Die Erinnerungen werden bleiben

von Matthias Völkner/RBU, 21.10.2011

Das Duncan Hospital ist ein kleines Missionskrankenhaus im indischen Raxaul an der nepalesischen Grenze. In Bihar, einem der ärmsten Staaten des Landes, stellt es vermutlich den wichtigsten Versorger für Kranke und Schwerstkranke in der Region dar.

Rettungsassistent und Medizinstudent Matthias Völkner arbeitete vier Wochen ohne Bezahlung in Indien. Foto: humedica

Seit dem Jahr 2007 entsendet humedica regelmäßig Mediziner und Pflegekräfte in das Krankenhaus, um das einheimische Personal nachhaltig bei dieser wichtigen Arbeit für die Kranken und die Ärmsten der Region zu unterstützen. Matthias Völkner aus Tübingen ist einer von ihnen. Er machte sich Ende August dieses Jahres auf die Reise um zu helfen.

„Mein Einsatz im Duncan Hospital war für mich der erste humedica-Einsatz, in dem ich nicht als Koordinator sondern als medizinische Einsatzkraft arbeitete. Meine bisherige Tätigkeit mit humedica im Darfur und in Haiti war sehr von der jeweils aktuellen Katastrophenlage beeinflusst und von den Aufgaben als Koordinator geprägt, weswegen das Behandeln von Patienten in diesen Situationen für mich sehr kurz kam.

Meine Reise von Deutschland nach Indien ging von Stuttgart über Mailand zunächst nach Neu Delhi, wo ich von einem Mitarbeiter der Emmanuel Hospital Association (EHA), dem Träger des Duncan Hospitals, in Empfang genommen wurde. Es folgte eine 26 Stunden dauernde Zugfahrt nach Raxaul, dem Standort der Klinik, in der ich für die nächsten Wochen arbeiten sollte.

Das Krankenhaus befindet sich auf einem sehr großen Gelände, auf dem die Angestellten, Angehörige von Patienten und die Patienten selber untergebracht sind. Mir wurde sehr schnell bewusst, dass ich in einem Missionskrankenhaus arbeite, denn jeder Tag begann morgens mit einer Andacht, es gab sonntags zwei Gottesdienste und einen wöchentlichen Bibelkreis.

Die lokalen Ärzte und Krankenschwestern arbeiteten alle an ihrem Leistungsmaximum und so wurde mit sehr wenig Personal eine unglaubliche Arbeit geleistet.

Matthias Völkner beim Nähen einer Platzwunde am Kopf. Foto: humedica

Als Medizinstudent stand für mich das Lernen von den Oberärzten im Vordergrund. Mein indischer Kollege Dr. Sunil betreute mich während meines mehrwöchigen Aufenthalts und bei den Tätigkeiten im Operationssaal. Das Spektrum der Operationen erstreckte sich von Kaiserschnitten bis hin zu handchirurgischen Eingriffen.

Es wurden all die Patienten operiert, deren Behandlung sich die Chirurgen zutrauten und deren Beschwerden mit den Ressourcen der Klinik gelindert werden konnten. Ich wurde sehr schnell in diese Arbeitsabläufe integriert und so bekam ich bereits nach einer Woche eigene Aufgaben. Als ausgebildeter Rettungsassistent wurde ich Teil der Notaufnahme, um dort mein Wissen gezielt einzusetzen.

Viele Patienten wurden mit Vergiftungen durch Organophosphate eingeliefert, bei denen schnelles Handeln gefordert war. Ich legte Magensonden zur Entfernung des noch im Magen vorhandenen Giftes, legte Zugänge damit die Patienten schnell mit den nötigen Gegengiften behandelt werden konnten und kümmerte mich in Absprache mit dem diensthabenden verantwortlichen Arzt um die Sicherung der Atmung der Patienten.

An einem der Arbeitstage wurden fünf Patienten mit stark blutenden Platzwunden am Kopf in die Klinik eingeliefert. Um den diensthabenden Arzt zu entlasten, versorgte und nähte ich die Wunden im kleinen Operationssaal. Situationen wie diese, in denen ich selbst behandeln und die Patienten übernehmen konnte, gab es immer wieder. Die lokalen Ärzte freuten sich über diese Entlastung, da sie Zeit für zusätzliche Dinge hatten.

Besonders beeindruckend war für mich aber der Besuch im Drop-In-Center, wo Drogenabhängigen eine medizinische Versorgung und Seelsorge zuteil wird. Drogen sind in Indien frei käuflich und so kommen neben den Indern auch viele Nepalesen in die Grenzstadt Raxaul um hier Drogen zu erwerben und zu konsumieren.

Matthias Völkner und seine indischen Kollegen, die alle bis an ihr Leistungsmaxinum gehen - jeden Tag. Foto: humedica

Es war sehr eindrücklich für mich, die Arbeit der dortigen Mitarbeiter zu sehen. Viele der Drogenabhängigen haben noch nie Liebe und Zuwendung in ihrem Leben erfahren. Die Begegnung mit Christen im Drop-In-Center stellt für viele der Süchtigen den Einstieg vom Ausstieg dar.

Die Mitarbeiter investieren viel in ihre Arbeit, ein schneller Erfolg oder eine Änderung im Leben der Drogenabhängigen ist durch die hohe Fluktuation leider oft dennoch nicht zu sehen. Die Arbeit im Drop-In-Center hat mich an Jesu Wirken vor 2000 Jahren erinnert: Jesus ging nicht zu den Gesunden, er suchte die Kranken und Armen auf um ihnen zu helfen.

Ich bin sehr froh, dass ich diese Wochen im Duncan Hospital in Indien verbringen konnte. Zu sehen, mit welcher Liebe und mit welchem Einsatz das Krankenhauspersonal arbeitet, um den Menschen in Raxaul und Umgebung etwas Gutes zu tun, hat mich tief beeindruckt.

Ich habe letztlich nicht nur medizinisch sehr viel lernen können. Zu erleben, welches Gottvertrauen die Ärzte und Schwestern in schwierigen Situationen haben, wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.“

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