Wenn die Hoffnung stirbt

von Ruth Bücker/SHU, 25.10.2011

Die Hoffnung ist bei allen Anwesenden groß, die Trauer und Enttäuschung noch viel mehr. Nach dem Erdbeben am vergangenen Sonntag hatten sich Freunde und Verwandte um den Trümmerhaufen versammelt, der einst ein imposantes Haus gewesen sein muss. Vier Stockwerke, im Erdgeschoss ein Café, in das viele junge Menschen kamen und sich zu einem Tee verabredeten.

Am 23. Oktober war auch Sat Toplak Gast dort. Er hatte sich mit Freunden verabredet, um gemeinsam die Zeit zu genießen. Mit eben jenen Freunden, die nun trauernd und fassungslos vor dem Berg aus Gestein liegen und seinen Tod betrauern.

Mit sich und der Trauer ringend sitzt ein junger Mann etwas abseits von der Gruppe an Anteil nehmenden Menschen. Er heißt Özcar und hat soeben die traurige Wahrheit erfahren, die aller Hoffnung die Kraft nimmt: sein Bruder ist unter den Trümmern des einstürzenden Gebäudes verschüttet worden und gestorben.

Das humedica-Team war gerufen worden, da am Morgen Spürhunde einen unter den Steinen begrabenen Menschen angezeigt hatten. Wäre er lebend befreit worden, hätten die humedica-Ärzte die medizinische Erstversorgung durchgeführt und ihn auf dem Weg in das Krankenhaus im Ambulanzwagen begleitet. Wäre und hätte sind aber leider nicht von Bedeutung an diesem Ort der tiefen Trauer.

Nachdem die Bergungsmannschaft, die eigens aufgrund dieses Erdbebens aus der ganzen Türkei angereist war, mit entsprechenden Gerätschaften die Trümmer und Stahlkonstruktionen freigelegt und abgetragen hatte, konnten sie nur noch Sats leblosen Körper bergen.

Sat ist einer der inzwischen 459 Menschen, die bei dem verheerenden Erdbeben ihr Leben verloren. Seine Frau ist gemeinsam mit den eigenen vier Kindern, den Geschwistern ihres verstorbenen Mannes und den Schwiegereltern in einer der errichteten Zeltstädte untergekommen.

80 Prozent der Häuser sind durch das Erdbeben unbewohnbar geworden, erzählen uns Einheimische. 55 Häuser in Ercis sind vollständig in sich zusammengebrochen.

Wir können Sats Familie nicht ihre Trauer nehmen. Wir können ihr auch nicht ihren Sohn zurückgeben. Aber wir können Zeichen setzen und weiterhin die Menschen behandeln, die unserer Hilfe bedürfen. Und hierbei gibt es weder ein hätte oder wäre.

Gerade erst hat Özcan die traurige Nachricht erhalten, dass sein verschütteter Bruder nicht mehr am Leben ist. Foto: bild.de/Hannes Ravic

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