Zwei Jahre der Hilfe und Hoffnung

von Ruth Bücker, 12.01.2012

Zwei Jahre sind vergangen, seitdem die Welt auf eine der schlimmsten Naturkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte blickte. Ein Erdbeben erschütterte am 12. Januar 2010 den Inselstaat Haiti und brachte Elend, Leid, Trauer und Armut über die Menschen. Die Tage, Monate und Jahre nach dem schrecklichen Erlebnis waren für die Betroffenen geprägt von Ungewissheit und Hoffnungslosigkeit.

Unter den ersten Helfern in dieser schlimmen Zeit war bereits am dritten Tag nach den alles verändernden Sekunden ein Ärzteteam von humedica in Haitis Hauptstadt und behandelte Verletzte, versorgte Knochenbrüche und Schürfwunden, führte lebensrettende Operationen durch.

Dank des Vertrauens und der zahlreichen großzügigen Spenden von Ihnen, liebe Freunde und Förderer, konnte die erste medizinische Not- und Katastrophenhilfe ausgeweitet werden und bis heute ist humedica in Haiti helfend tätig.

Von Notunterkünften zu einem sicheren Dach

Unmittelbar nach dem Erdbeben verteilte humedica knapp 3.000 so genannte Shelter-Kits zum eigenständigen Bau von ersten Notunterkünften und versorgte Betroffene mit Hilfsgütern des alltäglichen Bedarfs. Diese Hilfe zur Linderung der ersten Not wurde in den darauf folgenden zwei Jahren bis heute im wahrsten Sinne des Wortes an verschiedenen Orten ausgebaut.

Gemeinsam wurde angepackt, um etwas zu erreichen und die Situation verbessern zu können. Foto: humedica/Thomas Grabka

In Tapio konnte humedica dank einer großzügigen Spende der Firma Roma KG mit dem Wiederaufbau zweier Wohngebäude eines Waisenhauses beginnen und die Schülerinnen und Schüler mit Unterrichtsmaterialien ausstatten, sowie die Leitung des Heims bei den Betriebskosten und anderen anfallenden Ausgaben unterstützen.

Für 500 Mädchen und Jungen der angrenzenden Schule ist darüber hinaus eine Kantine im Aufbau, in der sie täglich warme und ausgewogene Mahlzeiten bekommen werden.

In Marbial entsteht ein Kindergarten, der ebenfalls eine Kantine beinhaltet und darüber hinaus einen Computer-Raum. Für die älteren Kinder initiierte und finanziert humedica den Wiederaufbau einer Schule.

Gemeinsam können wir auf diese Weise ermöglichen, dass der Weg hunderter Mädchen und Jungen mit Hoffnung gepflastert ist. Ein Weg, der ansonsten von einem Kreislauf aus Perspektivlosigkeit und Armut geprägt wäre.

Die Reparaturen einer weiteren Grundschule, die dem Erdbeben nicht standgehalten hatte und eingestürzt war, konnte humedica in Meyer unterstützen. Klassenräume und Lehrkräfte für ältere Schülerinnen und Schüler beinhaltete die Schule vor dem Erdbeben zwar nicht, aber auch dafür stellte humedica nun die finanziellen Mittel zur Verfügung, so dass der Zugang zu Bildung auch den älteren Mädchen und Jungen nicht mehr verwehrt bleibt.

Nach endgültiger Beendigung der Baumaßnahmen in den kommenden Monaten werden die jeweiligen Einweihungsfeierlichkeiten stattfinden, über die wir Sie selbstverständlich auf dem Laufenden halten werden.

Der Weg in die Arbeitswelt

Als direkte Folge des Erdbebens wurden bei mehr als 1.500 Personen ein oder mehrere Gliedmaßen amputiert. Zudem hatten etwa 10.000 Kinder und Erwachsene Bedarf an sog. Orthesen (Anmerkung: orthopädische Hilfsmittel, welche zur Unterstützung von eingeschränkt funktionstüchtigen Körperteilen und zur Korrektur von Fehlstellungen und Verletzungen dienen, wie z.B. Schienen oder Halskrausen).

Zur dauerhaften und nachhaltigen Versorgung dieser Patienten wurde schließlich nach einer längeren Bauphase die an das "Krankenhaus der Hoffnung" angegliederte Prothesen- und Orthesenwerkstatt in Port-au-Prince im Beisein Seiner Exzellenz, des Botschafters der Republik Haiti, Herrn Jean-Robert Saget, feierlich eröffnet. Als einzige Organisation legt humedica den Schwerpunkt auf Orthesen und deren Instandhaltung.

Der Anfang des Jahres 2012 war auch der Startschuss für die Ausbildung einheimischer Fachkräfte zu Orthopädietechnikern. humedica finanziert die Schulung der Auszubildenden für zweieinhalb Jahre und ermöglicht ihnen die Teilnahme an einem anerkannten Studiengang der Don Bosco University aus El Salvador, die den theoretischen Teil der Ausbildung übernimmt, während die praktische Anleitung in der humedica-Werkstatt erfolgen wird. Um gehbehinderte Patienten, die weiter entfernt von Port-au-Prince leben, betreuen zu können, verfügt das Projekt außerdem über eine mobile Werkstatt und ein dazugehöriges Allradfahrzeug.

Rückschlag durch Cholera

Im Oktober 2010, als die allgemeine Situation im Land sich zu entspannen schien, mussten die Menschen des Karibikstaates einen weiteren Rückschlag verkraften.

Mit ihrer Kernkompetenz der medizinischen Not- und Katastrophenhilfe konnten die humedica-Teams nicht nur unmittelbar nach dem Erdbeben Leben retten. Foto: humedica

Fälle von Cholera traten auf und aus den anfänglich wenigen Patienten entwickelte sich in rasantem Tempo eine Epidemie, die mehr als 7.000 Menschen das Leben kostete. Gemäß Informationen der Vereinten Nationen infizierten sich bis Anfang Januar dieses Jahres 522.335 Menschen mit dem Erreger dieser gefährlichen Erkrankung, die ohne Behandlung tödlich enden kann.

Bereits wenige Stunden nach Bekanntwerden des Choleraausbruchs konnte humedica eine Gruppe mit gut ausgestatteten Ersthelfern unter Führung der langjährigen Leiterin des Gesundheitsamtes Sonthofen, Frau Dr. Irmgard Harms, in die Artebonite-Region entsenden. Das Engagement im Kampf gegen die Seuche wurde anschließend von etwa 30 weiteren medizinischen Einsatzkräften aus Deutschland und den Benelux-Ländern sowie mit haitianischem Personal fortgeführt.

Ort der Behandlungen war und ist eine kleine Klinik in Drouin im Norden Haitis, wo die ersten Krankheitsfälle auftraten und die unter der Leitung von humedica seit November 2010 bei dem örtlichen Gesundheitsministerium und den Vereinten Nationen als offizielles Cholera-Behandlungs-Zentrum geführt wird. Im Rahmen des Projektes entstand auch eine Kooperation mit dem Welternährungsprogramm zur Bereitstellung von Nahrungsmitteln für die Patienten.

Um auch die Menschen an abgelegenen Orten erreichen und medizinisch versorgen zu können, setzte humedica darüber hinaus mobile Kliniken zur Behandlung der Dorfbewohner ein, führte Sensibilisierungsmaßnahmen für die Eindämmung der Seuche durch und arbeitete gemeinsam mit der Partnerorganisation StART International e. V. in der künstlerischen Traumabewältigung.

Zwei Jahre der umfassenden Hilfe

Neben diesen Maßnahmen konnte humedica auch innerhalb kürzester Zeit nach der Katastrophe das bereits in anderen Ländern bestehende Familienpatenschaftsprogramm umsetzen. Für 114 Familien in Haiti bedeutet diese Unterstützung die Versorgung mit allem Lebensnotwendigen und die Sicherung der medizinischen und pädagogischen Betreuung.

Vielen Dank für Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung, die wir in Form gezielter Hilfsmaßnahmen zu den Menschen in Haiti bringen konnten und weiterhin bringen können. Foto: humedica (mit Prof. Dr. Dr. Bernd Domres)

Die Patenschaften gaben den unterstützten Menschen die Sicherheit nach dieser tiefen Erschütterung, dass sie nicht alleine sind und das Wissen darum, dass es auch morgen etwas zu essen geben wird. Damit die Kinder weiterhin lernen können, übernimmt humedica u.a. die Kosten für Schulregistrierung, für Schuluniform und weitere benötigte Materialien.

Auch einzelnen Menschen konnte dank des humedica-Arbeitszweiges der Einzelfallhilfe individuell geholfen, eine unter Umständen lebensnotwendige medizinische Versorgung gewährleistet und somit Hoffnung zurückgegeben werden.

Zwei Jahre sind eine lange Zeit, in der viel erreicht wurde. humedica konnte dank Ihrer Spenden gemeinsam mit lokalen und internationalen Partnern nachhaltige Hilfe direkt zu den Menschen bringen, die dringend darauf angewiesen waren. Wir möchten Ihnen herzlich danken, dass Sie in diesen beiden Jahren an unserer Seite standen.

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