Ein Leben im Armenviertel

Steven Hofmann berichtet für humedica aus Addis Abeba

von Steven Hofmann/SHU, 30.08.2012

Im Juni dieses Jahres hat er das Koordinatorentraining im Hause humedica erst absolviert und nun ist er schon in Äthiopien im Einsatz. Steven Hofmann wird ein Jahr lang die Projektarbeit der Familienpatenschaftsprogramme in Addis Abeba unterstützen und regelmäßig über seine Erlebnisse berichten. In seinem ersten Artikel möchte er gerne eine Familie vorstellen, die er während seiner Zeit in Afrika begleitet und beschreibt, wie die Unterstützung der Paten das Leben der Familie nachhaltig positiv beeinflusst.

Im Stadtteil Kazanchis, in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba, stehen mitunter die teuersten Hotels der Stadt. Im Schatten der Hotels und den glänzenden Hochhäusern leben Tausende am Rande der Existenz. Von den Straßen aus kaum zu erkennen, verbirgt sich hier eines der größten und ärmsten Armenviertel Addis Abebas. Nirgendwo in der Stadt liegen der Reichtum und die extreme Armut so nahe beisammen.

Die Lebensumstände im Slum sind sehr schlecht. Wie in einem Labyrinth steht hier Hütte an Hütte. Abwasser sickert durch die schmalen Gassen, da hier nur die zentralen Toiletten an die Kanalisation angeschlossen sind. Abfall wird möglichst vermieden und die meisten Dinge wiederverwertet.

Die Hütten in dieser vernachlässigten Gegend sind in der Regel zu kleinen, sogenannten Compounds (abgegrenzten Geländen) zusammengefasst, vergleichbar mit einem ebenerdigen Mehrfamilienhaus. Wer eine Kochstelle in seiner Hütte hat, teilt diese meist mit den anderen Bewohnern aus der Nachbarschaft. Der Wasseranschluss liegt selten innerhalb des Geländes, sodass man das Wasser mit Kanistern nach Hause tragen muss. Elektrizität ist aber glücklicherweise vorhanden.

Die Arbeitslosenquote in Addis Abeba liegt bei etwa 21%. Der Großteil der Bewohner des Slums ist ohne Arbeit. Man hält sich mit kleinen Gelegenheitsjobs oder Betteln über Wasser. Trotz der Armut ist die Kriminalitätsrate in Äthiopien allerdings sehr niedrig. Schwere kriminelle Delikte gibt es zum Glück selten, allerdings sehen viele ihre Chance in Taschendiebstahl oder Betrügereien.

Inmitten des Slums von Kazanchis lebt auch Emebit mit ihren Töchtern Tsega (13), Haimanot (10) und Kalkidan (7) sowie ihrem Sohn Elschaday (5). In den kommenden Monaten möchten wir Emebit und ihre Familie begleiten und regelmäßig über sie berichten.

Emebits Familie wohnt zusammen mit ihrer Cousine in einer 15 Quadratmeter großen Lehmhütte. Kaum vorstellbar, wie sechs Menschen auf so engem Raum leben können. Privatsphäre oder einen Rückzugsort gibt es nicht.

In der Hütte befinden sich nicht mehr als ein Bett, eine Kommode und ein paar Sitzmöglichkeiten. Der Compound, in dem Emebits Häuschen steht, hat in etwa die Gesamtfläche einer gewöhnlichen Zweiraumwohnung und beherbergt insgesamt 20 Menschen.

Gekocht und gewaschen wird vorzugsweise außerhalb der Hütte. Fließend Wasser gibt es auch hier nur aus einem Zentralen Wasseranschluss, der etwas außerhalb des Geländes liegt. Wer sich waschen möchte, holt sich dort einen Eimer Wasser und wäscht sich, geschützt durch einen Wellblechzaun, im Freien vor seiner Hütte. Die Toiletten teilen sich alle Bewohner des Viertels, wobei auf eine Toilette drei Bewohner gerechnet werden.

Emebit ist Witwe. Ihr Ehemann und Vater der Kinder wurde vor drei Jahren während eines Besuchs seiner Familie auf dem Land bei Streitigkeiten ermordet. Seither muss die 28-jährige alleine für den Unterhalt der Familie sorgen. Das Kleidergeschäft, das sie zusammen mit ihrem Mann betrieben hatte, hat sie nach dessen Tod verloren. Übrig blieben nur die Erinnerungen an eine glücklichere und unbekümmerte Vergangenheit.

Bis vor wenigen Wochen verdiente sie ihren Lebensunterhalt auf einer Baustelle am Rande der Stadt, indem sie Pflastersteine für den Straßenbau zurechtschlug. Dabei verdiente sie umgerechnet rund 40 Euro im Monat. Aufgrund der momentanen Regenzeit wurde der Bau allerdings gestoppt und alle Arbeiter beurlaubt.

Die Kinder gehen alle in eine nahegelegene Schule und sind sehr motiviert. Tsega ist eine der Besten ihres Jahrgangs und möchte im Anschluss an die Schule gerne Sozialwissenschaften studieren. Die Mädchen sind außerdem sehr sportlich, spielen gerne Fußball und machen Leichtathletik.

Die Aufnahme in das Patenschaftsprogramm von humedica hat große Veränderung in das Leben der Familie gebracht. „Meine Erwartungen wurden übertroffen“, sagt Emebit. „Das Patenschaftsprogramm schafft uns ganz neue Perspektiven.“ Sie hatte lediglich Unterstützung für ihre Kinder erwartet (Schulbildung und Schulmaterialien). Dadurch, dass sie nun aber auch mit den Grundnahrungsmitteln versorgt wird, kann die Familie regelmäßig essen und es wird ein großer Teil ihrer Ausgaben abgedeckt, was das Leben der Familie unheimlich erleichtert.

Zudem bekommt sie die Chance, an einem Programm zur Gründung eines Kleingewerbes teilzunehmen. Das ermöglicht ihr auf lange Sicht gesehen, wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Auch die älteste Tochter, Tsega, ist sehr froh über das Patenschaftsprogramm. Sie sagt: „Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung, dadurch wird meine Mutter sehr entlastet.“

humedica möchte sich hiermit, auch im Namen der Familien, ganz herzlich bei allen Spendern und Paten für die treue Unterstützung bedanken. Wir würden uns freuen, Sie ebenfalls als Paten gewinnen zu können, um mit Ihrer Hilfe unsere Projekte in Äthiopien, Brasilien, Haiti und Sri Lanka weiter auszubauen. Zudem können Sie den Zweig Familienpatenschaften hier mit einer gezielten Spende unterstützen. Danke.

      humedica e. V.
      Stichwort „Familienpatenschaften“
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Selbst mit einer kleinen sms kann Großes bewirkt werden: Senden Sie DOC an die 8 11 90, und von den abgebuchten 5 Euro kommen 4,83 Euro den Hilfsmaßnahmen von humedica zugute.

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