„Malkam addis amet 2005“

Frohes neues Jahr 2005 hieß es kürzlich in Äthiopien.

von Steven Hofmann/RBU, 04.10.2012

Den Silvesterabend im vergangenen Jahr und den darauf folgenden Neujahrstag 2012 feierte humedica-Koordinator Steven Hofmann noch in seiner Heimat. Nur neun Monate später zelebrierte er erneut ein Neujahrsfest: mit farbenfrohen Feierlichkeiten begrüßten die Familien des humedica-Patenschaftsprogramms das neue Jahr 2005.

Unser Koordinator Steven Hofmann beim Anschneiden des traditionellen Neujahrskuchen. Foto: humedica

„Da in Äthiopien eine Variante des koptischen Kalenders verwendet wird, fällt Neujahr mitten in unser laufendes Jahr. Auch schreibt man in Äthiopien erst das Jahr 2005.

In Europa wird bei dem Jahreswechsel jeweils der Silvesternacht die größte Bedeutung beigemessen. In Äthiopien dagegen ist es der Neujahrstag, der erste Tag des Jahres, der groß gefeiert und begrüßt wird. Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stehen die Gemeinschaft der Familie und das Zusammensein.

An den Tagen vor Neujahr ist ein großes Treiben auf den Straßen und vor allem auf den Märkten von Addis Abeba zu beobachten. Schaf- und Rinderherden werden vermehrt durch die teils engen Gassen getrieben. Es werden Mehl, Gewürze und Öl gekauft. Die Menschen rüsten sich für den Festtag.

Wer es sich leisten kann, kauft zusammen mit anderen einen Ochsen oder ein Schaf. Meist wird monatelang gespart um eines der begehrten Tiere erwerben zu können. Für die Meisten kommen allerdings, aufgrund der hohen Preise für die großen Tiere, nur Hühner in Frage.

Früh am Morgen des 11. September begannen schließlich die Vorbereitungen für die Schlachtungen, was stets Aufgabe der Männer ist. Für europäische Augen nur bedingt geeignet, gehört dieser Teil des Tages zum Neujahrstag wie hierzulande das Feuerwerk oder die Mitternachtsbowle zu unserem Silvesterabend.

Fachmännisch wird das Tier zerlegt und das frische Fleisch sogleich den Töpfen zugeführt. Die Filetstücke jedoch werden anderweitig verspeist. Der größte Genuss für die meisten Äthiopier ist es nämlich, die Filetstücke mit etwas scharfem Gewürz roh zu essen.

In den folgenden Stunden kochen die Frauen ununterbrochen, überall blubbert und brutzelt es und von überall her weht ein verführerischer Duft.

Spätestens am Nachmittag ist jede Hütte, jedes Haus gefüllt mit Familie, Freunden und Nachbarn. Der Boden ist mit frischem Gras ausgelegt. Nun werden die Speisen aufgetragen. Es ist ein Festmahl. Auf großen Injerafladen werden verschiedenste Soßen angeboten (Anmerkung: Injera ist das Nationalgericht Äthiopiens - ein pfannkuchenähnlicher, säuerlich schmeckender Fladen aus Teffmehl). Man isst gemeinschaftlich von einer großen Platte.

Wer es sich leisten kann, schlachtet gemeinsam mit Freunden und Nachbarn ein Rind oder eine Ziege. Ansonsten gibt es Speisen mit Huhn. Foto: humedica/Ruth Bücker

Den ganzen Tag über gehen Besucher ein und aus. Man wünscht sich alles Gute fürs neue Jahr. Allen wird zumindest frischer Kaffee oder Tee angeboten. Dazu gibt es das traditionelle Neujahrsbrot und Popkorn.

Angeregt unterhalten sich alle Anwesenden. Es wird viel gelacht. Hin und wieder lassen sich die fröhlichen Äthiopier zu einem Tänzchen hinreißen, die von den Zuschauern mit rhythmischem Klatschen und einem schrillen, mit dem Mund erzeugten Trillerlaut begleitet werden. Die Stimmung ist ausgelassen.

Von Zeit zu Zeit hört man vor der Tür auch Mädchen singen. Es ist Tradition in Äthiopien, dass am Neujahrstag kleine Gruppen von Mädchen von Tür zu Tür ziehen und das neue Jahr besingen. Man bittet sie herein, singt mit ihnen und gibt ihnen am Ende ein paar Birr, die äthiopische Landeswährung.

Auch Haimanot und Kalkidan, die Töchter von Emebit (siehe Artikel: „Ein Leben im Armenviertel“) gingen dieser Tradition am Neujahrstag nach. Emebit und ihre Familie hatten ein schönes Fest. Sie haben zusammen mit anderen Bewohnern ihrer Gemeinschaft gefeiert. Wie an diesem Tag üblich, gab es ein geselliges Miteinander, Musik und Tanz.

Emebit erzählte folgendes: „Ich habe zur Feier des Tages Dorowot gekocht. Wir hatten einen schönen Tag zusammen.“ Dorowot ist eine scharfe Soße mit Hühnchen und Eiern, die üblicherweise an Feiertagen zubereitet wird.

Die Mitarbeiter des humedica Landesbüros für Äthiopien wünschen den Hilfsempfängern und selbstverständlich allen Äthiopiern ein gesundes und gesegnetes Jahr 2005. Ein besonderes Dankeschön geht an alle Spender und Paten, die die Arbeit in Äthiopien im vergangen Jahr unterstützt haben.“

Begleiten Sie auch in dem jungen Jahr 2005 äthiopische Familien durch eine Patenschaft oder unterstützen Sie den Arbeitszweig der Familienpatenschaftsprogramme mit einer einmaligen Spende. Vielen Dank!

      humedica e. V.
      Stichwort „Familienpatenschaften
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Auch mit einer kleinen sms können Sie Großes bewirken: Stichwort DOC an die 8 11 90 senden und mit 4,83 Euro der abgebuchten 5 Euro tragen Sie zu den humedica-Hilfsmaßnahmen bei.

Auch aus Deutschland sendet das humedica-Team Gottes Segen für das neue Jahr und alles Gute. Foto: humedica/Steven Hofmann

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