Erfolgreiche zahnmedizinische Behandlungen für Flüchtlinge

von Thomas Adelsberger/RBU, 21.11.2012

Zahnarzt! Allein dieses Wort wird bei so manchem Leser vielleicht schon eine Gänsehaut bereiten und unliebsame Erinnerungen hervorrufen. Gekoppelt mit Begriffen wie „bohren“, „Spritze“ und vielen anderen, wird sich das Gesamtgefühl wohl erst recht nicht bessern. Wie allerdings Patienten mit freudiger Erwartung auf den Zahnarzttermin schauen, erlebte Assistenzkoordinator Thomas Adelsberger in Äthiopien.

„Wenn wir hier in Melkadida den schätzungsweise 40.000 Flüchtlingen, oder in einem der anderen fünf Flüchtlingslager an der äthiopisch-somalischen Grenze mit insgesamt 170.000 Flüchtlingen, die Ankunft eines Zahnarztes verkünden, löst dies bei den meisten stets große Freude aus.

Warum sich die Flüchtlinge über Zahnärzte so freuen, ist schnell erklärt: So wie es generell an medizinischer Versorgung mangelt, ist in dieser Region insbesondere das Fehlen von Fach- und auch Zahnärzten deutlich merkbar. Schmerzen müssen ertragen werden, so lange es geht.

Und falls die Qualen schließlich doch Überhand nehmen, muss im privaten Umfeld gehandelt werden, was bedeutet, dass Zähne ohne professionellen Instrumente und Betäubung, dafür mit irgendwie geeigneten Werkzeugen und von einem Laien gezogen werden.

So begegneten den beiden Dentisten Dr. Andrea Wiesner-Pommer (München) und Dr. Ullrich Kollmar (Kassel) von August bis Oktober dieses Jahres viele Patienten, die schon lange von ihren Zahnschmerzen geplagt wurden. Und auch wenn die zahnmedizinischen Möglichkeiten auf Wurzelbehandlungen oder das Ziehen der Störherde beschränkt waren, konnten die Patienten dennoch schmerzbefreit den Behandlungsstuhl verlassen, was eine enorme Erleichterung bedeutete.

Die Ausstattung der mobilen Zahnarztpraxis in Melkadida unterscheidet sich ebenfalls sehr von einer deutschen Praxis, was die Zahnmediziner aber nicht von vielen erfolgreichen Behandlungen abhielt: pro Woche konnten in den verschiedenen Lagern oft mehr als 250 Behandlungen an über 60 Patientinnen und Patienten vorgenommen werden.

Im Gegensatz zu den von den Geplagten selbstdurchgeführten Eingriffen standen durch humedica nun auch ausreichend steriles Werkzeug, Betäubungsmittel, Tupfer, Handschuhe und Vieles mehr zur Verfügung. Lokale Krankenschwestern und auch die bereits gut eingearbeiteten Übersetzer halfen ebenfalls aus, wenn es Bedarf gab.

Mit Erfolg! Dr. Kollmar resümierte, dass er vor allem ohne die vielseitige und einfühlsame Unterstützung seines Übersetzers Ahmed viele Behandlungen nicht hätte durchführen können, denn Ahmed redete behutsam mit den Patienten, erklärte ihnen die bevorstehende Prozedur deutlich und beantwortete alle Fragen, bis die Patienten bereit waren.

Für Dr. Andrea Wiesner-Pommer und Dr. Ullrich Kollmar blieben neben etwaigem Muskelkater am Ende eines jeden Tages, der sich aufgrund der vielen Ziehungen ohne die üblichen Instrumente einstellte, insbesondere die Begegnungen mit den Menschen in Erinnerung. Die meisten der Patienten konnten verständlicherweise kein Lächeln des Dankes zeigen, aber ihre Reaktionen machten die große Erleichterung dennoch deutlich.

Mit seinem Alter von 71 Jahren und entsprechend langer Berufserfahrung musste auch Dr. Kollmar noch Neues erfahren: jahrelanger Mangel an Zahnpflege und medizinischer Behandlung, fehlende Hygiene und von starken Schmerzen begleitete Entzündungen machten bei einem Patienten die Ziehung von 18 Zähnen notwendig.

Seine persönliche - wenngleich auch traurige - Höchstzahl an gezogenen Zähnen bei einem Patienten. Die aber gleichsam deutlich macht, wie wichtig das Entsenden von Zahnmedizinern in solch entlegene Regionen ist.“

Bereits im Dezember wird der nächste Zahnarzt nach Melkadida reisen. Gemeinsam mit seiner Assistentin, Ute Benz, wird der Freiburger Arzt Dieter Bischofberger für drei Wochen in den Süden Äthiopiens reisen, um dort zu helfen, wo Hilfe dringend notwendig ist.

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