Infektionen erfordern neuen Hautersatz

von Stefanie Huisgen, 21.06.2012

Als am 4. März dieses Jahres in der kongolesischen Hauptstadt Brazzaville ein Munitionsdepot explodierte, wurden etwa 2.000 Menschen verletzt. Zu den Opfern mit schweren Brandwunden gehören auch der 52-jährige Bernard und die 48-jährige Yvette. Beide haben Verbrennungen dritten Grades davongetragen, die teilweise lebensbedrohlich waren.

„Trotz der widrigen Umstände tragen die Menschen ihr Schicksal mit Würde“, sagt ein beeindruckter Klaus Ruhrmann über die Opfer der Explosion in der Republik Kongo. Foto: humedica

Das erste unmittelbar entsendete humedica-Einsatzteam um den erfahrenen Tübinger Katastrophenarzt Prof. Dr. Dr. Bernd Domres hatte den beiden Schwerverletzten an den verbrannten Körperstellen eine Kunsthaut aufgelegt und ihnen mit dieser Maßnahme vermutlich das Leben gerettet. Aufgrund der heißen Temperaturen und bedenklichen Hygienezustände im Hospital in Brazzaville hatten die deutschen Ärzte schon zu diesem Zeitpunkt eine Infektion der Wundstellen befürchtet. Diese Gefahr konnte auch nach erfolgreicher Erstbehandlung nicht gebannt werden.

In der Folge waren tägliche Verbandswechsel und Wundsäuberungen unerlässlich, um einen optimalen Genesungsprozess zu ermöglichen. Trotz der sorgfältigen Nachbehandlung konnte jedoch weder bei Bernard noch Yvette verhindert werden, dass sich einige der betroffenen Körperteile infizieren. Nach dem Abklingen der Infektion war somit erneut ein medizinischer Eingriff vonnöten, um die befallenen Hautstellen zu entfernen und durch künstliche Haut zu ersetzen.

Diesmal wurde die Behandlung von Klaus Ruhrmann durchgeführt, der nach dem Verlassen der beiden humedica-Teams für die Nachversorgung der Patienten vier Wochen in der Republik Kongo zubrachte. Aufgrund seiner speziellen OP-Fachausbildung in den Bereichen Traumatologie, Orthopädie, Anästhesie und Intensivmedizin war es dem pensionierten Krankenpfleger möglich, den notwendigen Eingriff vorzunehmen.

Die infizierten Hautpartikel wurden abgetragen und stückchenweise durch künstliche Haut ersetzt. Dabei orientierte sich Klaus Ruhrmann an der Methode seiner Vorgänger: „Bei Hauttransplantationen oder dem Auflegen von Kunsthaut ist in meinen Augen das ‚Dachziegelprinzip’ die beste Vorgehensweise. Bei dieser Methode wird die Haut nicht als Ganzes aufgelegt, sondern Stück für Stück. Im Falle einer Infektion kann dann lediglich an den betroffenen Stellen nachgebessert werden und es muss nicht das gesamte Hautstück wieder entfernt werden.“

Rund vier Stunden dauerte der Eingriff bei Bernard, der sich bei der Explosion Anfang März schwere Verbrennungen im Gesicht, am Oberkörper sowie dem rechten Arm zugezogen hatte. „Aufgrund der Infektion musste nun eine handtellergroße Hautfläche im Thoraxbereich (Oberkörper) sowie am rechten Ober- und Unterarm bis hin zur Hand zum wiederholten Mal mit künstlicher Haut versehen werden“, erzählt Klaus Ruhrmann nach seiner Rückkehr. Unterstützt wurde er dabei von einer lokalen Krankenschwester, die ihm bei der Wundversorgung assistierte und dadurch auch ihr eigenes Wissen erweiterte.

Etwas kürzer war die Behandlungsdauer bei Yvette, die Verbrennungen an beiden Beinen erlitten hatte. Am rechten Bein musste Klaus Ruhrmann innerhalb von drei Stunden an der „proximalen Seite des Unterschenkels bis in den Bereich der Wade“ neue Hautersatzstücke auflegen. Die ehrenamtliche humedica-Einsatzkraft war bei der Abreise guter Dinge, dass der Wundheilungsprozess dank der Behandlung mit Suprathel, wie der spezielle Hautersatz im Fachjargon bezeichnet wird, nun ohne weitere Komplikationen voranschreiten kann. Die Kunsthaut war den Patienten von der Firma Polymedics zur Verfügung gestellt worden.

„Nach der Abreise von Prof. Domres hat sich Klaus Ruhrmann aufopferungsvoll um Yvette und Bernard gekümmert und war stets um die Verbesserung des Gesundheitszustandes der beiden Schwerverletzten bemüht“, berichtet Dr. Goma-Foutou während seines Besuches in der deutschen humedica-Zentrale. Foto: humedica

In diesen Tagen erreichen uns jedoch leider nicht nur positive Nachrichten aus der Republik Kongo. Dr. Emmanuel Célestin Goma-Foutou, der den humedica-Teams während ihres Einsatzes helfend zur Seite gestanden hatte, ist im Rahmen eines Deutschlandaufenthalts zu einem kurzen Besuch nach Kaufbeuren gekommen. Der ehemalige kongolesische Innenminister hat die beiden Patienten noch kurz vor seiner Abreise nach Deutschland im Krankenhaus besucht.

„Yvette geht es den Umständen entsprechend gut, sie wird täglich gut versorgt und kann inzwischen wieder selbst aufstehen und laufen“, erzählt Dr. Goma-Foutou zufrieden. Leider kann der Leiter dervGebetsfrühstücksgruppe im Parlament der Republik Kongo zu Bernards Gesundheitszustand keine vergleichbar frohe Botschaft überbringen: „Bernards Zustand hat sich sehr verschlechtert, da sich die Wunden erneut infiziert haben. Als ich ihn besuchte, war er sehr verstört und hat geweint.“

„Wir werden alles in unseren Möglichkeiten stehende tun", sagte humedica-Geschäftsführer Wolfgang Groß Dr. Goma-Foutou zu, „um Bernard weiterhin zur Seite zu stehen.“

Liebe Freunde und Förderer, immer wieder treffen humedica-Kräfte im Einsatz auf Menschen wie Bernard, deren Schicksal die Helfer besonders bewegt und die auf Ihre spezielle Unterstützung angewiesen sind. Bitte tragen Sie mit einer Spende für den Zweig der Einzelfallhilfe dazu bei, dass humedica diesen Menschen gezielt Hilfe zukommen lassen kann. Vielen Dank.

      humedica e. V.
      Stichwort „Einzelfallhilfe“
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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