Einsatz beim Kara-Stamm in Südäthiopien

Einsatzkraft Susanne Hausmann berichtet nach ihrer Rückkehr

von Susanne Hausmann, 06.10.2012

„Am 09. September hat sich unsere sechsköpfige Gruppe auf den Weg nach Äthiopien gemacht, um dort für etwa drei Wochen medizinische Hilfe für ein Naturvolk im Süden zu leisten. Ausgerüstet mit einem Zelt, wenigen „buschtauglichen“ Kleidungsstücken und einer Unmenge an Moskitosprays haben wir uns in ein Abenteuer gestürzt, bei dem keiner von uns so recht wusste, worauf er sich einlässt.

Unser humedica-Team setzte sich zusammen aus Mechthild Wortmann (Allgemeinärztin), Mehrdad Thesker (Anästhesist), Ruth Lagies („frisch gebackene Ärztin“, Facharztausbildung in der Pädiatrie), Hiltrud Ritter (Krankenschwester), Esther Waßmuth (Krankenschwester) und mir, Susanne Hausmann (Medizinstudentin).

Bei unserer Arbeit unterstützte und koordinierte uns ein sehr engagiertes Team von Missionaren, die SOA-Ministries (South Omo Arise), die seit 2009 in Äthiopien leben. Dabei handelt es sich um zwei deutsche Familien, die ihr komfortables Leben in der Heimat aufgegeben haben, um zum einen den christlichen Glauben zu verbreiten, zum anderen jedoch auch durch praktische Hilfe in Zusammenarbeit mit den Einheimischen unter anderem gegen die hohe Kindersterblichkeit anzukämpfen.

Von der Hauptstadt Addis Abeba aus führte uns eine zweitägige Reise mit dem Landcruiser ins Omo-Gebiet, das im Südwesten von Äthiopien ganz in der Nähe der sudanesischen und kenianischen Grenze liegt. Die Region ist sehr abgelegen und wird nur von einigen Schotterpisten durchquert, was für eine sehr holprige, aber lustige Fahrt gesorgt hat.

Die Kara, ein Volk mit etwa 2.000 Menschen, leben dort auf sehr einfache und ursprüngliche Weise. Sie wohnen in Holz- und Strohhütten und haben weder Strom noch fließendes Wasser. Die Nähe zu dem Fluss Omo ermöglicht es ihnen, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben, sorgt aber auch für einige unerfreuliche Begegnungen mit Krokodilen.

Obwohl die Kara sehr fröhliche und genügsame Menschen sind, leiden sie sehr stark unter der fehlenden medizinischen Versorgung des Südens. Bis zur nächstgelegenen Stadt müssen sie eine Strecke von mehreren Tagen Fußmarsch zurücklegen, was für einen schwerkranken Menschen nahezu unmöglich ist. Zwar befindet sich eine Gesundheitsstation im Hauptdorf der Kara, diese ist jedoch nur spärlich ausgerüstet und der einheimische Helfer ist unzureichend ausgebildet.

Damit bringen für uns meist vermeidbare Krankheiten wie Masern, Atemwegsinfektionen und Durchfall für viele Stammesleute den Tod. Leidtragende dieser mangelnden Versorgung sind vor allem die Kinder, von denen etwa 35-40 Prozent das 6. Lebensjahr nicht erreichen. Auch Erwachsene werden selten älter als 50 Jahre.

Unser humedica-Team errichtete in den drei Kara-Dörfern Duss, Labuk und Korcho eine provisorische Behandlungsstation. Dabei haben wir uns bemüht, die vorhandenen Kapazitäten möglichst sinnvoll und effektiv einzusetzen. Auch einheimische Helfer wurden dabei mit einbezogen, um die Patienten mit Medikamenten zu versorgen und die Nachhaltigkeit unserer Arbeit zu verbessern.

Unsere Partner von SOA-Ministries hatten hervorragende Vorarbeit geleistet und für uns gebildete junge Kara-Männer als Übersetzer engagiert, die sowohl Englisch als auch die Stammessprache beherrschen. So konnten wir innerhalb dieser drei Wochen insgesamt 753 Menschen behandeln, die vor allem an Wurmerkrankungen, Gastritis, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Hauterkrankungen litten.

Da der Süden Äthiopiens zum Malaria-Risikogebiet gehört, haben unsere Ärzte außerdem bei allen fiebrigen Patienten einen Malariatest durchgeführt und konnten bei positivem Testergebnis die Krankheit entsprechend behandeln. Zwei Notfälle - eine Schwangerschaft mit Komplikationen und ein akuter Nabelbruch - wurden von einem Mitarbeiter des missionarischen Langzeitteams in das nächstgelegene Krankenhaus befördert, um dort eine adäquate operative Behandlung durchzuführen.

Obgleich wir das Volk der Kara als sehr gastfreundlich und herzlich kennenlernen durften, bringt ihre ursprüngliche Lebensweise auch einige Aspekte mit sich, die sich mit unseren westlichen Werten schwer vereinbaren lassen und uns teilweise auch sehr erschütterten.

So wird dort leider nach wie vor bei etwa Jungen zwischen sechs und acht Jahren eine Beschneidung durchgeführt, die aufgrund von fehlender Sterilität und mangelnder anatomischer Kenntnisse oft zu Entzündungen und Verstümmelungen des Glieds führt. Das Schicksal dieser verängstigten und beschämten Jungen ist uns sehr nahegegangen und wir haben uns große Mühe gegeben, die Wunden im Nachhinein bestmöglich zu versorgen.

Für uns als Team von humedica bot dieser Einsatz die Möglichkeit, nicht nur medizinische Hilfe zu leisten, sondern auch unbezahlbare persönliche Erfahrungen zu sammeln. Wir wurden von den Stammesältesten zu traditionellen Festen eingeladen, durften den Kaffee der Kara probieren und haben durch die Nähe unseres Lagers zum Hauptdorf den Alltag dieser interessanten Menschen miterleben dürfen.

Wir möchten uns ganz herzlich bei Andi, Ann-Marie, Roland und Carmen von SOA-Ministries für die tolle Zeit in Äthiopien bedanken: ihr habt diesen erfolgreichen Einsatz mit eurer Vor- und Mitarbeit möglich gemacht und seid für uns ein tolles Vorbild dafür, wie man christliche Nächstenliebe nicht nur predigen, sondern auch tagtäglich vorleben kann.

Mein persönlicher Dank gilt auch meinem humedica-Team: es hat sehr viel Spaß gemacht, mit euch diesen Einsatz durchzuführen. Die positive Atmosphäre und Aufgeschlossenheit in unserer Gruppe hat es ermöglicht, in dieser herausfordernden Umgebung zurechtzukommen und die persönlichen Stärken eines jeden Einzelnen in die Arbeit mit einfließen zu lassen.“

Die Kara gehören zu einem Stamm, dessen Zukunft und Existenz aufgrund der unbehandelten Krankheiten und allgemein schwerer Lebensumstände nicht gesichert ist. Mit Ihrer Spende können Sie dazu beitragen, den Menschen in dieser kargen und schwierigen Situation zumindest medizinische Hilfe zukommen zu lassen.

Bitte helfen Sie, die Zukunft dieses vergessenen Stammes der Kara zu sichern.Vielen Dank.

      humedica e. V.
      Stichwort „Kara Äthiopien
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

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