Unterstützung von außen, um die Kraft von innen zu stärken

von Ruth Bücker/SHU, 01.12.2011

Elefenesh ist 14 Jahre alt und lebt gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren Brüdern am Rande von Debre Zeyt, einer Stadt mit 100.000 Einwohnern, südlich von Äthiopiens Hauptstadt Addis Adeba gelegen. Sie besucht in der Schule den Literaturkurs, schreibt gerne Gedichte, absolviert ihre Schulprüfungen mit Bestleistungen und passt, wie viele Teenager, auf das jüngere Geschwisterchen auf.

Ein Zimmer mit einem Bett muss für Tigist und ihre Familie zum Leben ausreichen. Foto: humedica/Ruth Bücker

Tigist ist Mutter von zwei Söhnen und verheiratet. Ihre Kinder haben durch die humedica-Familienpatenschaft die Möglichkeit bekommen, zur Schule zu gehen. Die Familie lebt in Debre Zeyt in einem Zimmer mit einem Bett und einer Kochstelle vor dem Zimmer. Tigist kümmert sich um den Haushalt und die Kinder, während ihr Mann als Tagelöhner arbeitet.

Darüber hinaus haben sich Elefenesh und Tigist mit dem HI-Virus infiziert und leben seit mehreren Jahren mit der tödlich endenden Krankheit und ihren Begleiterscheinungen, die das Leben zusätzlich erschweren.

Ende des vergangenen Jahres lebten Schätzungen von UNAIDS zufolge 34 Millionen Menschen mit dem HI-Virus. Allein 22,9 Millionen Infizierte in den südlich der Sahara lebenden afrikanischen Ländern - darunter auch Äthiopien.

Erschreckende Zahlen, welche die schreckliche Realität abbilden und alarmierend sind. Unwissenheit über den Virus an sich oder über Wege der Infektion sind die Hauptursachen für die weiterhin hohen Zahlen an Infizierten, bzw. für die stetigen Neuinfektionen Jahr für Jahr.

Dass eine Ansteckung mit HIV und der Ausbruch von AIDS immer noch stigmatisiert und verurteilt werden, macht die Thematik an sich und den Alltag mit den verbundenen Gefühlen der Betroffenen nicht besser.

In dem humedica-Familienpatenschaftsprogramm in Äthiopien dagegen kämpfen die lokalen Mitarbeiter gegen Unwissenheit und Verurteilung. In Trainings wird sowohl den Kindern als auch den Erwachsenen erklärt, was HIV und AIDS umschreibt und wie es verhindert werden kann.

Elefeneshs Mutter beim Trocknen von Berbere, einem typisch äthiopischen Gewürz. Foto: humedica/Ruth Bücker

Bei bereits mit dem Virus infizierten Personen kommt es darauf an, sie wieder in die Gemeinschaft einzubetten und sie dabei zu unterstützen, ihr Leben trotz der Krankheit und mit ihr zu meistern. Auch Schulungen darin, wie eine Ansteckung anderer Personen vermieden wird, werden regelmäßig durchgeführt. Ebenso gemeinsame Tests der lokalen Mitarbeiter mit allen unterstützten Familien.

Die Geschichten von Elefenesh und Tigist zeigen, dass dies Wirkung zeigt. Jeden Tag leben die beiden starken Frauen vor, dass ihr Alltag trotz der Infektion von Lebensmut und Engagement gekennzeichnet sein kann. Dass das Leben zwar umgestellt werden, aber nicht durch Verstecken gezeichnet sein muss.

Mit Elefenesh und ihrer Familie haben die humedica-Mitarbeiter in Äthiopien mehrmals in der Woche aufklärende und versöhnende Gespräche geführt, so dass die junge Frau nach dem Ergebnis, dass sie HIV positiv ist, wieder den nötigen Rückhalt für die Schule erhielt.

Sie ist eine sehr gute Schülerin. Für schlechte Tage, an denen es ihr gesundheitlich nicht gut geht, hat sie eine Sondergenehmigung, um auch während der Schulstunden den Unterricht für kurze Pausen zu unterbrechen. Außerhalb der Schule hilft sie ihrer Mutter bei dem kleinen Verkaufsstand, der vor der Zwei-Zimmer-Wohnung auf die Straße führt.

Nachdem Tigists älterer Sohn bereits HIV positiv auf die Welt kam, vermittelte ihr die Betreuung durch humedica die nötige Kraft, zu ihrer Krankheit zu stehen und etwas verändern zu wollen. In Weiterbildungen lernte sie, wie bereits infizierte Frauen trotzdem gesunde Kinder gebären können. Sie arbeitet als Hebamme und unterstützt Frauen, die das Schicksal ihrer Krankheit teilen. Ihr zweiter Sohn ist gesund auf die Welt gekommen.

Im Alter von nur 14 Jahren hat Elefenesh in einem bewegenden und nachdenklich stimmenden Gedicht zum Ausdruck gebracht, worauf es im Leben ankommt. Foto: humedica/Ruth Bücker

Beide Frauen haben bewiesen, dass mit Kraft von innen und Unterstützung von außen ein Leben mit dem HI-Virus nicht nur möglich, sondern lebenswert ist. Im Rahmen der humedica-Familienpatenschaften stärken wir Frauen wie Elefenesh und Tigist, Kinder und Männer bei dem richtigen Umgang mit ihrer Krankheit.

Seien auch Sie nicht nur an diesem Weltaidstag eine Stütze für die Menschen, die sich oft aus Unwissenheit oder ohne eigenes Verschulden infiziert haben, und übernehmen Sie mit einer humedica-Familienpatenschaft die Verantwortung für das Leben eines Menschen. Vielen Dank!

      humedica e.V.
      Stichwort „Familienpatenschaften“
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Bitte nehmen Sie sich einen Moment Zeit und lassen die Botschaft des folgenden Gedichts auf sich wirken. Stimmen Sie zu, dass in den Zeilen genau das geschrieben steht, was im Leben wirklich wichtig ist?

Nimm Dir Zeit

Nimm Dir Zeit zum Nachzudenken,
es ist die Quelle der Kraft.

Nimm Dir Zeit zum Spielen,
es ist das Geheimnis der Jugend.

Nimm Dir Zeit zum Beten,
es ist die stärkste Kraft auf Erden.

Nimm Dir Zeit zum Lernen,
es ist die Grundlage der Weisheit.

Nimm Dir Zeit zu lieben und geliebt zu werden,
es ist ein von Gott gegebenes Vorrecht.

Nimm Dir Zeit für Freundlichkeiten,
es ist der Weg zum Glücklichsein.

Nimm Dir Zeit zum Lachen,
denn das ist die Musik der Seele.

Nimm dir Zeit zum Geben,
denn es ist zu kurz um egoistisch zu sein.

Nimm dir die Zeit zum Arbeiten,
es ist der Preis des Erfolges.

All das ist, wofür ich danken möchte.

Von Elefenesh Tekola, 14 Jahre alt, HIV-positiv

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