Hilfe auf den Philippinen: „Gutes Gefühl.“

von Christiane Bähr, Nina Skandalaki, 02.04.2012

Fast ein halbes Jahr ist es inzwischen her, dass die zerstörerischen Taifune „Nesat“ und „Nalgae“ gewaltige Überschwemmungen und eine Spur der Verwüstung auf der philippinischen Hauptinsel Luzon hinterließen. Vor drei Monaten sorgte Taifun „Washi“ auf der südlich von Luzon gelegenen Insel Mindanao für Leid und Zerstörung.

Tausenden Menschen konnte geholfen werden dank der humedica-Verteilungen, die an die medizinische Katastrophenhilfe anschlossen. Foto: humedica/Cherrys Abrigo

Mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland konnte humedica in den vergangenen Monaten durch die Entsendung von medizinischen Teams und Verteilungen von elementaren Hilfsgütern der philippinische Bevölkerung in den betroffenen Katastrophenregionen helfen. Nach Abschluss des Einsatzes blickt unsere letzte Koordinatorin Christiane Bähr zurück.

„Von Ende Dezember 2011 bis Anfang März 2012 war ich als Koordinatorin auf den Philippinen im Einsatz und habe dort mit unserer Partnerorganisation Operation Blessing Philippines in den Provinzen Aurora, Isabela und Quirino zusammengearbeitet.

Nachdem das Hilfsprojekt auf den Philippinen nun abgeschlossen ist und ich auch schon seit zwei Wochen wieder in Deutschland bin, mache ich mir natürlich Gedanken, ob und wie man den Menschen nach einer solchen Katastrophe tatsächlich geholfen hat. Waren es eher die Hilfsgüter wie Kerosinlampen, Fischernetze und Hygieneartikel, die die Menschen am dringendsten gebraucht haben?

Oder war die medizinische Versorgung wichtiger? Oder hat es den Menschen einfach geholfen, dass wir für sie da waren, dass wir ihnen zugehört haben und dass wir ihnen das Gefühl gegeben haben, dass sie nicht alleine sind und auch nicht vergessen werden, egal wie abgelegen ihre Dörfer liegen?

Ich denke, all diese Hilfeleistungen in ihrer Gesamtheit machen eine gute Hilfe aus und so konnte dieses Katastrophenhilfsprojekt auf den Philippinen auch gut und nachhaltig beendet werden.

Insbesondere Kinder können plötzliche Veränderungen nach einer Katastrophe nicht verstehen. Ihnen zu helfen, ist ein besonderes Anliegen von humedica. Foto: humedica/Cherrys Abrigo

Besonders erwähnenswert ist an dieser Stelle auch unsere letzte Hilfsgüterverteilung Ende Februar: wir konnten den ärmsten Dorfbewohnern in der entlegenen Bergregion Quirino 500 Kerosinlampen, über 500 Wasserkanister und knapp 250 Schüsseln übergeben. Als das humedica-Ärzteteam in Zusammenarbeit mit Operation Blessing Philippines im Februar 2012 in diesen abgelegenen Bergdörfern medizinische Basisversorgung leistete, wurde sichtbar, unter welch schwierigen, oft gar elenden Bedingungen die Menschen hier leben.

Die meisten Familien haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser oder auch Strom. Ihre Situation hatte sich zudem nochmals durch die Taifune im Herbst 2011 und die anschließende, außergewöhnlich lang andauernde, starke Regenzeit verschlechtert. Aus diesem Grund entschied sich humedica nach Abschluss des medizinischen Einsatzes, auch hier eine Hilfsgüterverteilung durchzuführen und dringend benötigte Kerosinlampen, Wasserkanister zur Aufbewahrung von Trinkwasser und Schüsseln zu verteilen.

Francis Ablos aus dem kleinen Dorf Anna in Nagtipunan erzählte uns am ersten Tag der Verteilung: „Die Menschen hier sind sehr arm, sie leben hauptsächlich von dem Bananen- und Reisanbau. Die Taifune und die schwere Regenzeit im Dezember und Januar haben auch in dieser Bergregion zu gewaltigen Flussüberschwemmungen geführt. Die Ernte ist zerstört, für viele bleibt die Jagd die einzige Nahrungsquelle, doch leider gibt es fast keine größeren Tiere mehr im Wald.

Wir leben hier sehr abgelegen, der medizinische Einsatz von humedica und Operation Blessing in dieser Region war die erste medizinische Hilfe, die wir in den vergangenen zehn Jahren jemals von einer Hilfsorganisation erhalten haben und dies sind auch überhaupt die ersten Hilfsgüter, die uns nun erreichen. Wir sind für beides sehr sehr dankbar!“ Ein fester, herzlicher Handschlag und Francis wendet sich der versammelten Dorfgemeinschaft zu, die gerade an dem Gebrauch der Kerosinlampen geschult wird, für seine krebskranke Frau konnten wir leider nichts tun.

Insgesamt konnten wir in einer großen, dreitägigen Verteilaktion zehn Dorfgemeinschaften in den Bergen der Provinz Quirino mit Hilfsgütern versorgen. Die Empfänger waren hauptsächlich Familien mit Kindern, alte und behinderte Menschen, aber auch Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten und Kirchen. Durch ihr Lachen und ihre Herzlichkeit uns gegenüber, zeigten uns die Menschen auch hier ihre große Dankbarkeit.

Koordinatorin Christiane Bähr arbeitete mehrere Monate auf den Philippinen, um Hilfsgüterverteilungen zu organisieren und durchzuführen. Foto: humedica/Cherrya Abrigo

Seit Beginn der Hilfsmaßnahmen auf den Philippinen im vergangenen Oktober 2011 konnte humedica insgesamt acht medizinische Teams in die verschiedenen Katastrophengebiete entsenden - sieben auf die Hauptinsel Luzon und eins auf Mindanao - bestehend aus über zehn Ärzten, fünf Pflegekräften, vier Medizinstudenten, einem Rettungssanitäter und sechs Koordinatoren, die qualifizierte medizinische Basisversorgung vor Ort leisteten.

Gleichzeitig wurden drei große Hilfsgüterverteilungen durchgeführt, um die in größte Not geratenen Menschen auch nachhaltig zu unterstützen: Hygiene-Kits für 1.000 Familien (über 6.000 Personen) in den Provinzen Aurora, Bulacan und Isabela. 650 Fischernetze und 650 Kerosinlampen in den Fischerdörfern von Dilasag, Dinapigue und Casiguran, Aurora. Und 500 Kerosinlampen, über 500 Wasserkanister und über 200 Schüsseln in den Bergdörfern von Nagtipunan, Quirino.

Ich denke, dass dieses Hilfsprojekt zu einem sehr guten Abschluss gekommen ist. humedica konnte auf den Philippinen seit Herbst 2011 viele unterschiedliche Hilfeleistungen erbringen und somit das Land auch mit einem sehr guten Gefühl Anfang März 2012 wieder verlassen.

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