“Ich glaube, jetzt ist das Erdbeben gefühlsmäßig wirklich bei uns angekommen”

humedica-Koordinatorin Margret Müller berichtet aus dem Epizentrum

von Margret Müller, 24.08.2012

“Wir sind im Epizentrum angekommen. Goredarag liegt zwischen zwei Bergen, von denen einer während der Erdbeben brach. Beim Gang durch das Dorf sprechen wir darüber, wie gut es manchmal ist, erst nach dem Einsatz das Gesehene so richtig zu verarbeiten. Sonst wären wir wohl nicht in der Lage gewesen, heute zu arbeiten.

Von dem Dorf ist nichts geblieben. Es sieht so aus, als sei es einfach in Sand zerbröselt. Mit etwas Holz dazwischen. Die Wasserleitungen sind verdreckt, sanitäre Anlagen rudimentärst, die Hygiene zum Weglaufen. Die Betroffenen leben in Zelten oder unter Planen. Die Kleider an ihrem Leib sind das einzige, was sie noch besitzen. Um sich zu waschen oder die Kleidung zu wechseln fehlen ihnen die Möglichkeiten.

Viele der Patienten, die zu uns kommen, waren unter ihren eigenen Häusern begraben. Einige bis zu einem Tag lang. Sie haben offene Wunden, Prellungen, Hämatome, Verbrennungen und sehr starke Schmerzen.

Den Dorfbewohnern ist nicht Vieles geblieben. Sie haben ihre Familienmitglieder, Freunde, ihr Geld, Felder und Herden verloren. Und nicht selten auch ihre Zuversicht. Dafür leben sie in ständiger Angst vor dem nächsten Beben.

Izhaki Ifzi trägt noch dieselben Kleider wie am Tag des Bebens. Ich bin nicht sicher ob er das realisiert. Oder ob auch ihm keine Wechselkleidung geblieben ist oder sich schlicht niemand um das Waschen seiner Kleidung kümmert.

Gebrochen sitzt er bei uns und erzählt von dem Tod seiner Ehefrau beim Erdbeben. Und von der unendlichen Einsamkeit, die sich ihm nun auftut. Die Kinder haben das Dorf vor Langem verlassen. Er hat nichts mehr. Keine Frau, keine Familie, kein Haus, keine Kleidung. Keine Hoffnung.

Wir weinen mit ihm und können doch so gar nichts tun, außer eben mit ihm zu trauern und zu reden. Ich glaube, in dem Moment ist das Erdbeben, soweit es retrospektiv geht, wirklich bei uns angekommen.”

Neben seiner Kleidung ist es auch die Sonnenbrille, die Izhaki Ifzi ständig trägt. Er möchte nicht, dass jeder seine Tränen sehen kann. Helfen Sie uns bitte auch weiterhin, den Betroffenen im Iran helfen zu können. Gemeinsam können wir Viel erreichen.

      humedica e. V.
      Stichwort “Erdbebenhilfe Iran
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

      SWIFT-Code: BYLA DE M1 KFB
      IBAN: DE35734500000000004747

Auch mit einer kleinen sms für Menschen in Not Großes erreichen: Stichwort DOC an die 8 11 90 senden und von den abgebuchten 5 Euro gehen 4,83 Euro in die humedica-Projektarbeit. Vielen Dank!

Unser Dank gilt an dieser Stelle auch dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland für die finanzielle Unterstützung. Außerdem allen Beteiligten, die humedica bei diesem Einsatz tatkräftig unterstützen.

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