„Ihr Helfer seid Teil unserer Familie geworden“

von Damaris Walter, 29.09.2012

Zu viel Regen in einem zu trockenem Land - die Menschen im Niger kämpfen täglich um ihr Überleben, nachdem die Flut ihnen das Wenige genommen hat, was sie noch besaßen. Ihre Dankbarkeit für Lebensmittel und Grundversorgung ist unbeschreiblich groß. Lesen Sie hier, wie es aktuell um das westafrikanische Land steht:

Das von Wüste umschlossene Land Niger leidet chronisch unter Lebensmittelknappheit, Fehlernährung und Wassermangel. Die Ernten von 6,4 Millionen Menschen wurden durch die überdurchschnittlich starken Regenfälle im Jahr 2011 zerstört.

Dies löste eine „Nahrungsmittelknappheitskrise“ aus, in dem sich die nigrische Bevölkerung laut UN-Büro für Koordination der humanitären Angelegenheiten (OCHA) seither befindet. Es sind keine ausreichenden Nahrungsmittel vorhanden, die Familien sind nicht mehr in der Lage, sich selbst zu versorgen.

Die schweren Regenfälle, die bereits 2011 über den Niger herein brachen, wurden durch erneut dramatische Wassermassen im August 2012 an Ausmaß sogar noch übertroffen. Der Fluss Niger stieg bis zur maximalen Höhe an, was laut Niger-Flussaufsichtsbehörde (ABN) ein beängstigendes Rekordlevel seit 1929 (Beginn der Messungen) darstelle. Der Fluss stieg über die Ufer und überflutete alle anliegenden Dörfer.

Am schlimmsten traf es die Region Tillabérri. Sie wurde fast gänzlich überschwemmt, sodass die Dörfer nur noch mit dem Kanu zu erreichen sind. 167.000 Menschen sind allein in dieser Region schwer getroffen. Viele verloren ihre Häuser, ihren Viehbestand, nicht selten alles, was sie besaßen. Das Ausmaß der vernichteten Äcker und Felder ist verheerend: hunderte Farmen entlang des Flusses wurden zerstört, und so auch die Hoffnung der Bauern, ein Jahr erleben zu dürfen, in dem man die Ernteausfälle zuletzt kompensieren könnte.

Sarando, ein Dorf der Region Tillabérri, das direkt am Flussufer des Niger liegt, war eines der am schwersten getroffenen Gebiete. Hier sind das Hosanna Institut von Sahel (HIS), zusammen mit Operation Blessing am Werk, die Region wieder aufzubauen. Es wurden Arbeitsgemeinschaften gegründet, unter anderem für verbesserten Ackerbau, Konservierung von Zwiebeln, Bepflanzung, Installation von Wasserpumpen und Brunnenbau. Dem gesamten Dorf, rund 2.300 Menschen, konnten Operation Blessing und HIS durch die Hilfsmaßnahmen bedeutend helfen, es steht aber weiterhin noch sehr viel Arbeit an.

Ein normales Haus im Niger ist ein Bau aus selbstgeformten Lehm-Ziegelsteinen und einem Strohdach. Diese fragilen Lehm-Hütten sind instabil und halten keiner stärkeren Witterung stand.

Dementsprechend schnell zerstört wurde das Zuhause vieler tausender Menschen in den Dörfern. So auch das von Aissa, einer Mutter, die mit ihren fünf Kindern in Sarando lebt. Verzweifelt sagt sie: „Als die Flut kam, brach unser Haus in sich zusammen und war komplett zerstört. Wir blieben mit nichts zurück. Wir wissen nicht, was wir tun sollen. Wir sind hilflos und können nichts tun.

Mehr als die Hälfte der Häuser in Sarando wurden durch die Wassermassen zerstört und die Dorfbewohner wussten nicht, wo sie Schutz und Unterkunft finden sollten. Einige Familien flohen vorerst in die Kirche oder zu Nachbarn, die nicht ganz so schwer getroffen wurden. 80 Prozent der Flutopfer kehrten jedoch bereits wieder zu dem Ort zurück, wo einst ihr Zuhause stand, und leben dort nun unter den widrigsten Umständen. Ein Großteil des Dorfes ist nach wie vor überflutet.

Die Familien schlafen alle irgendwo, wo der Boden noch trocken ist“ erzählt Kadi, eine starke, lebensfrohe Frau, die ebenso ihr Zuhause in den Fluten verloren hat. Ihre eigene Familie, sagt sie, schliefe draußen im Freien auf Plastikmatten.

humedica unterstützt die Hilfsmaßnahmen mit den Möglichkeiten der Klinik in Kollo, außerdem fanden in dem betroffenen Gebiet zwei Verteilungen statt. Wie das Oberhaupt des Dorfes verkündete, ist das größte Problem nach wie vor die Nahrungsmittelknappheit. humedica kümmerte sich nun seit Anfang September um die Versorgung von über 170 Haushalten mit 125 kg Reis und 100 kg Erbsen und Bohnen.

Der Bedarf und die Dankbarkeit wurden am Umgang der Menschen mit den erhaltenen Gütern offensichtlich: Eine Frau bückte sich, um einzelne, zu Boden gefallene Reiskörner aufzusammeln, um auch diese ihren drei kleinen Kindern zu essen geben zu können. Das ganze Dorf Sarando zeigte den Helfern seine Dankbarkeit für jede einzelne Erbse, die sie erhalten haben.

An manchen Tagen essen wir, an manchen Tagen essen wir ein bisschen und an manchen Tagen essen wir gar nicht. Alles, was wir haben, ist das, was uns gegeben wird“, sagte das Dorfoberhaupt. Die Flutopfer können sich sicher sein, dass sie für die nächsten Monate genug zu essen haben und sich somit nun selbst auch auf den Wiederaufbau ihres Dorfes konzentrieren können.

Die Freude über Nahrungsmittel war riesig. Foto: humedica

Danke, danke, danke euch allen, die uns zu essen gegeben haben! Ihr habt wirklich hart gearbeitet und wir sind so glücklich. Was ihr uns gegeben habt, ist so gut für uns!“, strahlte Aissa uns dankbar an. Kadi, die in der Nähe stand, fügte gerührt hinzu: „…Alle, die uns so großzügig gegeben haben, sind Teil unserer Familie geworden, Teil unseres Dorfes, ein Teil von uns.

Von dem bedingungslosen Mitgefühl, der persönlichen Anteilnahme an ihrem Leid und der raschen Versorgung mit allen nötigen Nahrungsmitteln in diesem Land der Verzweiflung, waren die Menschen im Niger tief berührt. Verbindungen des Vertrauens wurden geschaffen, die auch die gemeinsame Grundlage für künftige Arbeiten in Sarando bilden, die dort begonnen wurden.

Dank der Unterstützung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland und zusammen mit Ihnen können wir alle unser Möglichstes versuchen, die Bedürfnisse derjenigen zu stillen und das Leid der Menschen bestmöglich zu lindern, die am bedürftigsten sind und die Not am schlimmsten erfahren.

Auch Sie können mit einer gezielten Spende den Menschen im Niger helfen, das Leid zu lindern und ihr Leben neu aufzubauen. Die Menschen sind Ihnen aus tiefstem Herzen dankbar.

      humedica e. V.
      Stichwort „Klinik Niger
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Auch mit einer kleinen sms für Menschen in Not Großes erreichen: Stichwort DOC an die 8 11 90 senden und von den abgebuchten 5 Euro gehen 4,83 Euro in die humedica-Projektarbeit.

Ihr Browser ist veraltet!

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um diese Website korrekt darzustellen.

Den Browser jetzt aktualisieren×