erhalten. Freudestrahlend zeigt uns Kamalini, eine junge Mutter in unserem Programm, ihr Auftragsbuch, in dem sie alle eingehenden Aufträge und Maße der Kunden festhält. Sie erwirtschaftet nun eigenes Geld und kann ihre Familie besser unterstützen.

Kamalini erhielt bei der ersten Verteilung eine Nähmaschine, mit der sie ihrer Familie ein zusätzliches Einkommen sichert. Foto: humedica/Maren Kuchler

Doch das ist erst der Anfang. Von medizinischer Versorgung über Bildungschancen für ihre Kinder sowie bessere Einkommensmöglichkeiten bis hin zu permanenten Häusern haben die Familien noch viele offene Wünsche und Bedürfnisse. Denn nach all den Kriegsjahren sehnen sie sich wieder nach einem Stück Normalität.

Bitte helfen Sie uns dabei, Familien im Norden Sri Lankas zu unterstützen, die unter den Folgen des langjährigen Bürgerkrieges leiden. Übernehmen Sie eine Familienpatenschaft oder unterstützen Sie das Familienpatenschaftsprogramm mit einer einmaligen Spende!

Vielen Dank, oder wie die tamilischen Familien sagen würden: „Nantry“.

      humedica e. V.
      Stichwort „Familienpatenschaften
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Ihr Browser ist veraltet!

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um diese Website korrekt darzustellen.

Den Browser jetzt aktualisieren×