HUNGERHILFE AFRIKA: Zu Hause wartet nur der Tod - humedica-Team wechselt Standort

von Judith Kühl, 18.07.2011

Sie arbeiten in einem Gebiet, das wiederholt von einer schweren Hungerkatastrophe heimgesucht wurde. Viele Experten befürchten eine der schlimmsten je dagewesenen Hungersnöte in der Menschheitsgeschichte. humedica-Medienkoordinatorin Judith Kühl begleitet die medizinischen Einsatzkräfte bei Ihrer Arbeit an der äthiopisch-somalischen Grenze, kurz vor einem Standortwechsel in den Süden des Landes.

Fatimas Kampf ist ihr ins Gesicht geschrieben: Seit Jahren kämpft sie mit fünf Kindern gegen bitterste Armut. Foto: humedica/Judith Kühl

Ihr eingefallenes Gesicht ist von Sorgen gezeichnet. Müde sind die braunen Augen, gleichzeitig entschlossen, nicht aufzugeben: Den Kampf gegen Hunger und Tod. Seit Jahren kämpft Fatima gegen bitterste Armut. Ihre fünf Kinder sind alles, was sie noch hat. Ihr Ehemann, ein Kind und das gesamte Vieh sind bereits gestorben.

„Das Ausmaß der Hungersnot übertrifft alle Vorstellungen“, sagt ein einheimischer Mitarbeiter der niederländischen Hilfsorganisation ZOA. Auf die Frage, an welchem Ort die Not am größten ist, antwortet er energisch: „Überall! Die Menschen haben nichts. Nur noch ihr Leben!“

Auf den Straßen kauen die Menschen Khat. Die pflanzliche Droge wächst trotz Dürre. Sie wirkt stimulierend und lässt den Hunger vergessen.

Besonders hart trifft die Hungerkrise in Äthiopien die Menschen im Grenzgebiet zu Somalia. Die Region ist stark von der Dürre betroffen. Gleichzeitig ist der Ort zur Zuflucht von inzwischen 1,3 Millionen Flüchtlingen aus Somalia geworden. Im Nachbarland ist es noch schlimmer. Dort wartet nur der Tod, sagen sie. Auch Fatima hat einen langen, grausamen Weg hinter sich: Hunger und Tod als ständigen Begleiter.

Wie Fatima, lebt der Großteil der Menschen von der Landwirtschaft und der eigenen Herde. Die Dürre raubt den Menschen jede Möglichkeit der Eigenversorgung. Oft einen Tagemarsch von der nächsten befahrbaren Straße entfernt, leben die Menschen auf sich gestellt.

Die Herden sind klein, das Vieh mager geworden. Kinder laufen mit drei, vier dürren Schafen, Ziegen oder Rindern über die weite Einöde auf der Suche nach einer Wasserstelle. Beinahe aussichtlos, das Vieh und sich selbst am Leben zu halten. Wer kann, flieht weiter. Die Menschen wissen, auch hier wartet nur der Tod.

Fatimas Tochter Djamila: Auch bei der Vierjährigen hat die lange Mangelernährung deutlich sichtbare Spuren hinterlassen. Foto: humedica/Judith Kühl

Fatima lebt jetzt mit ihren fünf Kindern unter 5000 anderen Flüchtlingen in Xharschin, 135 Kilometer südöstlich der Stadt Jijiga. Auch in dem Camp kämpft sie weiter ums Überleben. Hilfe von außen ist bisher kaum angekommen. Ihre Kinder versorgt sie mit höchstens einer kleinen Mahlzeit am Tag. Mehr hat sie nicht.

Die jüngste Tochter Djamila wirkt geschwächt durch die Mangelernährung. Dr. Irmgard Harms untersucht die Vierjährige behutsam. Die auslandserfahrene Ärztin aus Bad-Hindelang arbeitet für die Hilfsorganisation humedica e. V.. Seit einer Woche ist sie mit einem medizinischen Notfall-Team im Land.

Djamila gehört zum Glück nicht zu den kritischen Fällen von Unterernährung. Wie jedes Kind hier ist sie aber ein Risikofall. Denn: Mangelernährung führt zu erhöhter Anfälligkeit von Erkrankungen, die erschöpfte Menschen oft nicht mehr bekämpfen können.

„Hoffentlich werde ich eines Tages, wieder eine Herde haben,“ sagt Fatima. Davon verspricht sie sich eine gesicherte Eigenversorgung. Die Mutter kämpft weiter. Nicht, weil sie weiß, dass sie gewinnen wird. Sie kämpft, um nicht mehr zu verlieren.

Unterdessen hat sich das Team auf den Weg in den Süden Äthiopiens gemacht, wo die Situation an der somalischen Grenze noch dramatischer sein soll. Sie werden in diesen Minuten in der Region Dolo Addo erwartet. Unser Engagement erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Kindernothilfe e. V. und mit freundlicher Unterstützung von Sternstunden e. V., der Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks: Herzlichen Dank für die großartige Hilfe und gute Zusammenarbeit.

humedica bittet die Bevölkerung in Deutschland dringend um konkrete Hilfe für die Menschen am Horn von Afrika in Form einer Online-Spende oder durch eine Überweisung auf das Konto:

      humedica e. V.
      Stichwort "Hungerhilfe Afrika"
      Konto 47 47
      BLZ 734 500 00
      Sparkasse Kaufbeuren

Ebenso können Sie uns mit einer sms unterstützen: senden Sie das Stichwort DOC an die 8 11 90 und von den abgebuchten 5 Euro fließen 4,83 Euro unmittelbar in die humedica-Katastrophenhilfe. Vielen Dank!

Der erfahrene Katastrophenmediziner und Präsident der Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin, Prof. Dr. Bernd Domres (Tübingen) und Judith Kühl (Lich/Dortmund) arbeiten an der äthiopisch-somalischen Grenze. Foto: humedica

Hinweis für Medienvertreter: Wir bieten interessierten Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit, unser medizinisches Hilfsteam in Äthiopien bei ihrer Arbeit zu begleiten. Zudem stehen die Einsatzkräfte bei Interesse für Telefon- und Live-Interviews zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich bei Interesse über folgende Kontaktdaten an humedica-Pressesprecher Steffen Richter.

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