Bereits eine erfolgreiche Operation macht den Tag bedeutend

von Katja Völkl/RBU, 15.03.2012

Bei der medizinischen Nothilfe der humedica-Teams geht es stets darum, schnellstmöglich einer großen Anzahl an Verletzten die notwendige, teils lebensrettende Behandlung zukommen zu lassen. Patienten wie Yvette, von der unsere Medienkoordinatorin Katja Völkl aus Makelekele in Brazzaville berichtet, stehen beispielhaft für die vielen Menschen, denen humedica hilft.

„Mit einem Kleinbus fahren wir durch ein von Soldaten bewachtes Tor. Einige werfen uns skeptische Blicke zu. Doch als dem medizinischen Personal am Eingang klar wird, dass wir ein Ärzteteam sind und helfen wollen, werden wir freudig und dankbar begrüßt.

Unter anderem mit Prof. Dr. Dr. Bernd Domres und Dr. Philipp Fischer sind erfahrene Katastrophenmediziner im Kongo. Foto: humedica/Katja Völkl

Ein kongolesischer Arzt in grüner OP-Kleidung führt uns durch die schmalen Gänge. Ein Übelkeit erregender Geruch schlägt uns entgegen. Es riecht nach getrocknetem Blut, Schweiß und Exkrementen. Hinzu kommen die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit, die das Gefühl hervorrufen, in einer Waschküche zu stehen.

In den Krankenzimmern liegen zwischen sechs und acht Patienten, Männer und Frauen gemischt, unterschiedlichen Alters. Matratzenauflagen mit großflächigem Blümchenmuster sind dabei. In manchen Betten liegen auch zwei Personen. Einige aufgestellte Ventilatoren sollen Erleichterung gegen die Hitze bringen.

Wir blicken in müde, traurige und zum Teil hoffnungslose Gesichter. Als wir von Bett zu Bett gehen und den Patienten die Hand geben, lächeln sie jedoch. Ein Mann hat neben seinem verbundenen amputierten Beinstumpf eine alte abgegriffene Bibel auf dem Bett liegen.

Der kongolesische Arzt führt uns an das Bett einer Frau. Beide Beine sind mit einem Verband umwickelt. Ihr Name ist Yvette. Sie befand sich in einer Garage, als sich die Explosion ereignete. Jetzt hat sie Verbrennungen dritten Grades an beiden Beinen.

Das ist ein Fall für Prof. Dr. Dr. Bernd Domres aus Tübingen. Er ist Spezialist für Brandwunden und hat besonderes Material dabei. Wir fragen sie, ob sie einverstanden ist, dass wir sie operieren. Nach einigem Zögern fasst sie schließlich Vertrauen und willigt ein.

Die Operation findet am nächsten Tag statt. Diesmal ist der Geruch anders. Neben dem undefinierbaren Gestank rieche ich Putz- und Desinfektionsmittel. Überall, sowohl draußen auf dem Parkplatz als auch im Krankenhausgebäude selbst, putzen, fegen und wischen Menschen den Boden.

Verbrennungen dritten Grades sind so schwerwiegend, dass Schädigungen und Zerstörungen bis an die Nerven heranreichen. Foto: humedica/Katja Völkl

Wir werden herzlich vom afrikanischen Ärzteteam begrüßt, die uns ja inzwischen kennen. Die Patientin Yvette wird für die OP vorbereitet. Das dauert allerdings eine ganze Weile und uns bleibt nichts anderes übrig, als zu warten. Mehr als eine Stunde. In einem Zimmer mit defekter Klimaanlage. Neben dem Schreibtisch stehen zwei Paar Schuhe: blank geputzte schwarze Armeestiefel und ehemals weiße, jetzt mit Blut bespritzte Schlappen. Hinter der Tür liegt eine platt getretene Kakerlake.

Schließlich schlüpfen wir in sterile OP-Kleidung und ich habe sofort das Gefühl, einen Hitzschlag zu bekommen. Wir kommen in einen recht großen Operations-Saal. Außer der alten OP-Lampe lässt eigentlich nichts in diesem spärlich eingerichteten Raum darauf schließen, dass hier Menschen operiert werden. Zudem ist die Lampe defekt. Dann muss es wohl eben so gehen.

Yvette liegt bereits auf dem Behandlungstisch. Dr. Fischer, der schon mehrfach mit humedica in Krisengebieten tätig war, geht zu seiner Patientin und spricht ihr Mut zu. Wieder warten wir eine ganze Weile, bis wir Haarnetze, Mundschutz, Handschuhe und OP-Besteck haben. Schließlich gesellt sich auch das afrikanische Ärzteteam zu uns. Der Anästhesist nimmt eine lokale Betäubung bei Yvette vor.

Als die Narkose wirkt, entfernen wir den Verband am rechten Bein. Zum Vorschein kommt eine schreckliche Verbrennung.

Professor Domres und Dr. Fischer beginnen damit, die verbrannte Haut zu entfernen. Ein Anblick, der gerade für mich als Nichtmedizinerin sehr unangenehm und erschreckend ist. Die afrikanischen Ärzte schauen interessiert zu, reichen OP-Besteck und Tupfer an und man merkt, wie interessiert sie an dem Vorgehen der deutschen Ärzte sind.

Nach einer ganzen Weile ist die Wunde vom zerstörten Gewebe gereinigt. Sie wird desinfiziert und dann wird die neue künstliche Haut Stück für Stück aufgetragen. Die künstliche Haut sieht ein wenig aus wie ein ganz dünnes Taschentuch. Als die Wunde komplett abgedeckt ist, verbindet Dr. Fischer sie sorgfältig. Die Operation ist geschafft und gut verlaufen.

Yvette steht für die vielen Menschen, denen humedica helfen konnte und für jene, denen noch zu helfen ist. Foto: humedica/Katja Völkl

Am nächsten Morgen besuchen wir Yvette. Es geht ihr den Umständen entsprechend gut. Die Ärzte sind zufrieden. Es war ein erfolgreicher Eingriff. Und somit ein erfolgreicher und bedeutender Tag.“

Yvette ist eine der geschätzten 2.000 Menschen, die durch die Explosionsserie in Brazzaville schwer verletzt wurden. Dank des humedica-Teams erfuhr sie eine adäquate Behandlung ihrer akuten Verbrennungen. Dank Ihrer Hilfe, liebe Freunde und Förderer, können die entsendeten Experten Yvette und den anderen helfen.

Bitte unterstützen Sie uns auch weiterhin mit einer gezielten Spende bei den Maßnahmen in der Republik Kongo. Vielen Dank.

      humedica e. V.
      Stichwort „Katastrophe Kongo
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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