Mit spezieller Nahrung und Aufklärung gegen die Unterernährung

von Heidi Nicklin, Ruth Bücker, 29.03.2011

Andauernder Hunger, Unter- und Mangelernährung führen zu einer Reihe von gravierenden Mangelerscheinungen. Der Körper versucht zunächst den Mangel auszugleichen, indem die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit gedrosselt wird. Konzentrationsschwäche ist aber ein vergleichsweise geringes Problem bei Mangelerscheinungen.

Gravierender dagegen ist die Folge, dass das Immunsystem geschwächt wird und vermeintlich harmlose Erkrankungen wie Durchfall, Masern oder Atemwegserkrankungen einen tödlichen Ausgang nehmen können. Schätzungen des Welternährungsprogramms (WFP) zufolge sterben jedes Jahr mehr als zehn Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag, 53 Prozent der Todesfälle sind bedingt durch Hunger und Mangelernährung.

Ein halbes Jahr nach den Fluten leben immer noch zahlreiche Menschen in Zelten unter schlimmen Bedingungen. Foto: humedica/Toni Großhauser

In Pakistan hatten schwere Fluten im August 2010 Schätzungen zufolge 1700 Todesopfer zur Folge. Etwa 20 Prozent der Landesfläche waren überschwemmt und zerstört worden. Mehr als 15 Millionen Menschen waren von den Wassermassen und der zurückgebliebenen Zerstörung betroffen, darunter über acht Millionen Kinder.

Bereits vor dieser Katastrophe waren die Ausmaße von Unter- und Mangelernährung alarmierend. Die Überschwemmungen verschärften die Situation insbesondere der in ländlichen Gegenden lebenden Menschen zusätzlich und hatten zur Folge, dass die Möglichkeit zur Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln drastisch abnahm.

Insbesondere Kinder unter fünf Jahren und schwangere oder stillende Frauen sind von den Folgen der Unterernährung betroffen. Studien zufolge sind 23 Prozent der Kinder in Pakistan aufgrund von Unterernährung kleinwüchsig. Viele von ihnen sterben noch vor Erreichen ihres fünften Lebensjahres, da sich ihre Körperorgane nicht voll funktionsfähig ausbilden konnten.

Um Kinder von den Folgen der Mangel- und Unterernährung zu schützen, betreibt humedica seit Oktober 2010 mit Unterstützung von Sternstunden e.V. und dem lokalen Partner Riverside Slum Children Project in dem am stärksten von Hunger betroffenen Bezirk Sindh ein Programm zur Versorgung und weiteren Prävention von Unterernährung. Im Rahmen dieses Projekts führt humedica auch Behandlungen mit mobilen Kliniken durch.

Stellvertretend für die vielen Kinder, denen wir dank Sternstunden e.V. und Ihrer Spenden auf verschiedenen Wegen helfen konnten, möchten wir Ihnen hier gerne die Schicksale und Genesungswege ein paar weniger Mädchen und ihrer Familien vorstellen.

SHABANA

Shabana ist ungefähr zehn Monate alt. „Ungefähr“, da die Mütter meist Zuhause gebären, keine Geburtsurkunde existiert und insbesondere Frauen nie die Gelegenheit bekamen, Zählen oder Rechnen zu erlernen.

Die kleine Shabana: leider kein Einzelfall in Pakistan. Foto: humedica/Heidi Nicklin

Als humedica-Koordinatorin Heidi Nicklin die kleine Shabana zum ersten Mal traf, wog sie 3,5 Kilogramm und war sehr schwach. Die Mutter hatte nicht genügend Milch und gab der Kleinen in ihrer Verzweiflung, aber mit den besten Absichten, Büffelmilch zu trinken. Wie gefährlich dies für die Organe des Säuglings sind, wusste die Mutter zu diesem Zeitpunkt nicht.

Aufgrund von Shabanas Zustand und der weiteren Umstände beschloss Heidi Nicklin, dass es für die Kleine das Beste sei, in einem auf Unterernährung spezialisierten Krankenhaus behandelt zu werden. Mutter und Tochter konnten in die Klinik transportiert und dort behandelt werden. Der Mutter wurde in Schulungen erklärt, warum Büffelmilch schlecht für ihr Kind ist und wie sie Shabana in Zukunft stattdessen füttern solle.

SABIA

Sabia ist anderthalb Jahre alt und wiegt gerade einmal etwas mehr als vier Kilogramm. Sie ist das jüngste von sechs Kindern. Voller Zweifel weigerten sich die Eltern zunächst, die von humedica verteilte und für ihr kleine Tochter lebensnotwendige Zusatznahrung anzunehmen.

Nach vielen Treffen und ausführlichen Erklärungen und Ausführungen über den Gesundheitszustand ihres jüngsten Kindes, stimmten die Eltern schließlich doch zu, Sabia die hochkalorische Zusatznahrung zu geben und sie aufgrund einer Tuberkuloseerkrankung ins Krankenhaus bringen zu lassen. Sie wollten, dass ihr Kind überlebte.

MADJA

Madja hat den kritischen Zustand der Unterernährung für den Moment überwunden. Aufklärungskampagnen bei den Müttern hilft dabei, diesen Status beizubehalten. Foto: humedica/Heidi Nicklin

Madja ist sechs Monate alt und ihre Mutter hat nicht genügend Milch zum Stillen, so dass die Kleine stets an ihren Fingerchen nuckelte, weinte und Hunger hatte. Die kleine Familie lebt in der Nachbarschaft einer der humedica-Einsatzorte, an dem medizinische behandlungen angeboten werden.

Als die junge Mutter von humedica hörte und dass ihr und dem kleinen Mädchen dort geholfen werden könne, packte sie ein paar Habseligkeiten zusammen und wurde umgehend von humedica-Koordinatorin in eine spezielle Klinik gebracht.

Madja geht es inzwischen sehr viel besser, sie hat an Gewicht zugelegt und ihre Mutter ist durch die angelaufene Genesung ihrer Tochter etwas weniger angespannt. Ihre Sorge sieht man ihr aber dennoch an, mehr als bei anderen Frauen. Zwei Babys hat sie bereits verloren, da sie ihnen nicht genügend Milch geben konnte. Madja hingegen wird leben.

Einzelschicksale, aber keine Einzelfälle

Vielen Frauen ergeht es ähnlich wie Madjas oder Sabias Müttern: selber mangelernährt, kann ihr Körper nicht genügend Milch für ihre Kinder produzieren. Dies war auch die Ursache für eine anfängliche Mangelernährung eines weiteren kleinen Jungen, von dem Koordinatorin Heidi Nicklin berichtete.

Die Genesung des Jungen und die Aufklärung der Mutter waren für humedica-Koordinatorin "das größte Erfolgserlebnis". Foto: humedica/Heidi Nicklin

Die Mutter erhielt von humedica Babymilch und der Frau wurde gezeigt, wie sie diese ihrem Kleinen zuführen solle. Darüber hinaus wurden ihr weitere Möglichkeiten aufgezeigt, ihr Baby mit günstigen, einheimischen und für Babys geeigneten Nahrungsmitteln zusätzlich zu versorgen.

Bei regelmäßigen Besuchen war deutlich sichtbar, welche Fortschritte die junge Frau machte und wie es ihrem Sohn von Treffen zu Treffen besser ging. „Dies ist für mich persönlich das größte Erfolgserlebnis!“, freut sich Heidi Nicklin.

Bei Shabana, Madja und Sabia konnte dank der eingegangenen Spenden und dank der dadurch ermöglichten Hilfsmaßnahmen dem Zustand der Unterernährung entgegengewirkt werden. Zusätzlich wurden stillende und schwangere Mütter in Aufklärungstreffen darin unterrichtet, auf was sie bei der Ernährung ihrer Kinder achten müssen.

Darüber hinaus werden Schulungen des einheimischen Personals der Partnerorganisation Riverside Slum Children Project durchgeführt, damit Mitarbeiter Unterernährung erkennen und wissen, wie sie diese Mangelerscheinungen durch von humedica bereitgestellte Hilfsgüter behandeln können.

Diese kleinen Kinder zu sehen und den Erfolg, den humedica bei ihnen und vielen anderen erreichen konnte, erfüllt das humedica-Team in Deutschland wie in Pakistan mit großem Dank. Bitte helfen Sie uns weiterhin bei unserer Hilfe, die da ansetzt, wo Leben gerettet werden können. Vielen Dank!

      humedica e.V.
      Stichwort "Fluthilfe Pakistan"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Unterstützung können Sie uns auch über unser Online-Spendenformular zukommen lassen oder durch das Senden einer sms: Stichwort DOC an die 8 11 90 und von den auf Ihrer Handyrechnung vermerkten 5 Euro kommen 4,83 Euro unmittelbar der humedica-Projektarbeit zu Gute.

"Ein Land mit Kindern ist ein Land mit Zukunft. Kindern Leben zu schenken, sie groß zu ziehen, ist dem Tun des Försters vergleichbar, der einen Baum pflanzt." (Helmut Kohl)

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