„Ich hatte eine ganz schlimme Gänsehaut!“

Eine Rundfahrt durch das Epizentrum

von Stefanie Huisgen, 10.08.2012

Schwere Erdbeben erschütterten im Mai und Juni 2012 die italienische Region Emilia-Romagna. Die Erdstöße forderten 24 Todesopfer und 400 Verletzte; 14.000 Menschen verloren ihr Obdach und wurden in Sporthallen und Zeltunterkünften untergebracht. Zahlreiche Gebäude wurden durch die Erschütterungen entweder zerstört oder stark beschädigt und sind nun einsturzgefährdet.

San Venanzio ist ein Ort im Umkreis des Epizentrums. In dem 5.000-Einwohner-Dorf sind mehrere öffentliche Gebäude durch die Erdbeben so stark beschädigt worden, dass sie nicht mehr betreten werden dürfen. Bei einem Besuch in der betroffenen Region Anfang August 2012 haben sich humedica-Geschäftsführer Wolfgang Groß sowie Stefanie Huisgen (Abteilung Öffentlichkeitsarbeit) selbst ein Bild von der Lage gemacht.

Tiefe Risse durchziehen die Wände der beschädigten Gebäude; sowohl Rathaus, Kirche, Schule als auch der katholische Kindergarten in San Venanzio sind akut einsturzgefährdet. Die Bürgermeisterin des Ortes, Frau Teresa Vergnana, und deren Mitarbeiter, müssen ihre Beratungen derzeit in aufgestellten Containern vornehmen. Der Schulunterricht soll nach den Sommerferien zunächst in Zelten erfolgen; für die nahende kalte Jahreszeit wird nach einer Alternative gesucht.

Zerstörte Gebäude, leere Straßen und eine beklemmende Stille

Bei einer Rundfahrt durch einige Ortschaften im Epizentrum (Sant’ Agostino, Poggio Renatico, San Carlo, San Venanzio) waren die Schäden an den Gebäuden teilweise deutlich sichtbar; einige Straßen waren aus Sicherheitsgründen gesperrt. Neben öffentlichen Gebäuden sind durch das Erdbeben zahlreiche Fabrikhallen zum Einsturz gebracht worden, wodurch die meisten Menschen zu Tode kamen. Bis heute leben 8.000 Betroffene in provisorisch eingerichteten Unterkünften, die allerdings nur bis September zur Verfügung stehen. Wo die Menschen danach untergebracht werden sollen, ist noch nicht geklärt.

Wenngleich die starken Beben schon mehr als zwei Monate zurückliegen, ist doch eine gewisse Beklemmung unter den Einwohnern spürbar. Die Menschen scheinen gelähmt von der stetigen Angst vor weiteren Beben, die ihre Not nur noch vergrößern und weitere Schäden anrichten. Von der ehemaligen Lebendigkeit des Ortes fehlt jede Spur.

„Der Ort scheint seelenlos“, bestätigt auch Michele Oliveri, unter anderem bekannt als Darsteller in der ARD-Serie „Sturm der Liebe“. Der gebürtige Italiener ist in San Venanzio groß geworden und weiß, wie seinen Verwandten und Freunden zumute ist. humedica möchte nun den Aufbau eines Kindergartens im Heimatort des Schauspielers unterstützen. Die Einrichtung hatte Michele Oliveri bereits selbst als kleiner Junge besucht, wie schon einige Familienmitglieder vor ihm.

Um die Eröffnung des staatlich anerkannten Kindergartens rankt sich eine interessante Geschichte: Die Frauen des Dorfes wussten früher nicht, wohin sie ihre kleinen Mädchen und Jungen zur Aufsicht geben sollten, während sie auf den Feldern arbeiteten. Daher bereiteten sie eine Weinsuppe zu, um die Kleinen ruhig zu stellen und ungestört ihre Feldarbeit verrichten zu können. Verständlicherweise war dies keine Maßnahme, die toleriert werden konnte. Schließlich entschloss sich eine der Frauen dazu, eine Einrichtung zu gründen, wo die Kinder tagsüber beaufsichtigt und betreut werden konnten - den nun einsturzgefährdeten Kindergarten.

Bei seinem jüngsten Besuch in San Venanzio hat Michele Oliveri einige Mädchen und Jungen gefragt, wie sie die Erdbeben erlebt haben. Ein Mädchen verriet: „Ich hatte eine ganz schlimme Gänsehaut!“ Foto: Bea Schulz

Der Tag, an dem alles wackelte

Derzeit sind Ferien und Kinder und Eltern versuchen, sich von den traumatischen Geschehnissen des Frühjahrs zu erholen. Während des Besuches der kleinen humedica-Delegation und Michele Oliveri in San Venanzio hatte der Schauspieler Gelegenheit, sich mit einigen Kindergartenkindern über ihre Erlebnisse zu unterhalten. Bei einem kleinen Jungen saß der Schrecken noch so tief, dass er nicht darüber sprechen wollte. Seine Spielkameraden beschrieben hingegen, wie sie die Erschütterungen erlebt haben und dass sie Angst hatten.

„Ich hatte eine ganz schlimme Gänsehaut!“, erzählte ein kleines Mädchen. „Aber dann hat mich meine Mama in den Arm genommen. Den Tag werde ich nicht vergessen.“ Auf die Frage, wie sich das Beben angefühlt habe, brachten die Kleinen den Tisch zum Wackeln. „Eigentlich müssten die Stühle aber auch noch wackeln. Es hat einfach alles gewackelt“, erklärte ein kleiner Junge.

Seit den schweren Beben des Frühjahrs gehört die Emilia-Romagna zu den Gebieten mit dem höchsten Erdbebenrisiko in Italien. Sämtliche Gebäude, die neu errichtet werden, müssen nun einer erdbebensicheren Bauweise entsprechen - ein Aspekt, der die ohnehin angespannte finanzielle Lage der Region zusätzlich verschärft.

Selbst die katholische Kirche verfügt nicht über die nötigen finanziellen Mittel, um ihre baufälligen Gotteshäuser neu zu errichten. Die Kosten hierfür müssen von der Regierung übernommen werden. Umso dringlicher erscheint es, den Wiederaufbau des Kindergartens privat in die Hand zu nehmen.

Für dieses Unterfangen bittet humedica seine Freunde und Förderer dringend um Unterstützung. Insbesondere in Anbetracht des nahenden Winters ist schnelles Handeln gefragt. Noch ist unklar, wo die Kinder nach den Sommerferien betreut werden können. Möglicherweise müssen Container für den Übergang aufgebaut werden - langfristig sollte aber der Wiederaufbau des Kindergartens im Fokus stehen.

      humedica e. V.
      Stichwort „Erdbebenhilfe Italien
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

      SWIFT-Code: BYLA DE M1 KFB
      IBAN: DE35734500000000004747

Bitte tragen Sie mit einer gezielten Spende für unser Wiederaufbauprojekt dazu bei, dass die kleinen Sprösslinge in Zukunft in einem stabilen Gebäude betreut werden können. Einem Gebäude, das den Kindern die verlorene Sicherheit zurückgibt und ihre traumatischen Erinnerungen an das Erlebte verblassen lässt. Herzlichen Dank!

Die Kindergartenkinder in San Venanzio brauchen Ihre Unterstützung! Bitte helfen Sie, damit unsere kleinen Mitmenschen einen erdbebensicheren Kindergarten bekommen - und zukünftige Beben keine Schäden mehr anrichten können. Vielen Dank. Foto: Bea Schulz

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