Die Geschichte hinter dem Bild: Panische Angst vor Nachbeben

von Dr. Christian Scholber/SHU, 28.08.2012

Vor zwei Wochen haben zwei starke Erdstöße den Nordwesten Irans erschüttert, zahlreiche Häuser zum Einsturz gebracht und ganze Dörfer dem Erdboden gleichgemacht. Mehr als 300 Menschen sind dabei ums Leben gekommen und etwa 3.000 Verletzte werden seitdem auch von ausländischen Hilfskräften medizinisch behandelt.

Das Einsatzteam von humedica war nicht nur schnell, sondern auch die erste konkrete personelle Hilfe aus dem Ausland. Bereits 48 Stunden nach dem Beben versorgte eine fünfköpfige Mannschaft um den Mediziner Dr. Christian Scholber verletzte Menschen in einem Krankenhaus in Ahar sowie umliegenden Dörfern. Dabei bot sich den Einsatzkräften ein Bild der Zerstörung und der Trauer.

Während dieser Zeit wurde die Region von teilweise heftigen Nachbeben erschüttert, die bei den ohnehin leidgeprüften Menschen panische Reaktionen auslösten. Zu frisch waren noch die Erlebnisse der Tage unmittelbar nach den beiden ersten Erschütterungen, und die Angst vor weiterer Zerstörung war spürbar groß. Dem Arzt aus Hannover ist in diesem Zusammenhang ein Szenario besonders in Erinnerung geblieben:

„Nach dem Abendbrot sitzen wir bei einer Tasse Tee vor dem Haupteingang der Klinik zusammen. Der Haupteingang ist der ruhigste Platz auf dem Gelände. Kaum jemand kommt hier vorbei, denn aus Furcht vor Nachbeben wird in einer Zeltstadt am Ambulanzeingang behandelt.

Plötzlich scheint der Boden unter unseren Füßen zu schwimmen, wir müssen uns an der Parkbank festhalten. Ein heftiger Stoß erschüttert den Boden, das Gebäude ächzt. Wir bringen uns auf der Rasenfläche vor dem Klinikgebäude in Sicherheit. Ein banger Blick zurück: Das Gebäude hat den Stoß ausgehalten, lediglich etwas Putz ist abgeblättert.

Im Behandlungszelt herrscht hektische Betriebsamkeit: Patienten weinen und schreien, die Erinnerung an das schwere Erdbeben vor Tagen hat sie in Panik versetzt. Eine junge Frau im Krankenbett hyperventiliert so stark, dass sie zu krampfen beginnt. Eine Vene für die Injektion eines Beruhigungsmittels ist kaum zu finden. Die Familie steht weinend am Bett, schließlich bricht die Mutter zusammen und wird die nächste Patientin.

Eine weitere junge Frau wird von ihrem besorgten Vater gebracht: Seit dem Erdstoß fühle sie ihre linke Körperhälfte nicht mehr. Ihre Augen sind schreckgeweitet, sie zittert. Neurologische Ausfälle bestehen nicht, ich setze sie unter Betreuung des Vaters in eine ruhige Ecke des Zeltes, um sie später erneut zu untersuchen.

Noch stundenlang werden verängstigte Patienten in das Ambulanzzelt gebracht. Das Nachbeben soll die Stärke 5,4 gehabt haben, wie wir später erfahren.“

Die Hilfe geht weiter

Auch weiterhin engagiert sich humedica mit einem medizinischen Team für die Betroffenen des Erdbebens, seit vergangenem Samstag mit neuer Besetzung: Dieter Schmidt übernimmt die Koordination des Einsatzes und ist gemeinsam mit dem erfahrenen Mediziner Dr. Wolfgang Heide (Gynäkologe) und Sabine Brehm (Krankenschwester) in der Region Varzegan tätig.

Das Gebiet nördlich von Ahar war von den schweren Erdbeben vor zwei Wochen besonders stark betroffen und die Hilfe von humedica wird dringend benötigt. Bitte helfen Sie uns mit einer Spende, die Not der Menschen zu lindern, ihnen Trost zu spenden und neue Hoffnung zu geben. Vielen Dank.

      humedica e. V.
      Stichwort “Erdbebenhilfe Iran
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

      SWIFT-Code: BYLA DE M1 KFB
      IBAN: DE35734500000000004747

Selbst mit einer kleinen sms kann Großes bewirkt werden: Senden Sie DOC an die 8 11 90, und von den abgebuchten 5 Euro kommen 4,83 Euro den Hilfsmaßnahmen von humedica zugute.

Ein Nachbeben hat eine Iranerin derart in Panik versetzt, dass sie von Dr. Christian Scholber (links) und Klaus Ruhrmann behandelt werden musste. Foto: humedica

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