Beeindruckt von dem Lebensmut

von Christiane Scheffe/RBU, 30.03.2012

Im Mai vergangenen Jahres absolvierte sie das Training für Mediziner bei humedica. Weniger als ein Jahr danach flog sie nach Äthiopien, um mit ihrem Wissen und Können in einem Flüchtlingslager zu helfen. Christiane Scheffe arbeitet eigentlich im baden-württembergischen Karlsbad als Pflegekraft. Was sie nun in Melkadida erlebte, prägt auch ihren Alltag zurück in Deutschland.

Anstatt Angst zu haben vor den fremden Helfern, legen bereits die jüngsten der Flüchtlinge eine einladende Freundlichkeit an den Tag. Foto: humedica/Christiane Scheffe

„Die Menschen im Flüchtlingslager Melkadida haben ein schweres Leben. Aufgrund der Dürrekatastrophe sind sie aus ihrer Heimat Somalia nach Äthiopien geflohen und nun auf Hilfe angewiesen. Sie besitzen nicht viel, leben in einfachen Zelten und sind auf die Verteilung von Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern angewiesen.

Das tägliche Leben unter den einfachsten Bedingungen in dem Wüstenstaub erfordert zum Teil harte körperliche Arbeit. Die Flüchtlinge schleppen Wasser in Kanistern zu ihren Zelten und suchen in der gesamten Umgebung nach Holz, um kochen zu können. Bis zu zwölf Kinder versorgen zu müssen ist keine Seltenheit und traditionell verankert.

Die Sonne in Äthiopien brennt heiß vom Himmel, und immer wenn wir durch das Flüchtlingslager zum humedica-Gesundheitsposten zu unserer Sprechstunde fahren, winken die Kinder uns zu, rufen wie in einem Chor die Begrüßung „Salamne“ und freuen sich, wenn wir zurückwinken.

Welch eine Freude die Kinder trotz ihres einfachen Lebens haben können. Ich muss darüber ehrlich staunen. Ihre Fröhlichkeit steckt auch mich an und ich schaue stets voller Vorfreude auf die nächste Fahrt mit den winkenden Kindern. Selbst jetzt, wo ich wieder zurück in Deutschland bin, höre ich den beinahe gesungenen „Begrüßungschor“ der Kinder noch in meinem Ohr.

Eines Tages kam ein Mädchen mit ihrem Vater zu uns in den Gesundheitsposten. Bereits von Weitem sah ich ihre geschwollene, sicher sehr schmerzende Hand. Zuerst führten wir ein Handbad durch, um die einzelnen Finger von Schmutz zu befreien. Sofort sahen wir das Übel: zwischen den Fingern hatten sich im Gewebe Eiteransammlungen gebildet.

Bei jeder einzelnen der schmerzhaften Behandlungen war der Vater an der Seite seiner kleinen Tochter. Bei jeder Behandlung zeigten sie ihren Lebensmut. Foto: humedica/Christiane Scheffe

Während der Arzt den Abszess öffnete, sprach der Vater ununterbrochen mit seiner kleinen Tochter, erklärte ihr unser Vorgehen, ertrug mit ihr gemeinsam die Schmerzen, versuchte sie zu beruhigen, machte ihr Mut und hielt sie fest. Eine liebevolle Beziehung inmitten des Flüchtlingslagers, inmitten der Armut und Not.

Ich durfte das Mädchen dann noch einige Tage weiter behandeln und zusehen, wie die Entzündungen zurückgingen und die Hand langsam abschwoll und die kleinen Finger wieder dünner wurden.

Das Mädchen und ihr Vater haben mich sehr beeindruckt! Der Vater hat seine Tochter bei der schmerzhaften Behandlung so gut unterstützt und liebevoll begleitet. Es war mir immer eine besondere Freude, sie in unserer Gesundheitsstation wieder zu sehen.

Zu jeder Behandlung erschienen sie erneut mit einem strahlenden und freundlichen Gesicht. Trotz ihrer Schmerzen und der Angst vor den quälenden Öffnungen der Abszesse hat mich das Mädchen am Ende jeder Wundversorgung angelächelt, mir die Hand gegeben und mich an meinem letzten Tag mit einem Kuss verabschiedet. Eine echt beeindruckende Erfahrung.

Es ist sehr schön, dass wir als humedica-Team den somalischen Flüchtlingen Hilfe anbieten und sie behandeln konnten. Sie hätten sonst zusätzlich zu ihrem Leid auch fast keine medizinische Versorgung. Das gibt mir die Bestätigung und Gewissheit, wie sehr sich so ein medizinisch-humanitärer Einsatz lohnt.

Ich bin beeindruckt, wie die Menschen unter diesen schweren Verhältnissen und einfachen Bedingungen ihr Leben meistern. Viele Erlebnisse und Eindrücke werden mich in Deutschland weiter begleiten.

Herzliche Grüße,

Ihre Christiane Scheffe“

Die Motivation unserer Einsatzkräfte für ihr Engagement steckt in der Hilfe für unverschuldet in Not geratene Menschen. Dass humedica-Helfer wie Christiane Scheffe bei ihrer Arbeit tief beeindruckt und bewegt ihren Heimweg antreten, ist keine Seltenheit und steigert vielmehr den Wunsch danach, auch bei der nächsten Möglichkeit wieder Nächstenliebe in Aktion zu leben.

Im Gesundheitsposten können täglich zahlreiche Beschwerden wie die des kleinen Mädchens behandelt und behoben werden. Foto: humedica/Sven Ramones

Bitte unterstützen auch Sie uns im Rahmen Ihrer Möglichkeit mit einer gezielten Spende für die Hungerhilfe am Horn von Afrika. Vielen Dank.

      humedica e. V.
      Stichwort „Hungerhilfe Afrika
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Auch mit einer kleinen sms können Sie Großes bewirken: Stichwort DOC an die 8 11 90 senden und von den abgebuchten 5 Euro gehen 4,83 Euro unmittelbar in die humedica-Projektarbeit.

Ihr Browser ist veraltet!

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um diese Website korrekt darzustellen.

Den Browser jetzt aktualisieren×