Neues Leben in Melkadida

Dr. Sonja Küster unterstützt Mutter-Kind-Station

von Thomas Adelsberger, 10.09.2012

Ärzte sind bei den Flüchtlingen in den Flüchtlingscamps im Süden Äthiopiens gern gesehene Gäste, denn Krankheiten gibt es viele und die Not, die viele Somalis in den Camps dadurch erleiden, ist groß. Oft ist die Hilfe eingeschränkt, die humedica in der Gesundheitsstation („Health Post“) anbietet, das nahezu im Zentrum des größten Flüchtlingslagers Melkadida mit 40.000 Flüchtlingen steht.

Für vier Wochen arbeitete die Gynäkologin Dr. Sonja Küster (rechts) aus Freudenstadt in der Mutter-Kind-Station im Flüchtlingscamp Melkadida und unterstützte dabei das lokale Personal, wie zum Beispiel Hebamme Fre. Foto: humedica/Thomas Adelsberger

Das ist nicht nur wegen der dünnen Infrastruktur an der Grenze zu Somalia der Fall: Zum einen können wir bei bis zu 900 Patienten pro Woche mit unseren zwei Ärztinnen, die uns seit dem Frühjahr 2012 unterstützen, nicht allen Patienten die nötige Aufmerksamkeit schenken. Zum anderen können zwei Ärztinnen allein nicht die Fülle der medizinischen Fachrichtungen abdecken.

Deshalb sind wir sehr dankbar, dass wir die Gynäkologin Dr. Sonja Küster für vier Wochen gewinnen konnten, um humedica in der mit Unterstützung von BILD hilft e.V. - "Ein Herz für Kinder" errichteten Mutter-Kind-Station im staatlichen Gesundheitszentrum Melkadida und damit die Flüchtlinge zu unterstützen.

„Erwartungen hatte ich keine und eine Vorstellung davon konnte ich mir auch nicht machen, wie Geburtshilfe in einem Flüchtlingscamp geleistet werden kann“, erklärt Dr. Sonja Küster, die in Freudenstadt als Gynäkologin in einer Klinik gearbeitet hat. Dort ist für die benötigten Geräte elektrischer Strom natürlich immer verfügbar und auch ein Kaiserschnitt kann innerhalb weniger Minuten sofort durchgeführt werden.

„Wenn die Hebammen und der behandelnde Arzt sich hier für einen Kaiserschnitt entscheiden, dann muss die Patientin drei Stunden in das nächste Krankenhaus über eine Geröllpiste gefahren werden“, stellte die erfahrene humedica-Ärztin fest und war beeindruckt, mit wie viel Engagement und Aufwand das Personal in der Mutter-Kind-Station mit den gegeben Möglichkeiten Geburtshilfe leistet - und das bei oft mehr als 40° Grad im Schatten.

„Manche Medikamente und Utensilien sind nicht vorhanden, weil sie unter diesen Bedingungen nicht verwendbar sind und so habe ich viele alternative Wege lernen können“, erzählt die Gynäkologin, die dem lokalen Personal viel am gespendeten Ultraschallgerät erklären und ihre Erfahrung hier besonders gut und nachhaltig weitergeben konnte. Neben dem Untersuchungsgerät hat BILD hilft e.V. - "Ein Herz für Kinder" die Mutter-Kind-Station reichhaltig mit (den örtlichen Bedingungen angemessenen) Materialien und Medizin ausgestattet.

So war es für das Personal in Melkadida und für Dr. Sonja Küster eine fachlich bereichernde Zeit, aber was bleibt persönlich in Erinnerung? „Ich erinnere mich besonders an die Entbindung einer 17-Jährigen, die mit schwersten Wehen in die Mutter-Kind-Station kam und wo nicht klar war, ob das Kind natürlich geboren werden kann oder ein Kaiserschnitt notwendig ist“, antwortet die Ärztin ohne zu zögern. „Wir mussten die Entscheidung treffen, ob wir diese Frau ohne wehenhemmende Medikamente in das nächste Krankenhaus verlegen und somit drei Stunden Fahrt zumuten oder eben nicht, aber was dann?“

Während ihres Aufenthalts im Flüchtlingscamp gab Dr. Sonja Küster nicht nur ihr Fachwissen weiter, sondern lernte auch, dass äußere Umstände manchmal alternative Heilmethoden und Vertrauen in eigene Erfahrungswerte erfordern. Foto: humedica/Thomas Adelsberger

Gemeinsam kamen Dr. Sonja Küster und Hebamme Lula aufgrund ihrer Erfahrungen zu dem Ergebnis, die Frau nicht zu verlegen. Schließlich konnten sie mit einer gewissen Anspannung im Bauch nach einer dramatischen Geburt der Mutter ein gesundes Mädchen in die Arme legen.

„Mitnehmen werde ich auch die Herzlichkeit der Menschen und die Offenheit für neue Vorschläge und Ideen“, resümiert die Freudenstädter Ärztin am Ende ihres Einsatzes, die für sich persönlich auch das Fazit zieht, dass es ihr gut tat, die eigene Fachrichtung auch einmal aus einer anderen Perspektive zu sehen, die keine westliche Hochtechnologie-Medizin im Katalog der Möglichkeiten hat.

Das humedica-Team in Melkadida ist sich sicher, dass Dr. Sonja Küster hier nicht zuletzt durch ihre Lehrtätigkeit mit großem Einsatz einen nachhaltigen Dienst für die Hebammen der Mutter-Kind-Station geleistet hat. Die Schwangeren und die Babys, die zukünftig in Melkadida zur Welt kommen, werden ihr nicht persönlich danken können, aber dafür sagen wir eben stellvertretend für sie sowie auch im Namen von BILD hilft e.V. - "Ein Herz für Kinder" und humedica: DANKE Sonja!

Mit einer gezielten Spende für den Zweig der "Hungerhilfe Afrika" können auch Sie, liebe Freunde und Förderer, den humedica-Kräften Danke sagen! Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit, damit humedica den Menschen in Melkadida auch weiterhin eine Stütze sein kann. Vielen Dank.

      humedica e. V.
      Stichwort „Hungerhilfe Afrika
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Auch mit einer kleinen sms für Menschen in Not Großes erreichen: Stichwort DOC an die 8 11 90 senden und von den abgebuchten 5 Euro gehen 4,83 Euro in die humedica-Projektarbeit. Vielen Dank!

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