Vereinzelte Hirsestängel sind alles, was übrig blieb

von Maren Kuchler/RBU, 16.06.2011

Während die Menschen in Deutschland den Sommer herzlich willkommen heißen, ist in Namibia der Winter angebrochen. Temperaturen um den Gefrierpunkt sind für manche Familien, die ohnehin wenig zum Leben haben, jedes Jahr eine Herausforderung.

Auch wenn es aufgrund dieses Bildes kaum vorstellbar ist: nachts sinken die Temperaturen bis auf den Gefrierpunkt. Foto: humedica/Maren Kuchler

Dieser Winter allerdings, der bereits die ersten Schneefälle mit sich brachte, birgt aufgrund der vorangegangenen Fluten eine das jährliche Maß überschreitende - ja, dieses Jahr eine existenzielle Bedrohung.

humedica-Koordinatorin Maren Kuchler arbeitet seit einem Monat in Namibia, um den Menschen zu helfen, denen das Wasser alles nahm: Heim, Nahrung, Lebensgrundlage. Wir möchten Sie gerne an Marens Bericht teilhaben lassen, in dem sie von den bedrohlichen Ausmaßen der stillen Katastrophe in Namibia berichtet:

„Vor allem Hirse steht im Ovamboland, im Norden Namibias, auf dem täglichen Speiseplan. Dazu kommen Fleisch und Milch von den Rinder- und Ziegenherden. Eigentlich sollten die Vorratslager jetzt prall gefüllt sein, denn die jährliche Erntezeit Ende Mai/ Anfang Juni ist gerade vorbei.

Doch nach der Flut, die den Norden des Landes im März und April dieses Jahres traf, ist die Lage grundlegend anders. Viele Felder wurden durch die Wassermassen zerstört, die Ernte fiel sehr gering aus. Übrig geblieben sind vielerorts lediglich einzelne Hirsestängel. Auch viele Tiere sind im Wasser ertrunken. Die Lebensgrundlage vieler Menschen ist zerstört.

Besorgniserregend ist die Situation vor allem in den ländlichen Gebieten, fernab der Hauptstraße. Viele Familien, die alles verloren haben, sind bei Verwandten oder Freunden untergekommen, sie wollten in der Nähe ihrer Häuser und ihres Lands bleiben, um wenigstens ein Auge darauf haben zu können. Doch nun sind auch die letzten noch vorhandenen Nahrungsmittelvorräte der „Gastfamilien“ aufgebraucht.

Was als Lebensgrundlage für eine Familie diente, wurde durch die Überschwemmungen zerstört: ein Hirsefeld, welches zum jetzigen Zeitpunkt ursprünglich hätte abgeerntet sein sollen. Foto: humedica/Maren Kuchler

Auch den Familien, die aufgrund des gesunkenen Wassers in ihre Häuser oder Hütten zurückkehren konnten, fehlt es an grundlegenden Dingen wie Essen, sauberem Wasser oder Decken.

Dazu kommen sinkende Temperaturen, es ist kalt in Namibia. Obwohl hier im Norden kein Schnee fällt - wie dies noch in der Hauptstadt Windhoek vergangene Woche der Fall war - kühlt es nachts auf Null Grad herunter. Besonders die Kinder leiden unter der Kälte.

Die Menschen, die nicht bei Verwandten oder Freunden unterkommen konnten und auch nach dem Sinken des Wasserpegels keine Möglichkeit haben, in ihr Heimatdorf zurückzukehren, leben immer noch unter einfachsten Bedingungen in Auffanglagern.

Als Unterkunft dienen Zelte, in denen bis zu zehn Personen hausen. Für die Errichtung von Toiletten werden einfache Planenkonstruktionen verwendet. Die hygienischen Bedingungen sind mit denen in Europa nicht zu vergleichen - und aus deutscher Sicht auch kaum vorstellbar.

humedica wird sich vor allem auf die Menschen in den ländlichen Gebieten konzentrieren, die bisher noch kaum Hilfeleistungen erhalten haben. Mais, Bohnen und Öl, aber auch Decken, Moskitonetze, Seife sowie Wasserkanister und -desinfektionslösung sind bestellt. Im Moment warten alle darauf, dass die Hilfsgüter im Warenlager ankommen und sobald wie möglich verteilt werden können.“

"Bisher sind glücklicherweise keine Seuchen ausgebrochen", schreibt Projektsachbearbeiter Florian Klinner. Wobei man angesichts der hygienischen Bedingungen von einer Bewahrung sprechen kann. Foto: humedica/Florian Klinner

Um über diese ersten Verteilungen- die dank der großzügigen Unterstützung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland ermöglicht wurden - hinausgehende, weitere Hilfsmaßnahmen gemeinsam mit den Koordinatoren in Namibia zu planen, reiste vor wenigen Tagen der zuständige Projektsachbearbeiter Florian Klinner in das südwestafrikanische Land.

Unserem Team vor Ort - Jörg Eich, Maren Kuchler und Andrew Johnson - das die Verteilung von Hilfsgütern wie Moskitonetzten als Malariaprophylaxe, Nahrungsmitteln und Decken koordiniert, gilt neben Ihnen, liebe Freunde und Förderer, ein besonderer Dank.

Unterstützen Sie bitte unsere Arbeit in Namibia, unterstützen Sie durch Ihre Spende unser Team bei seinen Anstrengungen, Nächstenliebe in Aktion zu leben. Die Hilfsgüter können Sie gemeinsam mit uns durch eine Online-Spende ermöglichen oder selbstverständlich auch auf dem traditionellen Weg durch eine Überweisung auf folgendes Konto:

      humedica e.V.
      Stichwort „Fluthilfe Namibia
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Bitte helfen Sie uns auch mit einer sms: Stichwort DOC an die 8 11 90 senden und von den abgebuchten 5 Euro tragen Sie mit 4,83 Euro unmittelbar zur Arbeit von humedica bei. Vielen Dank!

Ihr Browser ist veraltet!

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um diese Website korrekt darzustellen.

Den Browser jetzt aktualisieren×