Erneut ausbleibende Ernte versetzt in Alarmbereitschaft

von Sebastian Meitinger, Ruth Bücker, 08.02.2012

Die Knappheit an Nahrungsmitteln ist in Niger bekanntermaßen und leider beständig eine große Bedrohung für die einheimische Bevölkerung. Doch dieses Jahr ist es nach vier Jahren relativer Stabilität wieder akuter, ja geradezu katastrophal.“ Was die ehemalige Koordinatorin Simone Winneg im Mai 2010 in einem ihrer Berichte schrieb, ist tragischerweise auch anderthalb Jahre später wieder zur bedrohlichen Realität geworden.

Noch entkräftet von der vergangenen Hungersnot, sind die Menschen in Niger erneut auf unsere Hilfe angewiesen. Foto: humedica/Stephanie Mühlbauer

Bereits in den Jahren 2005 und 2010 half humedica mit ehrenamtlichen Ärzteteams und Nahrungsmittelverteilungen gegen die Folgen von Ernteausfällen und darauf folgende Hungersnöte an. Zuletzt konnten in der humedica-Klinik in Kollo extrem Unterernährte in dem Bettentrakt unter medizinischer Versorgung und mit spezieller Nahrung wieder zu Kräften kommen.

Personen, die ebenfalls unter dem Hunger litten, deren Gesundheitszustand aber noch eine eigenständige Nahrungsaufnahme zuließ, wurden mit hochkalorischen Nahrungsmitteln versorgt. Schwangere und stillende Frauen erhielten gezielte Schulungen, um ihnen Wissen über die Nährstoffe der einzelnen Nahrungsmittel näher zu bringen und um ihnen aufzuzeigen, wie sie mit lokal erhältlichen Lebensmitteln ausgewogen kochen konnten.

Nachdem im Sommer des vergangenen Jahres die Länder am Horn von Afrika in den medialen Fokus gerückt waren und dies den ohnehin bereits alarmierten Hilfsorganisationen die Maßnahmen gegen den Hunger erleichterten, droht nun erneut eine Katastrophe schrecklichen Ausmaßes in den Ländern der Sahelzone, in die unter anderem der Sudan, Tschad, Mali, Mauretanien und eben auch Teile von Niger fallen.

Die Menschen in Niger sind ohnehin noch von der vorangegangenen Dürre und der Hungersnot geschwächt - körperlich wie auch wirtschaftlich. Viele Familien konnten nach dem Verlust ihres Viehs kein neues erwerben. Ausbleibende Niederschläge ließen das wenig Angebaute nicht gedeihen. Heuschreckenplagen suchten darüber hinaus die Bevölkerung Nigers heim und als ob das noch nicht genug wäre, sind die Getreidepreise ins beinahe unermesslich Hohe gestiegen.

Dies alles alarmiert sowohl die nigrische Regierung als auch Helfer, die in dem westafrikanischen Land bereits tätig sind. Nach Angaben der lokalen Behörden stieg die Zahl der Menschen, die von leichter Mangelernährung betroffen waren, von November bis Dezember 2011 bereits um 40 Prozent an.

Die medizinische Fachkraft Stephanie Mühlbauer beim Wiegen eines Kindes. Die Prozedur gefällt den Kleinen nicht, ist aber überlebenswichtig. Foto: humedica

Analysen von FEWS NET (Famine Early Warning System Network) prognostizieren für die beiden ersten Quartale des aktuellen Jahres gar eine Verschärfung der Situation und eine Zuspitzung des Versorgungsengpasses, so dass mehr als die Hälfte der in Niger lebenden Kinder, Frauen und Männer von diesen Engpässen betroffen sein werden.

Bereits zum jetzigen Zeitpunkt ist nach Angaben von UN OCHA die Nahrungsmittelversorgung für ein Drittel der nigrischen Bevölkerung unsicher. Das sind 5,4 Millionen Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind und sein werden. Bei 1,3 Millionen Kindern und Erwachsenen sei bereits von einer schweren Mangelernährung auszugehen.

humedica reagiert

Für die Mitarbeiter unserer Klinik in Kollo und in den Gesundheitsstationen, die in ländlichen Gebieten für zahlreiche Menschen den einzigen medizinischen Anlaufpunkt darstellen, bedeuten diese alarmierenden Entwicklungen erhöhte Aufmerksamkeit und Fürsorge gegenüber den Personen in dem Einzugsbereich.

In den Dörfern wurden die Betreuungsmaßnahmen für die Patienten bereits intensiviert. Personen, die eine ungewöhnlich lange Zeitspanne nicht in der humedica-Klinik oder in einer der insgesamt 22 Gesundheitsstationen vorstellig geworden sind, werden aktiv aufgesucht und auf ihren Gesundheitszustand untersucht. Unterernährte Patienten prägten hierbei immer stärker das Bild, berichten die humedica-Helfer in Kollo.

Durch die Erfahrungen in anderen Hungergebieten allgemein und in Niger im Speziellen, ist humedica auf das Eintreten einer derartigen humanitären Katastrophe vorbereitet und gewillt, ihr entgegenzutreten. Allerdings können wir diese Aufgabe nur mit Ihrer Unterstützung bewältigen.

Bitte helfen Sie uns mit einer gezielten Spende bei unseren Maßnahmen im Westen Afrikas. Lassen Sie uns auch dort gemeinsam helfen, wo sich die Katastrophe im Stillen anbahnt und ohne unsere Aufmerksamkeit unbemerkt um sich greifen wird. Lassen Sie uns gemeinsam an der Seite der Millionen Kinder, Frauen und Männer stehen. Vielen Dank!

      humedica e. V.
      Stichwort „Klinik Kollo
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Vielen Dank! Foto: humedica/ Enoxi Sureka

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