„Ihnen fehlte der Antrieb, am Leben zu sein“

von Ruth Bücker

Selbst ich, der schon so viel gesehen hat, war sehr bewegt von der Situation, die wir vorgefunden haben.“ Prof. Dr. Heiner Laube verbrachte Weihnachten und Silvester auf der philippinischen Insel Mindanao, wo wenige Tage vor seiner Ankunft ein schwerer Wirbelsturm gewütet hatte. Inzwischen ist er wohlbehalten zurückgekehrt.

Eine riesige Zerstörung, wie er sie sich vorher nicht hätte vorstellen können, überwältigte selbst den erfahrenen Katastrophenmediziner Prof. Dr. Heiner Laube. Foto: humedica/Margret Müller

Das Elend der Menschen zu sehen, ihr Leid und die Zerstörung, seien ihm sehr unter die Haut gegangen, berichtet der Gießener Arzt. „Aber genau aus diesem Grund sind wir ja auf die Philippinen gereist und haben geholfen.

Eine 20 bis 30 Meter hohe Flutwelle hatte am stärksten die Stadt Iligan getroffen. Der aus den Gebirgshöhen kommende Fluss hatte durch die übermäßig starken Monsunregenfälle an Wasser zu-, und Geschwindigkeit aufgenommen, Bananenpflanzen und Baumstämme entwurzelt und talabwärts in die Stadt mitgerissen.

Da war nichts mehr übrig“, schildert Prof. Dr. Heiner Laube die Lage. Durch diese Schlammlawinen abgeschnittene Ortschaften konnte das humedica-Team nur dank der kostenlosen Nutzungsmöglichkeit eines Militärhelikopters erreichen. „Wo Tage vorher noch die Kinder gespielt und ein normales Leben stattgefunden haben muss, war jetzt nichts mehr. Wir liefen da lang und es kam uns vor wie ein Friedhof.

Teilweise sah man noch einzelne Trümmer aus dem Schlamm ragen, der bis zu einem halben Meter hoch alles überdeckte. Aber die meisten der Häuser waren komplett zerstört worden. Dass wir dort waren und helfen konnten, war sehr gut.“

Der Großteil der Patienten waren Kinder, die vom Spielen in dem verdreckten Wasser, das nicht im Erdboden versickerte, Hauterkrankungen erlitten hatten. Nicht wenige der betroffenen Menschen, die in provisorischen Auffanglagern untergekommen waren, hätten stumpf vor sich hingestarrt, erinnert sich Laube.

Sie hatten nach dieser schrecklichen Erfahrung keinerlei Antrieb mehr. Saßen nur da mit den anderen 100 Betroffenen, die in etwa pro Klassenzimmer untergebracht waren. Wenn wir sie mit Hilfe unseres Übersetzers ansprachen, brach diese Fassade allerdings schnell auf und sie erzählten uns ihre ganze Geschichte und von dem Verlust von geliebten Menschen, mit dem fast jeder Überlebende zu kämpfen hatte.“

"Obwohl ich schon alt bin, wachse ich mit allem, was ich sehe und erlebe." Foto: humedica/Sven Ramones

Ihnen fehlte nach dieser verheerenden Katastrophe der Antrieb, am Leben zu sein und zu bleiben, erzählt der erfahrene Katastrophenmediziner nachdenklich.

Dagegen ließen jede Behandlung, jedes Gespräch und insbesondere jedes einzelne Lachen eines Kindes die Situation besser ertragen. „Obwohl ich alt bin, wachse ich mit allem, was ich sehe und erlebe. Ich wachse mit jeder Begegnung mit anderen Menschen und mit jedem Gespräch.

Die medizinische Not- und Katastrophenhilfe auf der Insel Mindanao ist inzwischen abgeschlossen, da nicht zerstörte Krankenhäuser die medizinische Versorgung wieder alleine bewältigen können. Mit dem lokalen Partner werden Gespräche geführt und geplant, ob und inwieweit humedica Hilfe bei dem Wiederaufbau leisten wird.

Auf der philippinischen Hauptinsel Luzon hingegen gehen die Behandlungen weiter und humedica entsendete Anfang Januar ein weiteres Team zur Unterstützung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung.

Bitte unterstützen Sie uns bei dieser breit angelegten Hilfe im Norden und Süden der Philippinen mit einer gezielten Spende. Vielen Dank!

      humedica e. V.
      Stichwort „Fluthilfe Asien
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Schneller, aber nicht weniger sicher ist auch im Jahr 2012 die Möglichkeit der Unterstützung durch das Senden einer sms: Stichwort DOC an die 8 11 90 und von den abgebuchten 5 Euro gehen 4,83 Euro direkt in die humedica-Projektarbeit.

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