Frohes neues Jahr?

von Margret Müller/RBU, 26.01.2012

Zurück in Deutschland, aber mit den Gedanken immer noch bei den Menschen im Einsatzland. Vielen der ehrenamtlichen humedica-Einsatzkräfte geht es nach Beendigung ihres Hilfseinsatzes so. Auch Margret Müller, die nach Wirbelsturm „Washi“ über Weihnachten und Silvester auf der philippinischen Insel Mindanao tätig war, bewegen die Gedanken um das Geschehene noch immer.

Zunächst war Margret Müller im Herbst auf der Hauptinsel Luzon tätig. Im Dezember dann nochmals auf Mindanao. Foto: humedica

„„Merry Christmas“, riefen mir die Menschen zu, wohin wir auch kamen. Einige von ihnen saßen im Kreis neben dem Schutthaufen, der einmal ihr Haus gewesen war. Andere kauerten auf den Trümmern ihrer Leben unter Folien, die sie vor leichtem Regen schützen sollten.

Frohe Weihnachten? Mitten im Katastrophengebiet? Abgesehen davon, dass die Wärme und Feuchtigkeit für mich nicht für das gewohnte Weihnachten standen, machte mir das Wissen darum, wie viel Elend die Flut- und Schlammwellen zahlreichen Familien gebracht hatten, ein aufkommendes Weihnachtsgefühl nicht möglich. So viele Menschen hatten ihre Familienmitglieder und Freunde verloren. Was also feiern?

Oft wollte ich mich hinter meiner Kamera verstecken - hätte sie doch die Bilder in sich aufnehmen und verarbeiten sollen, die mir manchmal zu hart waren. Wo standen dort nur all die Häuser, die es gegeben haben muss? Wer hat dort gespielt? Wessen wenige Habseligkeiten wurden dort begraben?

Wie lange kann man sich unter einer Straße an den gebrochenen Rohren waschen, neben der stehenden Kloake leben? Wohin mit dem Mist? Wohin mit dem Leben? Wie können die vielen Kinder in diesen Müllhalden leben?

Fragen die bewegten, aber die Notwendigkeit unserer Hilfe noch deutlicher machten. Am 31. Dezember hatten wir die Möglichkeit, gemeinsam mit dem philippinischen Militär und deren kostenlos zur Verfügung gestellten Helikoptern einen Einsatz in Rogongon durchzuführen. Diese Gegend war so stark von den Fluten betroffen, dass es keine Möglichkeit mehr gab, sie auf dem Landweg zu erreichen.

Einst standen auf dem Platz, den der kostenlos zur Nutzung bereit gestellte Helikopter als Landeplatz einsetzt, Wohnhäuser. Foto: humedica/Margret Müller

Auf dem Flug über den Urwald sahen wir deutlich das ganze Ausmaß der Katastrophe. An vielen Bergen waren wie braune Wunden die Folgen großer Bergrutsche zu sehen, deren Schlamm die Wucht der Flutwelle ausmachte. Wie eine riesige braune Narbe zog sich das zu beiden Seiten stark verbreiterte Flussbett durch die Landschaft. Links und rechts des eigentlichen Ufers gähnte braune Leere.

Nun war es eine kahle Ebene, von Häusern war nichts mehr zu sehen. Die Menschen kamen innerhalb kürzester Zeit zu unserer humedica-Klinik und wir konnten ihnen endlich lang verwehrt gebliebene medizinische Versorgung zukommen lassen.

Ein paar Tage später flogen wir erneut in ein bis dahin unerreichtes Gebiet und konnten ebenso wie ein paar Tage zuvor, gemeinsam mit lokalen Kräften und den von uns mitgebrachten Medikamenten weit über hundert Patienten behandeln. Das Militär setzte diese Einsätze in unerreichte Gebiete auch nach unserer Abreise fort.

Auch sonst konnten wir beobachten, wie auf den ersten Schock folgend nach und nach die medizinischen Einrichtungen auf Mindanao wieder selbst griffen und die medizinische Versorgung, die wir zeitweise unterstützt hatten, bewältigen konnten.

So waren wir in der Lage, unseren Heimweg anzutreten. Heimzureisen mit Herzen voller erschütternder, aber auch bewegender und hoffnungsvoller Eindrücke. In einem Zustand der Erschöpfung, aber auch mit großer Dankbarkeit für die Bewahrung und Unterstützung aus Deutschland und die Möglichkeit, am richtigen Ort gewesen sein zu dürfen.“

Die medizinische Nothilfe auf der südlichen Insel Mindanao ist somit zu einem erfolgreichen Ende gebracht worden. Dank Ihrer Unterstützung konnten wir diesen Einsatz überhaupt erst durchführen und geben den Dank der Betroffenen, von dem unsere Einsatzkräfte immer wieder berichteten, gerne an Sie weiter.

Mit bewegten Herzen und dem Wissen darum, dass die medizinische Versorgung auf Mindanao nun wieder von den einheimischen Medizinern bewältigt werden kann, kehrte das humedica-Team nach Deutschland zurück. Foto: humedica/Margret Müller

Fortgesetzt werden dagegen die humedica-Hilfsgüterverteilungen auf der Hauptinsel Luzon. Bitte unterstützen Sie uns hier mit einer gezielten Spende über unser Online-Formular oder mit einer Überweisung auf untenstehendes Konto. Vielen Dank!

      humedica e. V.
      Stichwort „Fluthilfe Asien
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Sicher, schnell und direkt ist auch die Möglichkeit der sms-Unterstützung: Textmitteilung mit Stichwort DOC an die 8 11 90. Von den abgebuchten 5,- Euro fließen 4,83 direkt in die humedica-Projekte.

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