Ethische Herausforderungen bei humanitärer Hilfeleistung im Einsatz

Interview mit Ursula Miller

von Ursula Miller, Damaris Walter, 02.11.2012

Am 12. und 13. Oktober 2012 fanden sich viele humanitäre Organisationen, Stiftungen, Studenten und andere Interessierte und Involvierte zum bereits vierzehnten Humanitären Kongress in Berlin ein. Die zweitägige Vortragsreihe stand diesmal ganz im Zeichen der ethischen „Do’s & Don’ts“ bei humanitären Hilfseinsätzen.

Auch humedica war mit einem Infostand und mehreren Mitarbeitern der Hauptzentrale in Berlin vertreten, wie etwa mit Ursula Miller. Sie hat selbst umfängliche Erfahrung im Feld als Einsatzkraft und als verantwortliche Projektbetreuerin auch am Schreibtisch in Deutschland. Im Folgenden steht sie Rede und Antwort:

Was sind typische Situationen für ethische Herausforderungen im Einsatz? Liegen die Entscheidungsgrundlagen letzten Endes im emotionalen oder rationalen Bereich?

Die ethischen Herausforderungen bei unserer Arbeit können sehr vielfältig sein. Die Herausforderungen entstehen beispielsweise dadurch, dass es in Katastrophensituationen einen enormen Hilfsbedarf gibt, den man als einzelne Organisation nicht decken kann. Vor allem in der akuten Phase muss man aber schnell entscheiden, wem man mit welchen Mitteln hilft. Dies mag nicht immer gerecht erscheinen.

Schwierig ist oft auch die Kooperation mit Behörden, die nicht immer die gleichen humanitären Ziele haben, wie Hilfsorganisationen. Das gilt insbesondere für Staaten, die keine oder schwache demokratische Strukturen aufweisen. Man ist auf die Zusammenarbeit angewiesen, um Projekte realisieren zu können, gleichzeitig müssen wir uns aber jedes Mal gut überlegen, wie weit wir uns auf die Forderungen der Behörden einlassen ohne unsere Unabhängigkeit zu gefährden. Hierbei hilft es, sich immer wieder das eigene Ziel vor Augen zu führen. Das heißt, die Situation von Menschen, die von Katastrophen betroffen sind, zu verbessern.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte wurden während des Humanitären Kongresses zum Thema gesetzt?

Wie gesagt, ging es um ethische Dilemmata, die bei der humanitären Arbeit auftreten können. Der Kongress behandelte dabei eine Vielzahl von Aspekten, angefangen bei Patienten- und Persönlichkeitsrechten, über Sicherheit von Einsatzpersonal, bis hin zu der Frage, ob humanitäre Hilfe unter Umständen ungewollt dazu beiträgt, Kriege zu verlängern.

Welchen Erkenntnisgewinn hattest Du in Berlin?

Für mich ist erneut klar geworden, dass die humanitäre Arbeit so komplex ist, dass man nie aufhören darf, die eigenen Ansätze und Handlungen in Frage zu stellen und zu überprüfen, welche Wirkungen unsere Aktivitäten haben. Die Welt ist in ständigem Wandel und jede Katastrophensituation ist anders. Ich denke hier ist es wichtig, Systeme zu entwickeln, die uns eine noch genauere Beobachtung ermöglichen, was wir mit unseren Projekten verändern können.

Wie ist grundsätzlich das Zusammentreffen mit hunderten anderen humanitären Helfern von anderen, zum Teil ausländischen Organisationen?

Ich empfinde es immer als bereichernd, andere Erfahrungen aufzunehmen. Das verändert den Blick auf die eigene Arbeit und verhindert, dass man „im eigenen Saft schmort“. Interessant am humanitären Kongress in Berlin finde ich auch die bunte Mischung des Publikums: es gibt viele Studenten, aber gleichzeitig auch eine Reihe von Menschen, die seit Jahrzehnten in verschiedenen Krisengebieten der Welt arbeiten.

Warum ist diese Form des Austauschs Deiner Meinung nach wichtig?

Es ist immer wieder wichtig, sich Input von anderen Akteuren zu holen. Beim Humanitären Kongress sind ja nicht nur andere Hilfsorganisationen vertreten, sondern auch Wissenschaftler oder Mitarbeiter staatlicher Stellen. Gleichzeitig ist es natürlich auch eine Chance für humedica, sich bekannt zu machen. Viele Teilnehmer beim Kongress sind auch neu im humanitären Feld und suchen nach Organisationen, bei denen man aktiv werden kann. So sind unsere Trainingsankündigungen auf großes Interesse gestoßen.

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