Aboleg - ein Dorf des Zusammenhalts

von Margret Müller, 22.10.2011

„Für Teresa Pincas war es höchste Zeit, dass wir in ihrem Dorf Aboleg ankommen. Ihr Haus wurde komplett von den Taifunen zerstört. Mit den Fluten schwamm auch die Medizin ins Meer, die Teresa seit ihrem Schlaganfall vor einem Jahr braucht.

Alle Straßen zur Außenwelt und somit der Weg zu neuen Tabletten waren zerstört, verschlossen oder überflutet. Und selbst wenn dem nicht so wäre: die Fahrt könnte Teresa ohnehin nicht bezahlen.

So saß sie mit einem extrem hohen Blutdruck vor humedica-Arzt Rashid al Badi. Er konnte ihr Medikamente für einen Monat verschreiben - ihr mehr zu geben, wäre in dieser Katastrophensituation unverantwortlich, da es unser Ziel ist, möglichst vielen Menschen Gutes zu tun und die Medikamente beschränkt sind.

Ein kleines Mädchen wird von humedica-Arzt Rashid al Badi behandelt. Foto: humedica/Margret Müller.

„When the World says: Give up! Hope whispers: One more time!“, sagt sich Rashid, wenn das Umsetzen dieses Prinzips schwer fällt (Anmerkung: „Wenn die Welt sagt: Gib auf! Dann flüstert die Hoffnung: Einmal noch!“).

Der lokale Radiosender Abolegs informierte die Zuhörer den ganzen Tag lang über unseren Einsatz in dem Dorf. Es gibt dort keine Elektrizität, aber die Bewohner wussten sich zu helfen und nun steht im Zentrum der Ortschaft eine mit Generator betriebene Stereoanlage, mit der über Lautsprecher das gesamte Dorf beschallt wird.

Vor den Radiolautsprechern wird der von den Taifunen nasse Reis ausgekehrt, in der Hoffnung, noch etwas davon nutzen zu können.

Während die Mediziner behandelten, hatten Koordinator David Hoffmann und ich abermals die Möglichkeit, mit dem Bürgermeister des Behandlungsortes ein Assessment der Situation des Dorfes durchzuführen. Immer wieder hören wir von ähnlichen Situationen: die Häuser wurden zerstört, die Dächer abgetragen, viele Familien sind bei Verwandten oder Nachbarn untergekommen.

Die Länder und somit die Ernte wurden ebenfalls zerstört, also fehlt Einkommen für Nahrung und neue Samen, um neue Pflanzen auszusäen.

Reis stellt das Hauptnahrungsmittel der Philippiner dar und ist Bestandteil von beinahe jeder Mahlzeit. Foto:humedica/Margret Müller.

Trotz der ausweglos erscheinenden Situation warteten alle Patienten geduldig und geordnet auf die ärztliche Behandlung oder den Arzt, lächelten, überraschten uns immer wieder mit Witzen, warmen Lächeln und Interesse an uns und unserem Einsatz.

Sehr viele der 177 Patienten, die heute zu uns kamen, benötigten dringend Medikamente gegen die Beschwerden, die durch die extreme Feuchtigkeit ausgelöst wurden oder gegen chronische Krankheiten. Außer uns gibt es für sie einfach keine Möglichkeit, zu einem Arzt zu gehen.

In dem gesamten Bezirk arbeitet nur eine Ärztin, die auch Medizin ausgeben könnte, wenn sie diese denn hätte. Leider ist dies auch ohne vorangegangene Katastrophe nicht oft der Fall. Eine Fahrt zur Ärztin muss zur Hälfte von den Familien gezahlt werden und wie wir heute wieder selbst erlebt haben, kann die Fahrt an sich bereits zu einer Mission werden.

Zum Zeitpunkt der Abfahrt in unser Nachtquartier begann es zu regnen. Die Niederschlagsmengen, bei denen wir in Deutschland bereits davon sprechen, dass es den Tag über „aus Gießkannen schüttet“, wird hier innerhalb von 15 intensiven Minuten wie aus einem Kübel über uns ausgekippt.

Auf der Rückfahrt lernten wir die Konsequenzen am eigenen Körper kennen: ganze Landstriche mutierten zu reißenden Strömen, deren mondlandschaftsartiger Grund nicht mehr zu sehen war. Die Fahrt, die eigentlich nur 30 Minuten dauert, verwandelte sich somit in einen drei Stunden dauernden Trip.

Der Weg ist oftmals kein leichter: Bloßen Fußes überquert ein älterer Philippiner eine steinige Straße. Foto: humedica/Margret Müller.

Sofern man in dieser Situation von etwas Positivem sprechen kann, haben wir dennoch auch das erlebt: während der langen Warte- und Wate-Zeiten konnten wir die Hilfsbereitschaft und die Solidarität der Philippiner wie schon so oft mit offenem Mund beobachten.

Sie hatten Menschenreihen gebildet und füllten die besonders tiefen Stellen unter Wasser mit schweren Steinen aus, damit Autos darüber fahren konnten. Ein Mann trug sein Fahrrad durch alle reißenden Ströme, um seine Frau abzuholen und trocken nach Hause zu bringen. Überall standen Jeeps oder schwere Laster bereit, um steckengebliebene Autos abzuschleppen.

Und junge Männer trugen Gegenstände von einer Seite zur anderen, solange es für die Autos noch zu gefährlich war. Wir waren sprachlos und bewegt von diesem starken Zusammenhalt.“

Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland ermöglichte die Entsendung der ersten medizinischen humedica-Teams auf die Philippinen. Sie können es mit Ihrer Spende möglich machen, darüber hinaus den Menschen nachhaltige Hilfe zukommen zu lassen. Bitte helfen Sie uns. Vielen Dank!

      humedica e.V.
      Stichwort „Fluthilfe Asien“
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Sicher, schnell und direkt ist die Möglichkeit der sms-Spende: Textmitteilung mit Stichwort DOC an die 8 11 90. Von den damit gespendeten 5,- Euro fließen 4,83 direkt in die humedica-Katastrophenhilfe.

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