Grundstein gelegt für neue Häuser - und neue Zukunft

von Ruth Bücker, 12.09.2011

Fragt man Teilnehmer eines humedica-Ärzteteams während oder nach ihrem Hilfseinsatz, was sie neben der geleisteten medizinischen Hilfe am meisten bewegte, beinhaltet die Antwort vieler die große Dankbarkeit der Menschen, die alle Strapazen in den Hintergrund stellt.

Selten habe ich selbst eine so große Dankbarkeit erfahren dürfen wie bei der Projektreise nach einem Jahr geleisteter Hilfsmaßnahmen in Pakistan. Die Fortschritte und Verbesserungen der Lebensumstände sind beeindruckend. Zu sehen, wie die Rahmenbedingungen für ein neues Leben entstanden sind, wie tausenden Menschen mit einem Haus geholfen werden konnte, war unbeschreiblich. Eine von ihnen, denen geholfen wurde, ist Kaneez Fatima.

Zurückgekehrte Hoffnung

Kaneez Fatima ist Mutter von drei Kindern. Die Fluten im August 2010 zerstörten ihr Haus samt Einrichtung und nahmen ihr damit alles ihrer Lebensgrundlage. Mit ihr verloren hunderte weitere Dorfbewohner all ihr Hab und Gut und die Zukunftsperspektive, die in dem Bewirtschaften der Felder lag, welche nach den Schlammlawinen keinerlei Ernte abwarfen.

Dank der Wiederaufbauprojekte konnten hunderte Familien bereits in ihre neuen, sicheren Häuser einziehen. Foto: humedica/Ruth Bücker

Kaneez ist Witwe und seit dem Tod ihres Mannes vor fünf Jahren zieht sie ihre zwei Töchter und den Sohn mit einem Einkommen von weniger als einem Euro pro Tag alleine groß. Sie unterrichtet die Frauen ihrer Dorfgemeinschaft in den Lehren des Korans und erhält dafür zusätzlich eine kleine Stütze in Form von Naturalien.

Bevor die schweren Monsunregenfälle alles zerstörten, besaßen Kaneez und ihre Kinder zumindest noch eine Kuh, die für Milch, Joghurt und Butter sorgte. Nach den Überschwemmungen hatten sie auch diese verloren.

Als wir abends um neun Uhr schlafen gingen, war noch alles gut“, berichtet die alleinerziehende Mutter rückblickend. „Die Warnungen über Lautsprecher trafen uns unvorbereitet und es ging so schnell, dass wir nichts einpacken konnten.

Alle waren in Panik. Kinder und Frauen weinten und das Vieh war in großer Unruhe. Es war eine Stimmung wie am Tag des Jüngsten Gerichts. Ich nahm meine Kinder, band unsere einzige Kuh los und bat meinen Sohn, auf sie aufzupassen und mir zu folgen.

Um zu einem höher gelegenen und sicheren Ort zu gelangen, mussten wir sieben Kilometer laufen. Dieser Marsch in Dunkelheit und auf unsicheren und unbefestigten Wegen war eine schreckliche Erfahrung. Während des Weges traf mich die Erkenntnis hart, alles zurückgelassen zu haben, und Tränen stiegen in mir auf.

Dann geriet auch noch unsere Kuh in Panik und rannte ziellos in die Dunkelheit. Ich konnte meinem Sohn noch sagen, dass er das Seil, an dem er sie führte, loslassen solle und vermutlich rettete ihm das das Leben. Unsere einzige Kuh aber war verloren. Ebenso wie unser Haus, unsere Einrichtung, einfach alles.

Kaneez Fatima ist eine von 550 Familien, deren Hoffnung auf eine bessere Zukunft zurückgehrt ist. Foto: humedica

Diese Gedanken plagten und quälten mich die darauffolgenden fünf Tage, die wir nicht in unser Dorf zurück, sondern nur abwarten konnten. Als wir schließlich gemeinsam wieder zurückgingen, wurden diese Befürchtungen zur bitteren Wahrheit: wir hatten alles verloren.

Seit diesem alles verändernden Zeitpunkt der Gewissheit vor einem Jahr, konnte humedica mit lokalen Partnern viel erreichen. Kaneez wohnt heute mit ihrer zweitältesten Tochter und ihrem Sohn in dem neu errichteten Haus, während die ältere der beiden Töchter einen Mann aus demselben Dorf heiratete und mit ihm zusammenzog.

Den Lebensunterhalt bestreitet Kaneez, die weiterhin unterrichtet, gemeinsam mit ihrem Sohn, der in der Dorfgemeinschaft eine Tätigkeit bekommen hat, und ihrer Tochter, die gegen ein geringes Entgelt Kleidung und Stoffe bestickt.

Hoffnung für hunderte Familien

Kaneez Fatima, Inayat Ullah und Niaz Ali Khan sind Menschen, die hinter den beachtlichen Zahlen der humedica-Wiederaufbauprojekte in Pakistan stehen. Während des vergangenen Jahres konnten im Norden des Landes für 400 Familien Häuser wiederaufgebaut werden.

Mit in Pakistan hergestellten Betonblöcken gelang es nicht nur, den Familien ein neues und sicheres Zuhause zu errichten. Darüber hinaus wurden dank dieser Maßnahmen auch die örtlichen Gemeinschaften einbezogen und Arbeit für die jeweiligen Dorfbewohner beschafft.

In der momentan laufenden zweiten Phase der Wiederaufbauhilfe erhalten weitere 324 Familien Hilfe beim Wiederaufbau ihrer Häuser. Dies bedeutet den Anfang in eine perspektivenreiche Zukunft für weitere 1.700 Kinder, Frauen und Männer, die im vergangenen August durch die Fluten alles verloren und bis vor Kurzem in Zelten leben mussten.

Neben dem Unterernährungsprogramm und den Bildungsmöglichkeiten im Süden des Landes hilft humedica auch dort im Bereich des Wiederaufbaus. 150 Häuser konnten dort wiederaufgebaut werden.

Dass die finanziellen Mittel für die Hilfsmaßnahmen vorhanden waren, verdanken wir Ihnen, liebe Freunde und Förderer. Darüber hinaus gilt unserer besonderer Dank den durchführenden Mitarbeiternder unserer Partnerorganisationen Aid for Refugees and Orphans Pakistan und Pakistan Mission Society im Norden und Partner Aid International im Süden Pakistans. Herzlichen Dank für eine großzügige Spende gebührt auch BILD hilft e.V. - Ein Herz für Kinder.

Nach einem Jahr humedica-Wiederaufbauhilfe

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