humedica in Sri Lanka - Hilfe und Freundschaft

von Sven Ramones, 11.04.2011

Viele Jahre lang engagiert humedica sich bereits dafür, humanitäre Hilfe zu bedürftigen Menschen in Sri Lanka zu bringen. Ebenso lang wie das Engagement besteht, ist auch die gemeinsame Geschichte, die humedica und den südasiatischen Inselstaat verbindet.

Vertrieben von Krieg und Leid lebten unzählige Menschen, wie hier in Jaffna, über Jahre hinweg in Flüchtlingslagern. Foto: humedica

In unserer Reihe „Sri Lanka: Hilfsprojekte für den Neuanfang“ möchten wir Ihnen berichten von der langjährigen Verbindung einer deutschen Hilfsorganisation mit dem Land vor der Küste Indiens und den Menschen, die in ihm leben. Wir stellen außerdem die vielfältigen Projekte vor, die humedica in Sri Lanka betreibt.

Erfahren Sie im dritten Teil unserer Serie mehr zu der Entstehung der humedica-Tochterorganisation humedica International Lanka und den Hilfsbemühungen von humedica Deutschland in Sri Lanka nach dem verheerenden Tsunami im Jahr 2004.

Gemeinsam mit dem sri-lankischen Pastor Sam Rajasuriar hatte Wolfgang Groß unter enormen Anstrengungen und Gefahren für Leib und Leben seit Anfang der 1990er Jahre wiederholt Lebensmittel und andere Hilfsgüter zu den Flüchtlingen in die Bürgerkriegsregionen im Norden Sri Lankas gebracht.

Der andauernde Kampf zwischen der sri-lankischen Armee und tamilischen Rebellen hatte bis Mitte der 90er Jahre bereits zahlreiche Opfer gefordert und unzählige Kinder zu Waisen oder Halbwaisen gemacht. Um zumindest einigen von ihnen ein neues Heim geben zu können, hatte Pastor Sam zu dieser Zeit die Idee, ein Waisenhaus für Kriegswaisen zu gründen.

Für viele Kinder, die ihre Angehörigen während des Bürgerkriegs verloren hatten, wurde das "House of Children" in Manipay zu einem neuen Zuhause. Foto: humedica

„So haben wir 1994 das „House of Children“ eröffnet, in einem Haus in Manipay, das uns eine nach Australien ausgewanderten Tamilin mietfrei zur Verfügung stellte. Es wurde eine juristische Person benötigt, deshalb haben wir die gemeinnützige Organisation humedica International Lanka mit Sam Rajasuriar als Vorsitzendem gegründet." berichtet Wolfgang Groß.

Der zu diesem Zeitpunkt herrschende Waffenstillstand wurde im Herbst 1995 erschüttert durch den Einmarsch sri-lankischer Truppen nach Jaffna. Die Rebellengruppe der „Befreiungstiger von Tamil Eelam“ forderte daraufhin alle Bewohner der Halbinsel auf, in die von den Rebellen kontrollierte südlich gelegene Vanni-Region zu ziehen.

Auch das „House of Children“ musste über Nacht infolge der erneuten Eskalation des Konflikts evakuiert werden. Gemeinsam mit zwei Kindern, die keinerlei Angehörige mehr hatten und verschiedenen Gemeindemitgliedern, reihten sich die Mitarbeiter von humedica International Lanka in den gewaltigen Flüchtlingsstrom ein.

Nach wochenlangen Strapazen auf der Flucht gelang es Sam Rajasuriar mit Wolfgang Groß Kontakt aufzunehmen: „Per Funk hat Sam es geschafft, über das Internationale Rote Kreuz einen Hilferuf an mich abzusetzen. Er hat mich dringend um Hilfe gebeten für die Flüchtlinge aus Manipay. Ich bin sofort nach Sri Lanka aufgebrochen und habe ihnen Geld gebracht, damit sie sich versorgen konnten.“ schildert Wolfgang Groß die Situation.

Pastor Sam Rajasuriar (rechts) im Lager Mankulam. Über Jahre hinweg begleitete der enge Freund von humedica Flüchtlinge in ihrer Not. Foto: humedica

Durch die großzügigen Zuwendungen der humedica-Spender konnte Pastor Sam unter großen persönlichen Opfern ein Flüchtlingslager im Dschungel der Vanni-Region aufbauen. Anderthalb Jahre lang lebten hier 120 Familien, bevor sie im Frühjahr 1997 auf die Jaffna-Halbinsel zurückkehren konnten.

In den Folgejahren reiste Wolfgang Groß immer wieder mit Hilfs- und Versorgungsgütern im Gepäck nach Jaffna. Die humedica-Projekte für notleidende Menschen in Sri Lanka wuchsen in dieser Zeit beständig an. Bis heute unterhält humedica allein im Norden des Landes unter anderem drei Ambulanzstationen mit Dentalklinik, sowie 14 Kindergärten und eine Schule mit einem Schülerwohnheim.

Ein Tsunami erschüttert Sri Lanka

Am 26. Dezember 2004 ereignete sich vor der Küste Indonesiens ein schweres Erdbeben. Die acht humedica-Mitarbeiter, die zu dieser Zeit in Kaufbeuren hauptamtlich tätig sind, unterbrechen ihren Weihnachtsurlaub, um erste Hilfsmaßnahmen für die betroffene Region einleiten zu können.

Verheerende Zerstörungen hinterließ der Tsunami im Jahr 2004 in weitläufigen Regionen Sri Lankas. Foto: Georg Hilgemann

„Als wir gehört haben, dass ein Tsunami von dem Beben ausgelöst wurde, der auch auf Sri Lanka schwere Zerstörungen angerichtet und zahlreiche Menschenleben gefordert hat, haben wir uns entschlossen, medizinische Hilfsteams in die Katastrophengebiete in Sri Lanka zu schicken.“ erläutert Wolfgang Groß die Ereignisse.

An Bord eines Leerflugs der Fluggesellschaft LTU, mit dem Touristen aus Sri Lanka ausgeflogen werden sollten, erreicht das humedica-Team bereits am 27. Dezember samt Ausrüstung und Hilfsgütern von Deutschland aus das Einsatzgebiet.

„Ich hatte in der Eile nur meinen Personalausweis mitgenommen und konnte nicht nach Sri Lanka einreisen. Da sah den langjährigen Stationmanager von LTU, Herrn Gunaratne, der mir mitteilte, dass in Kürze ein Vertreter der deutschen Botschaft zum Flughafen kommen würde, um für Touristen, die im Tsunami ihren Reisepaß verloren hatten, Ersatzdokumente auszustellen.“ erinnert sich Groß.

Sam Rajasuriar und Wolfgang Groß erreichten mit den medizinischen Einsatzkräften von humedica und Journalistenteams als erste die Katastrophengebiete im Norden Sri Lankas. Foto: humedica

„Mithilfe des Botschaftsvertreters habe ich vorläufige Reisepapiere erhalten und konnte schließlich doch nach Sri Lanka einreisen.“ so Wolfgang Groß weiter. „Danach haben wir das Gesundheitsministerium aufgesucht, um unser Team im Land anzumelden. Dort haben wir einen tamilischen Arzt getroffen, der sich außerordentlich darüber gefreut hat, dass wir Hilfe in den Norden bringen wollten. Er hat uns die notwendigen Formulare ausgestellt, um die Checkpoints von Militär und Rebellen überwinden und auf dem Landweg nach Jaffna gelangen zu können.“

Journalistenteams - unter anderem des deutschen Fernsehens - schlossen sich den humedica-Einsatzkräften an und begleiteten die Hilfsaktion in den betroffenen Regionen. Nur durch die Genehmigungen, die das humedica-Team mit sich führte, war es ihnen möglich, durch das Sperrgebiet hindurch die betroffenen Regionen zu erreichen.

Dank dieser Presse-Aufmerksamkeit, die humedica als erstes Team internationaler Hilfe im Katastrophengebiet in der Öffentlichkeit erfahren hatte, erreichte die Organisation ein großartiges Spendenaufkommen.

Es ist insbesondere der finanziellen Unterstützung der Freunde und Förderer von humedica aus Deutschland geschuldet, dass neben der medizinischen Versorgung auch weitere humanitäre Hilfsmaßnahmen für die Opfer des Tsunamis organisiert werden konnten.

Medizinische Versorgung für Opfer der Tsunamikatastrophe. humedica-Arzt Ulrich Seemann und seine Teamkollegen brachten schnelle Hilfe. Foto: Georg Hilgemann

„Über zwei Jahre lang haben wir nach dem Tsunami in Sri Lanka Hilfe geleistet. Das Hospital von Point Pedro konnte so renoviert, sowie zwei Traktoren gekauft werden, die mit angehängten Tanks dringend benötigtes Trinkwasser in die Flüchtlingscamps bringen konnten.“ weiß Wolfgang Groß.

„Außerdem wurden 1250 neue Boote für Fischer gebaut, deren Boote durch den Tsunami zerstört worden waren. Für humedica International Lanka konnten wir ein Schnellboot kaufen, das als Ambulanzschiff genutzt wird.“ so Groß weiter. Kranke und Verletzte von der Insel Delft können mithilfe des Schiffs in das Jaffna General Hospital auf der Hauptinsel transportiert werden.

Angesichts der unzähligen Familien in Sri Lanka, die noch immer unter den Folgen von Bürgerkrieg, Naturkatastrophe und Armut leiden, war es Wolfgang Groß schließlich ein besonderes Anliegen, auch diesen Menschen zu helfen. Zur Versorgung der notleidenden Familien in Sri Lanka wurde das humedica-Familienpatenschaftsprogramm ins Leben gerufen.

Mit diesem Programm wird den Familien eine grundlegende Versorgung gesichert durch den Zugang zu Lebensmitteln, Gütern des täglichen Bedarfs, Kleidung, Gesundheit und Ausbildung.

Das Familienpatenschaftsprogramm von humedica wurde bis heute auf weitere Länder ausgeweitet. Nach den Anfängen in Sri Lanka erfahren so auch Familien in Brasilien, Haiti und Äthiopien Unterstützung durch das Versorgungsprogramm.

Mehrere Tonnen Hilfsgüter erreichten mit humedica auf dem Landweg die Menschen in den betroffenen Regionen im Norden Sri Lankas. Foto: humedica

humedica und Sri Lanka blicken mittlerweile auf eine lange gemeinsame Geschichte von beinahe dreißig Jahren zurück. humedica in Deutschland wird auch in Zukunft das Engagement für die Menschen in Sri Lanka fortsetzen und die Arbeit von humedica International Lanka mit allen möglichen Mittel unterstützen.

Fast von Anfang an hat Sri Lanka humedica begleitet. Die besondere Verbindung, die aus der gemeinsamen Vergangenheit mit dem Inselstaat im Indischen Ozean und den Menschen in und aus diesem Land entstanden ist, kennzeichnen das besondere Verhältnis von humedica, Wolfgang Groß und Sri Lanka.

Mit unserer Serie „Sri Lanka: Hilfsprojekte für den Neuanfang“ möchten wir ihnen in den kommenden Tagen die verschiedenen Arbeitszweige von humedica in dem Inselstaat vorstellen. Erfahren Sie im nächsten Teil unserer Reihe mehr zu unserem Engagement im Süden und im Norden des Landes.

An der Seite der Menschen von Sri Lanka. Die Hilfe von humedica erreichte in vielen vielen humanitären Notlagen die Betroffenen im Land. Foto: Georg Hilgemann

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