„Ich bin nicht zu bremsen“

von Ruth Bücker, 29.09.2011

Seit April dieses Jahres ist Heinz Allgaier bereits mit seinem Rad unterwegs. 15 Länder hat er seitdem bereist, 11.810 Kilometer zurückgelegt. In die Pedale tritt Heinz für einen guten Zweck und unterstützt mit den gesammelten Geldern eine von humedica geförderte Kindertagesstätte in Südafrika. Die war auch sein erstes großes Etappenziel, das er vor wenigen Tagen erreichte.

Lieber Heinz, du bist nun seit knapp einem halben Jahr unterwegs, wie geht es Dir körperlich?

Mir geht es super. Ich bin topfit und kann mich nicht beklagen. Außerdem kann ich mich gerade zwei Tage in Buenos Aires ausruhen und die Tage davor in Kapstadt bin ich auch nicht geradelt und es war eher Erholung.

Zwischenzeitlich war es schon mal hart, als ich 18 Tage am Stück geradelt bin, ohne Ruhetage. Aber auch wenn ich müde war, wollte ich unbedingt weiterfahren. Ich bin da eben nicht zu bremsen.

Wie kann man sich das vorstellen: radelst du den ganzen Tag alleine, machst du viele Zwischenstopps in den Dörfern, bekommst du „Begleitung“?

Besonders in Äthiopien und Kenia war es sehr lustig für mich. Das Leben der Menschen dort spielt sich an den Straßen ab, das heißt die Hütten oder Unterkünfte der Menschen und Marktstände stehen hauptsächlich links und rechts der meist befahrenen Straßen. Eben an den Straßen, auf denen ich meistens auch radle.

"Mit dem Massai habe ich eine Friedenspfeife geraucht - allerdings nur unter der Voraussetzung, dass er mein Rad testen durfte." Foto: humedica/Heinz Allgaier

Da war es dann so, dass ich manchmal keine zwei Kilometer alleine war und mich mit den einheimischen Radlern sogar messen musste. Die sind dann kurze Strecken neben mir hergefahren, beziehungsweise habe mich zu Rennen herausgefordert. Und ich muss sagen: sie waren echt sprintstark.

Zum Glück für mich zeigten sie aber Schwächen in der Ausdauer und ich konnte auf lange Strecken doch wieder davonziehen. Es war auf jeden Fall sehr unterhaltsam mit ihnen. Auch, wenn einer von ihnen mit meinem Fahrrad gefahren ist, wie ein Massai in Kenia.

Das hätte das Bild des Jahres werden können: der Stammeskrieger mit seiner traditionellen Kleidung und dem Speer auf meinem Fahrrad. Es war einfach toll. Und solche Begegnungen habe ich immer wieder, die meine Tour auch sehr viel reicher machen.

Und wie geht es Dir mental? Wie waren die Eindrücke in den europäischen und afrikanischen Ländern, die du durchradelt hast?

Eigentlich geht es mir rundum gut. Auch wenn es teilweise schon erschreckend war, die Armut zu sehen. Auch wenn in manchen der europäischen Länder Armut herrschte, fiel die mir zum ersten Mal so richtig in Äthiopien auf. Es schien mir ein sehr armes Land.

Die Kinder bettelten zwar nicht, aber man sah ihnen die Armut schon an. Von der aktuellen Hungersnot habe ich nichts mitbekommen, da ich diese Gebiete nicht durchradelt habe. Aber insbesondere im Süden Äthiopiens habe ich die dürren und kahlen Landschaften gesehen, bei deren Anblick ich mir das Ausmaß zumindest ansatzweise vorstellen konnte.

Ansonsten waren die Eindrücke total verschieden. Jedes der Länder, die ich durchfahren habe, hat seine eigenen Schönheiten und sie haben sich in Kultur, Essen, Landschaft, Wetter und den Straßen - was für mich als Radfahrer ja von großer Bedeutung ist - sehr unterschieden.

Was war bei Deinen bisher gefahrenen 11.810 Kilometern das beeindruckendste Erlebnis?

Es gab während meiner Tour viele beeindruckende Erlebnisse. Auch allein die Landschaften, die ich durchfahren habe: durch Berge, am Meer entlang, durch üppiges grünes Land und dann durch Staub und Sand. Das war alles toll und beeindruckend.

Heinz Allgaier in "seinem" Projekt Sibongile, welches er mit seinen eingegangenen Spenden unterstützen möchte. Foto: humedica

Aber am meisten hat mich dennoch Sibongile beeindruckt. Die Einrichtung für behinderte Kinder ist ein tolles Projekt und ich bin froh, dass ich es unterstützen kann. Ohne die Hilfe der Mitarbeiter von Sibongile ginge es den Kindern sehr schlecht. Als ich das so überlegt habe, ging es mir dann auch nicht mehr so gut.

Und ich bin dankbar dafür, dass es mir so gut geht wie es mir geht. Und auch, dass ich nicht in so einem kriminellen Umfeld aufgewachsen bin, wie es vielen Kindern in den armen Slumgebieten in Kapstadt geht.

Also diese Tage in Kapstadt und mit den Kindern und Mitarbeitern in Sibongile haben mir schon sehr zu denken gegeben, aber ich bin froh, dass ich das erleben durfte. Um nichts in der Welt möchte ich das missen müssen, und zu keinem Zeitpunkt meiner Weltumradlungstour war ich mir bei der Richtigkeit meines Vorhabens so sicher, wie da.

War Dein Zwischenstopp in Sibongile für Dich ein weiterer Motivationsschub?

Als ich meine Weltumradlung begonnen habe, war natürlich schon eine entsprechende Basis an Motivation da, sonst wäre ich gar nicht gestartet. Aber die Tage in Kapstadt und in der Kindereichrichtung Sibongile haben mir schon noch mal einen extra Motivationsschub gegeben, ja.

Es waren sehr emotionale Tage. In der Einrichtung werden 36 Kinder betreut, die schwer behindert und zum Teil auch HIV-positiv sind. Das hat auf den Grundstock meines Antriebes schon noch eine zusätzliche Portion oben draufgepackt.

Wie geht Deine Route weiter?

Momentan sieht meine nächste Etappe so aus, dass ich zuerst von Buenos Aires über die Anden nach Santiago de Chile radeln werde. Dann an den Anden entlang in südlicher Richtung nach Ushuaia in Patagonien.

Nach einem kurzen Stück mit Bus oder Flugzeug werde ich dann auf der argentinischen Seite der Anden wieder gen Norden radeln und durch Bolivien und Peru nach Ecuador. Dann hat mich die Straße wieder.

Lieber Heinz, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute weiterhin.

Der Allgäuer radelt einmal um die Welt und ruft zu Spenden auf, mit denen er das Sibongile Day & Night Care Centre in Kapstadt unterstützt. In einer neuen Baueinheit soll reichlich Platz für spezielle Bewegungstherapie geschaffen werden, die durch freiwillige Physiotherapeuten aus Deutschland und anderen Ländern angeleitet wird.

Das Tageszentrum und die Physiotherapie ermöglichen den Kindern, die an zerebraler Kinderlähmung erkrankt sind, ein besseres Leben. Und dafür radelt Heinz Allgaier um die Welt. Bitte helfen Sie ihm und den Mädchen und Jungen in Sibongile ebenfalls mit einer gezielten Spende.

      humedica e.V.
      Stichwort „Weltumradlung
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Unterstützen Sie die humedica-Projekte auch mit einer sms: Stichwort DOC an die 8 11 90 senden und von den abgebuchten 5 Euro fließen 4,83 Euro unmittelbar in gezielte Hilfsmaßnahmen. Vielen Dank.

Weltumradler Heinz und das Team der Kindertagesstätte Sibongile. Bitte helfen Sie mit und spenden. Foto: humedica

Ihr Browser ist veraltet!

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um diese Website korrekt darzustellen.

Den Browser jetzt aktualisieren×